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"Top-Manager haben die Bodenhaftung verloren"

Ethik-Prof. Knoepffler: Politikern ziehen wir enge Grenzen, Managern nicht - Steinbrück hat Grundproblem angesprochen

(lifePR) (Berlin, ) Vorstände und Aufsichtsräte deutscher Unternehmen haben sich nach Einschätzung des Jenaer Ethik-Professors Nikolaus Knoepffler zum Teil völlig von der Lebenswirklichkeit der Belegschaften entfernt. Der Fall des Gewerkschafters und stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden von ThyssenKrupp, Bertin Eichler, zeige, dass auch ein Vorstand der IG Metall die Bodenhaftung verlieren könne. "Warum Aufsichtsräte erste Klasse fliegen müssen, ist nicht nachvollziehbar. Das ist aber nur ein Symptom dafür, dass manche Räte die Bodenhaftung und den Kontakt zur Basis verloren haben - besonders offensichtlich wird dies, wenn Arbeitnehmervertreter wie Eichler sich solche Sonderwege gönnen", kritisiert Knoepffler im Interview mit den VDI nachrichten. "Lassen sich Aufsichtsräte aus den Gewerkschaften hofieren und verwöhnen, laufen sie Gefahr, nicht mehr im Interesse ihrer Klientel zu denken und zu handeln. Sie werden unglaubwürdig."

Knoepffler sieht in Eichler jedoch nur ein Bauernopfer. Er sei kein Einzelfall, sondern stehe für ein Grundproblem der Arbeit in deutschen Aufsichtsräten und Vorständen. Die Prämien der Entscheider in den Unternehmen seien "so gewaltig gestiegen", dass "die Verbindung zum Rest der Belegschaft sehr dünn geworden ist", so Knoepffler. "Ich neide keinem, der gute Arbeit leistet, sein Einkommen. Aber nicht wenige Manager und Aufsichtsräte leben tatsächlich in ihrer eigenen Welt. Sie sehen die Mitmenschen nicht mehr, die auf jeden Cent achten müssen und registrieren deren Empfindungen und Bedürfnisse nicht."

Mit seiner Bemerkung zum im Vergleich zu Top-Managern geringen Einkommen der Bundeskanzlerin habe SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ein Grundproblem angesprochen. "Bei Politikergehältern setzen wir Grenzen, der Privatwirtschaft aber lassen wir freien Lauf, selbst wenn Vorstände sich über Posten in Aufsichtsräten gegenseitig Gehaltserhöhungen zugestehen, die im Verhältnis zu den Durchschnittsgehältern nicht angemessen sind", so Knoepffler. Damit schade sich die Wirtschaft selbst. "Das erweckt den Eindruck eines Selbstbedienungsladens."

Das Interview finden Sie im Wortlaut unter www.vdi-nachrichten.com/Knoepffler