Berliner Volksbank langt bei Kontogebühren zu

Verbraucher sollten genau prüfen, ob und in welchem Umfang sie dabei Genossenschaftsanteile kaufen

(lifePR) ( Potsdam, )
 

Die Berliner Volksbank hebt die Kontoführungsgebühren künftig deutlich an. Aufgrund der aktuellen Niedrigzinslage sei dies notwendig, erklärt die Bank ihren Kunden in einem Schreiben. Ab Mai 2017 kommen auf die Kunden dann monatliche Kosten von bis zu 16,90 Euro für ein Girokonto zu. Allerdings könnten Kontoinhaber diese Kosten mit einer Mitgliedschaft und einer Beteiligungserklärung um 2 Euro monatlich mindern. Dem Schreiben der Volksbank liegt die Beitrittserklärung zur Genossenschaft gleich mit bei. Im Antrag, zum Teil bereits vorausgefüllt, wird der Kauf von zehn Genossenschaftsanteilen für jeweils 52 Euro angepriesen.

Bei der Verbraucherzentrale Brandenburg gehen inzwischen vermehrt Fragen zu dem Schreiben und den Vorteilen und Risiken solcher Genossenschaftsanteile ein. Finanzexperte Erk Schaarschmidt erklärt, was Verbraucher jetzt wissen sollten:

Ist die Erhöhung der Kontoführungsgebühren überhaupt rechtens?

„Wir haben grundsätzliche Bedenken zur Rechtmäßigkeit, weil die meisten aktuellen Preiserhöhungen, auch jene der Berliner Volksbank, nicht die Kosten der Bank berücksichtigen. Das heißt: Nach diesem in anderen Branchen gängigen Grundsatz könnten nach unserer Rechtsansicht Preissteigerungen nur dann vorgenommen werden, wenn entsprechend auch die Kosten gestiegen sind. Das setzt wirksame Preisänderungsklauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) voraus. Im Moment heißt es dort vereinfacht nur, es gelten die Preise laut Aushang. Preisänderungen würden dem Kunden zwei Monate vor Wirksamwerden, nebst Hinweis auf sein Kündigungsrecht mitgeteilt.

Mit der derzeitigen Verfahrensweise sind unseres Erachtens grundsätzlich unzulässige Gewinnmaximierungen möglich. Wenn die Kosten berücksichtigt würden, müsste eine Bestimmung ebenfalls vorsehen, dass die Preise sinken, wenn die Kosten sinken. Es braucht aber zunächst Gerichtsurteile, die diesen Grundsatz auf die Banken-AGB übertragen, oder die Banken passen freiwillig ihre Geschäftsbedingungen an. Aktuell scheint es für Verbraucher daher rechtlich sehr riskant, der Preiserhöhung zu widersprechen, da die Bank diese Konten dann höchstwahrscheinlich kündigt.“

Was können Kunden kurzfristig tun, wenn sie diese Erhöhungen nicht akzeptieren?

„Wenn der Kunde mit den erhobenen Gebühren nicht einverstanden ist, sollte er einen Kontowechsel zu einer anderen Bank prüfen, die weniger Gebühren erhebt oder wenigstens in der Nähe eine Filiale unterhält. Wir wissen, dass derartige Preiserhöhungen manchen Kunden sauer aufstoßen, vor allem wenn Filialen vor Ort geschlossen wurden und Internetbanking nicht gewollt ist. Ein Kontenwechselservice erleichtert den Wechsel und muss wechselwilligen Verbrauchern von der Bank angeboten werden.“

Was passiert, wenn Verbraucher nicht auf das Schreiben reagieren oder die angebotenen Rabatte nutzen wollen?

„Reagiert der Kunde nicht auf das Erhöhungsschreiben, bleibt er in seinem Kontomodell und muss die erhöhten Preise hinnehmen. Widerspricht der Kunde, droht ihm die Kündigung des Kontos. Möchte er bei der Bank bleiben, aber die Rabatte nutzen, muss er zumindest einen Genossenschaftsanteil kaufen, so die aktuelle Praxis.“

Also müssen Kunden nicht – wie im Antragsformular teils suggeriert – genau zehn Anteile kaufen, um Rabatte zu erhalten?

„Nein, natürlich müssen sie das nicht. Wir halten es für sehr fragwürdig, dass die Bank die Kontonummer des Kunden bereits im Antragsformular unter „Beteiligung mit zehn Anteilen“ mit einem Gesamtpreis von 520 Euro vorausgefüllt hat. Dem Kunden wird diese Variante von der Bank ausdrücklich empfohlen. Dagegen erfolgt kein Hinweis darauf, dass der Kauf bereits eines Geschäftsanteils ausreicht.“

Müssen bei einem Gemeinschaftskonto dann zwei Anteile gekauft werden?

„Nein. Die Berliner Volksbank teilte uns telefonisch mit, dass auch Eheleute mit einem Gemeinschaftskonto nur einen Geschäftsanteil zu kaufen brauchen, um den damit verbundenen Rabatt beim Kontoführungspreis in Anspruch nehmen zu können. Weitere Rabatte sind bei entsprechendem monatlichen Geldeingang möglich.“

Welche Vorteile und Risiken gibt es, wenn Verbraucher die Genossenschaftsanteile der Berliner Volksbank einkaufen?

„Sofern die Filiale vor Ort erhalten bleibt und man nur einen Genossenschaftsanteil kauft, sollte der Nutzen überwiegen. Allerdings gibt es einen gehörigen Haken: Erst aus der Satzung ergibt sich, dass Mitglieder, also Inhaber von Genossenschaftsanteilen, zum Nachschuss in maximal gleicher Beteiligungshöhe verpflichtet werden können, wenn es der Bank wirtschaftlich schlecht geht. Da ist eigentlich ein fetter Warnhinweis angebracht, gleich neben dem Ankreuzfeld. Dies gilt vor allem, wenn der Kunde in Erwägung zieht, mehr als einen Geschäftsanteil zu kaufen. Kauft er zehn Anteile à 52 Euro könnte er im Ernstfall (bei Überschuldung der Bank) zur Zahlung weiterer 520 Euro herangezogen werden usw. Wir wollen den Teufel nicht an die Wand malen, aber der Kunde muss wissen, worauf er sich einlässt, wenn das Risiko voll durchschlagen sollte.“

Brauchen Sie individuellen Rat zu Kontoführungsgebühren oder zu den Konditionen eines Girokontos Ihrer Bank? Dann nutzten Sie folgende Möglichkeiten der Verbraucherzentrale: in den Verbraucherberatungsstellen, Terminvereinbarung unter 0331 / 98 22 999 5 (Mo bis Fr, 9 bis 18 Uhr) oder online unter www.vzb.de/termine, am Beratungstelefon unter 09001 / 775 770 (Mo bis Fr, 9 bis 18 Uhr, 1 €/min a. d. dt. Festnetz, Mobilfunk abweichend) sowie per E-Mailberatung auf www.vzb.de/emailberatung
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