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Pressemitteilung BoxID: 276837 (Universitätsklinikum Heidelberg)
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Wenn Knochenbrüche nicht heilen

Heidelberger Unfallchirurg Professor Dr. Gerhard Schmidmaier mit Oskar und Helene-Medizinpreis 2011 ausgezeichnet / Speziell beschichtete Implantate fördern Knochenheilung

(lifePR) (Heidelberg, ) Seit mehr als zehn Jahren forscht Professor Dr. Gerhard Schmidmaier, Leiter der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg, erfolgreich an neuen Therapien bei schwer heilenden Knochenbrüchen oder -defekten. Dafür ist er nun mit dem Oskar und Helene-Medizinpreis 2011 ausgezeichnet worden. Mit dem Preisgeld von 50.000 Euro fördert die Berliner Oskar-Helene-Heim Stiftung die weitere wissenschaftliche Arbeit des Unfallchirurgen. Zweite Preisträgerin ist die Biologin Professor Dr. Britt Wildemann, die an der Charité-Universitätsmedizin ebenfalls an Methoden zur Stimulation der Knochenheilung in Kooperation mit Herrn Prof. Schmidmaier arbeitet.

Ungefähr 20 Prozent aller Knochenbrüche heilen trotz entsprechender medizinischer Versorgung nur verzögert oder gar nicht. Bei diesen Patienten ist der Wiederaufbau und das Wachstum von gesundem Knochengewebe gestört, oder Infektionen und Entzündungen führen zu weiterem Knochenabbau. "Es ist anzunehmen, dass die Anzahl dieser schwer heilenden Brüche in unserer immer älter werdenden Bevölkerung noch zunimmt. Denn gerade Knochenbrüche bei Menschen mit altersbedingtem Knochenschwund, der Osteoporose, nehmen häufig einen komplizierten Verlauf", erklärt Schmidmaier. Ähnlich ist die Situation bei Knochendefekten nach einer Operation, wenn z.B. ein Tumor oder ein infiziertes Knochenstück entfernt wurden.

Seit über zehn Jahren fahndet Gerhard Schmidmaier daher nach Möglichkeiten, die Knochenregeneration von innen heraus anzukurbeln - zunächst an der Charité in Berlin und seit Februar 2010 am Universitätsklinikum Heidelberg. Gemeinsam mit Britt Wildemann zeigte er, dass bestimmte körpereigene Wachstumsfaktoren, z.B. das Eiweiß BMP-2, die Knochenheilung anregt. Damit BMP-2 tatsächlich nur im Knochen und nicht in anderen Organen seine Wirkung entfaltet, entwickelten sie u.a. eine spezielle Beschichtung für Implantate. Darin enthalten sind neben den Wachstumsfaktoren auch Antibiotika, die über einen bestimmten Zeitraum an den Knochen abgegeben werden.

Von diesen bioaktiven Implantaten profitieren besonders Patienten mit einem hohen Risiko für Infektionen oder verzögerter Frakturheilung. Die Beschichtung mit Antibiotika zur Vermeidung von Infektionen ist inzwischen in klinischen Studien erprobt und zur Anwendung beim Patienten zugelassen.

Körpereigene Wachstumsfaktoren und Stammzellen setzen Heilung in Gang

In Heidelberg beschäftigt sich Schmidmaier besonders mit der Therapie sogenannter Pseudarthrosen, Knochendefekten, die auch nach sechs Monaten noch nicht ausheilen. Die beiden Bruchkanten bleiben gegeneinander beweglich, man spricht daher auch von Scheingelenken. "Wenn die Patienten mit einer Pseudarthrose zu uns kommen, haben sie häufig bereits viele erfolglose Therapieversuche und Operationen hinter sich", so Schmidmaier. Gemeinsam mit seinem Team erforscht er eine kombinierte Anwendung von Wachstumsfaktoren und patienteneigenen Stammzellen. "Die klinischen Anwendungen verlaufen sehr vielversprechend", so der Unfallchirurg.

Auch die Forschung an bioaktiven Implantaten setzt Schmidmaier am Universitätsklinikum Heidelberg fort: "Derzeit beschäftigen wir uns damit, weitere Wirkstoffe einzeln und in Kombination in die Beschichtung einzuarbeiten und gezielt in sinnvoller zeitlicher Abfolge freizusetzen." Aktuell arbeiten die Wissenschaftler daran, Stücke der Erbinformation mit dem genetischen Bauplan für Wachstumsproteine wie BMP-2 in die Beschichtung einzuarbeiten. Sie sollen die Zellen rund um den Knochendefekt dazu anregen, diese Proteine selbst zu bilden und die Knochenheilung einzuleiten.

Die Sektion für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg ist europaweit führend bei der Behandlung schwer heilender Knochendefekte. Bei rund 90 Prozent der bislang über 400 behandelten Patienten verläuft die Therapie erfolgreich. Zum Einsatz kommen u.a. bioaktive Implantate oder lokal verabreichte Kombinationen von Wachstumsfaktoren und Antibiotika.

Weitere Informationen im Internet:

www.klinikum.uni-heidelberg.de/Patienten-Besucher.108376.0.html
www.stiftung-ohh.de/stiftung/index.php?id=54