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Ausstellung im Medizinhistorischen Museum des UKE: "Pandemie - Rückblicke in die Gegenwart"

COVID-19 im Kontext der Seuchengeschichte

(lifePR) (Hamburg, )
Die Ausstellung im historischen Eppendorfer Sektionssaal des Medizinhistorischen Museums Hamburg des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt die Corona-Pandemie mit ihren Maßnahmen und Konzepten im Kontext der Seuchengeschichte. Die Ausstellung ist ein Jahr lang, vom 2. Oktober 2021 bis zum 15. Oktober 2022, zu sehen.

Der Rundgang beginnt im Vorraum des alten Eppendorfer Sektionssaals. Dort hängen die Handwaschbecken der Pathologie. Ein noch gesunder Boris Johnson grüßt mit den Worten: „I continue shaking hands!“ Gezeigt wird der Siegeszug der Hygiene, der erst die Medizin und ab 1900 zunehmend den Alltag erfasste. Formalin gab es als Desinfektionsmittel, Bodenreiniger und Lutschtablette mit Pfefferminzgeschmack. Antisepsis bannte die tödlichen Infektionen nach chirurgischen Eingriffen.

Der große Eppendorfer Sektionssaal ist zugleich Ausstellungsraum und Exponat. Hier befand sich 1918 – die Pathologie war noch nicht eingezogen – ein Notlazarett für Grippekranke. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Therapie, die Diagnose und der Alltag in Zeiten von Pandemien. Gegenüber gestellt sind Objekte aus drei Jahrhunderten: beispielsweise Cholera-Exponate, Pestheilige und Flugblätter von Impfgegnern, eine Eiserne Lunge neben einem modernen ECMO-Filter. „Sie symbolisierten in ihrer jeweiligen Zeit medizinischen Fortschritt und Ressourcenknappheit“, sagt Prof. Dr. Philipp Osten, Leiter des Medizinhistorischen Museums.

Am Ausgang des Saals sind hunderte leere BioNTech-Ampullen neben den Klappmessern der Impfärzte von 1807, als erstmals in Deutschland eine Impfpflicht eingeführt wurde, zu sehen. Die Pocken waren höchst ansteckend, 20 Prozent der Kinder verstarben daran. Die 180 Jahre lange Bekämpfung durch die Vakzination (der Begriff kommt von dem lateinischen Wort vacca = Kuh) mit Kuhpockenserum ist das leuchtende Beispiel für das Ende einer Seuche.

Corona, Cholera, Spanische Grippe: Seuchen und ihre Bekämpfungen

Der benachbarte kleine Hörsaal präsentiert exemplarisch die Corona-Forschung der vergangenen 18 Monate: Prof. Dr. Marylyn Addo, Leiterin der Infektiologie des UKE, berichtet in einer Videovorlesung über die Fortschritte ihres Fachs. Ein Wandgemälde zeigt die Ausbreitung der Virusvarianten. Und die Modelle der weltweit vernetzen Coronavirus-Structural-Task-Force der Hamburger Strukturbiologin Dr. Andrea Thorn erklären den Lebenszyklus des Corona-Virus. Deutlich wird, auch die wissenschaftliche Virologie stützt sich auf Modellvorstellungen, naturwissenschaftliche Erkenntnisse sind ein dynamischer Prozess kein statisches Wissen.

Dass die Pest, die Cholera und die Spanische Grippe die historischen Erkenntnisrahmen für die jeweils folgenden Pandemien lieferten, wird in der Ausstellung klar: Der 2017 zuletzt aktualisierte Pandemieplan des Robert-Koch-Instituts rekurriert auf Statistiken aus dem Jahr 1918, um die Auswirkungen von Schulschließungen und Maskenpflicht abzuschätzen. Als die Pest in Nordeuropa wütete, hielt Hamburg gegen die eindringlichen Bitten seines Umlands den Hafen geöffnet; Altona und Lüneburg legten daraufhin Militärsperren um die Stadt. Im Pestjahr 1713 starb ein Fünftel der Hamburger Bevölkerung, offizielle Chroniken beruhigten, „dieses Sterben [habe] meistentheils nur geringe Leute betroffen.“

Als die Cholera 1831 erstmals durch Europa zog, waren Flugschriften die Medien der Zeit. Innerhalb weniger Wochen erschienen an die tausend Choleraschriften mit Ratschlägen von Ärzten und Laien. Die Ausstellung zeigt fünf Choleraschriften des Homöopathie-Begründers Samuel Hahnemann.

Dass auch Irrwege früher wie heute Kontinuität hatten, wird im Museum sichtbar: Als Donald Trump „Hydroxychloroquin“ als COVID-19-Arznei verordnete, setzte er eine Tradition fort. Chinin war schon gegen Cholera und Grippe vehement empfohlen worden und zeigte auch damals nicht die erhoffte Wirkung. Ebenso belegen die ausgestellten Karikaturen aus dem 19. Jahrhundert: Impfgegner und Verschwörungstheorien gab es schon vor 200 Jahren.

Parallel zu der Ausstellung im historischen Hörsaal sind im Obergeschoss des Museums Zeichnungen des bekannten Kinderbuchillustrators Axel Scheffler zu sehen. Er gestaltete ein Kinderbuch über Corona, das in mehr als 60 Sprachen übersetzt worden ist. Im November kommt der Künstler ins Museum und zeichnet mit Kindern.

Öffnungszeiten der Ausstellung: Samstag und Sonntag, 13 bis 18 Uhr. Für den Museumsbesuch gilt die 2G-Regel mit Maskenpflicht.

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

Das 1889 gegründete Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ist eine der modernsten Kliniken Europas und mit rund 14.000 Mitarbeitenden einer der größten Arbeitgeber in Hamburg. Pro Jahr werden im UKE rund 430.000 Patient:innen versorgt, 95.000 davon stationär und 335.000 ambulant. Zu den Forschungsschwerpunkten des UKE gehören die Neurowissenschaften, die Herz-Kreislauf-Forschung, die Versorgungsforschung, die Onkologie sowie Infektionen und Entzündungen. Über die Medizinische Fakultät bildet das UKE rund 3.400 Mediziner:innen, Zahnmediziner:innen und Hebammen aus.

Wissen - Forschen - Heilen durch vernetzte Kompetenz: Das UKE. | www.uke.de

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