Sonntag, 19. November 2017


  • Pressemitteilung BoxID 662837

Getrennt leben - gemeinsam erziehen

Politische Weichenstellungen zum gesellschaftlichen Leitbild der Doppelresidenz

Eisenach, (lifePR) - Nur 1/3 der getrennt lebenden Eltern sind mit den getroffenen Betreuungsarrangements zufrieden, mehr als die Hälfte wünscht sich eine gleichberechtigte und gleich verantwortliche Elternschaft nach einer Trennung, so die Ergebnisse einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des BMFSFJ. Bundesfamilienministerin Dr. Katarina Barley gab im Rahmen der Veranstaltung „Gemeinsam getrennt erziehen – Wunsch und Wirklichkeit von Trennungsfamilien“ am 11. Juli 2017 in Berlin den Startschuss in Richtung gemeinsamer Elternverantwortung auch nach einer Trennung, um die lange überholten gesetzlichen Regelungen der Lebenswirklichkeit getrennter Eltern und deren Kinder anzupassen.

Anspruch und Wirklichkeit von Eltern, die sich gemeinsam um Beruf und Familie kümmern wollen, klaffen in Deutschland noch weit auseinander. Bisher lag der politische Fokus ausschließlich auf zusammenlebenden Familien, um Müttern bessere Chancen im Beruf und Vätern mehr Zeit in der Familie zu ermöglichen. Nach einer Trennung erfolgte aufgrund der bestehenden gesetzlichen Regelungen jedoch in der Regel eine „Rolle rückwärts“ in das überholte Rollenverständnis der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts nach dem Motto „einer betreut, einer zahlt“. Dies soll sich nun ändern.

Bundesfamilienministerin Dr. Katarina Barley brachte es im Rahmen der Veranstaltung auf den Punkt: „Moderne Familien wünschen sich Partnerschaftlichkeit. Auch getrennte Eltern.“ Hierzu sollen nun die politischen und rechtlichen Weichenstellungen getroffen werden. Die Sprecherin des Bündnisses doppelresidenz.org, Cornelia Spachtholz, ergänzte dazu: „Partnerschaftlichkeit sollte in Familien Anspruch und Ziel von Anfang an und im gesamten Lebensverlauf sein und gesellschaftlich und politisch unterstützt werden. Die gemeinsame Verantwortung als Eltern besteht auch nach einer Trennung als Paar fort und die Herausforderungen einer Trennung, die Begleitung unserer Kinder, lassen sich gemeinsam als Eltern-Team besser bewältigen als allein.“

Sehr deutlich wurde auch darauf hingewiesen, dass getrennte Eltern auf dem Weg zu diesem Eltern-Team noch mehr und deutlich andere Unterstützung als bisher brauchen. Das bisherige System trägt eher zu Eskalationen bei, als das es befriedet, wie u.a. Richter a.D. Jürgen Rudolph in seinem Vortrag ausführte. So gab es auch einen breiten Konsens, dass Beratung und Unterstützung von Eltern und Kindern stärker in den Vordergrund gestellt werden sollten.

„Wir stehen an der Schwelle zu einem grundsätzlichen gesellschaftlichen Wandel - hin zu gemeinsamer Elternschaft auf Augenhöhe. Die Doppelresidenz ist dabei lediglich die logische Fortsetzung dieser Elternschaft auch nach einer Trennung und bietet dabei vor allem den Kindern deutlich bessere Entwicklungschancen als das bisher meist gelebte Residenzmodell“ ergänzt Markus Witt, Sprecher des Bündnisses doppelresidenz.org. Er bezieht sich dabei auf umfangreiche wissenschaftliche Studien, welche die Wirkungen der Doppelresidenz auf die Kinder untersucht haben. Das Residenzmodell, bei dem das Kind lediglich bei einem Elternteil lebt, konnte in keinem Punkt überzeugen.

Bisher nahm man an, dass die Doppelresidenz eher eine Randerscheinung bei 3-5% aller Familien sei. Aus den vorgestellten repräsentativen Zahlen der aktuellen Allensbach-Studie geht jedoch hervor: 15% der getrennten Eltern in Deutschland leben bereits heute die Doppelresidenz, weitere 17% könnten sich dies vorstellen. Zukünftig werden wohl noch mehr Kinder getrennt lebender Eltern zwei Zuhause haben. Die ersten Grundlagen dazu wurden nun gelegt – und das ist auch gut so.

Väteraufbruch für Kinder e. V

- doppelresidenz.org ist ein vereinsübergreifendes Portal und Aktionsbündnis, welches aus der 2012 gegründeten Projektgruppe Doppelresidenz hervorgegangen ist. Ziel der Projektgruppe ist es, die vereins- und länderübergreifende Zusammenarbeit zur Förderung der Doppelresidenz zu betreiben.

- Neben dem Portal doppelresidenz.org, das umfangreiche Informationen zur gesellschaftlichen, wissenschaftlichen, juristischen und politischen Entwicklung zur Doppelresidenz bereit stellt, ist das Bündnis auch auf Veranstaltungen aktiv, um Interessierte über Chancen und Grenzen der Doppelresidenz zu informieren. Eine Übersicht über die aktuellen Partner erhalten Sie auf doppelresidenz.org/Partner

- Anstatt des Begriffes Wechselmodell verwenden wir den Begriff Doppelresidenz. Zum einen drückt es besser aus, dass die Kinder bei beiden Eltern „Zuhause" und keine Besucher sind. Zum anderen finden in der Doppelresidenz zumeist weniger Wechsel zwischen den Elternhäusern statt als im häufig gelebten Residenzmodell. Der Begriff Wechselmodell ist daher aus unser Sicht missverständlich.

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

World Vision: Kinder an Entscheidungen beteiligen, die sie betreffen!

, Familie & Kind, World Vision Deutschland e.V

Der Weltklimagipfel ist beendet. Viele Jugendliche aus allen Erdteilen der Welt waren anwesend und forderten eine stärkere Beteiligung bei den...

Marienhöher "Tiger" waschen Polizeiautos

, Familie & Kind, Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland / Süddeutscher Verband KdöR

Bewaffnet mit Staubsauger, Putzlappen und Eimern rückten Pfadfinder der Gruppe „Tiger“ am 13. November beim 2. Polizeirevier in Darmstadt an....

Europäischer Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch

, Familie & Kind, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Anlässlich des morgigen (Samstag) Europäischen Tags zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch fordert Bundesjugendminister­in...

Disclaimer