Samstag, 18. November 2017


Fairtrade wirkt!

Studie belegt positive Effekte auf ländliche Entwicklung

Köln, (lifePR) - Welche Wirkung hat Fairtrade auf die ländliche Entwicklung in den Produktionsländern des globalen Südens? Was sind entscheidende Faktoren für einen optimalen Einfluss? Anlässlich seines 20-jährigen Jubiläums hat TransFair e.V. gemeinsam mit der Max Havelaar-Stiftung Schweiz eine Studie in Auftrag gegeben, die die Wirkung von Fairtrade in verschiedenen Produktbereichen auf drei Kontinenten prüft. "Die aktuellen Forschungsergebnisse belegen, dass Fairtrade bessere Einkommen schafft und zur Armutsbekämpfung in den ländlichen Regionen beiträgt", erklärte Dieter Overath, Geschäftsführer von TransFair. "In Fairtrade-starken Regionen, wie im Bananenanbau in Peru oder in der Rosenzucht in Kenia, ahmen konventionelle Anbieter sogar Fairtrade-Standards nach, wie zum Beispiel die Prämienzahlung oder verbesserte Arbeitsbedingungen." Die Studie wurde vom Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, Misereor und Brot für die Welt/EED mitfinanziert und von CEval aus Saarbrücken erarbeitet.

Erhebungen in sechs Produktbereichen in Afrika, Lateinamerika und Asien

Für die Studie wurde eine Vielzahl qualitativer und quantitativer Daten erhoben. In sechs Ländern wurden Bauern und abhängige Beschäftigte durch 32 Gruppendiskussionen und 128 Einzelinterviews befragt. 3750 Fragebögen sowie Primär- und Sekundärliteratur wurde ausgewertet. Die methodisch anspruchsvolle Umsetzung erlaubt eindeutige Aussagen zur Wirkung von Fairtrade auf ländliche Entwicklung. Untersucht wurden Fallstudien in den Produktbereichen Kaffee, Bananen, Tee, Baumwolle, Kakao und Blumen. Das CEval-Team verglich die Entwicklungen von Fairtrade-zertifizierten Kleinbauernkooperativen, Plantagen und Vertragsanbauern mit konventionellen Organisationen. Vergleichsgrößen waren unter anderem Bildung, Gesundheitsversorgung und Gender.

Sozio-ökonomische Situation verbessert

Die Studie weist nach, dass Kleinbauern und Arbeiter auf Fairtrade-zertifizierten Kooperativen und Plantagen über leicht höhere und stabilere Einkommen verfügen: Rund 64 Prozent der Befragten gaben an, Geld sparen zu können, gegenüber 51 Prozent der Vergleichsgruppe. Zudem war die Produktivität der zertifizierten Organisationen in den meisten Fällen höher. Für 85 Prozent der Befragten im Baumwoll-Fallbeispiel hat sich durch Fairtrade der Kreditzugang verbessert. Fast 85 Prozent der Arbeiter der untersuchten Fairtrade-Blumenplantage haben einen festen Arbeitsvertrag, im Gegensatz zu unter 20 Prozent der Arbeiter der konventionellen Vergleichsplantagen. Eine große Auswirkung auf die ländlichen Gebiete haben die zum Teil massiven Investitionen in die lokale Infrastruktur, wie beispielsweise in den Ausbau von Straßen. Als indirekte Folge wurde eine allgemeine Verbesserung im Bildungs- und Gesundheitswesen festgestellt.

Die Bevölkerung ist in Entwicklungsaktivitäten eingebunden

CEval ermittelte, dass Fairtrade-Prämiengelder oftmals für Projekte verwendet werden, die Vorteile für die Bewohner einer ganzen Region bewirken. Dass Kleinbauern und Arbeiter die Möglichkeit haben, Entwicklungsprojekte selbstbestimmt umzusetzen führt dazu, dass diese Projekte von der breiten Bevölkerung akzeptiert und getragen werden. Durch die stärkere Organisation und Positionierung der Kleinbauern in Kooperativen können zum Teil sogar bestehende Machtverhältnisse durchbrochen werden. Auch im Plantagenbereich führt die selbständige Prämienverwaltung durch ein Gremium aus gewählten Arbeitervertretern und Management, den sogenannten Joint Body, zu einer einzigartigen Verantwortungsübernahme von Arbeitern in Entscheidungsprozessen.

Wirkung optimieren durch engagiertes Management und größere Marktzugänge

Die Wirkung von Fairtrade auf die ländliche Entwicklung hängt stark davon ab, wie hoch die Fairtrade-Absätze sind, wie gut die Produzenten und das Management informiert und organisiert sind und wie ernst ihr Engagement für Fairtrade ist. CEval empfiehlt, dass die gut funktionierenden Beispiele im Sinne eines "Best Practice-Ansatzes" genutzt werden, um die Wirksamkeit innerhalb des Fairtrade-Systems zu erhöhen.

Erfolgreiches Jubiläumsjahr - 34 Prozent Plus in drei Quartalen

Im 20. Jahr nach der Gründung setzte sich der Markterfolg von Fairtrade-Produkten am deutschen Markt fort. In den ersten drei Quartalen 2012 stieg der Absatz um rund 34 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf über 34.000 Tonnen. Die erfolgreichsten Fairtrade-Produkte am deutschen Markt sind Blumen, mit einem Wachstum von 229 Prozent, Bananen, mit 69 Prozent Steigerung und Kaffee mit einem Plus von acht Prozent, außerdem Süßigkeiten (+ 46 Prozent) und Fruchtsaft (+ 14 Prozent). Der Marktanteil von Fairtrade-Kaffee liegt bei zwei Prozent. Faire Rosen nähern sich einem Marktanteil von 20 Prozent. 20 Prozent der in Deutschland verkauften Bio-Bananen tragen das Fairtrade-Siegel.

TransFair Verein zur Förderung des Fairen Handels in der Einen Welt

Der Verein TransFair e.V. wurde 1992 mit dem Ziel gegründet, benachteiligte Produzentengruppen in Entwicklungsländern zu unterstützen. Als unabhängige Organisation handelt TransFair e. V. nicht selbst mit Waren, sondern vergibt das Fairtrade-Siegel für fair gehandelte Produkte und fördert das Bewusstsein für einen nachhaltigen Konsum. Produkte mit dem Fairtrade-Siegel gibt es bundesweit in 36.000 Geschäften. Über 18.000 gastronomische Betriebe schenken Fairtrade-Kaffee und -Kakao aus. 200 Firmen bieten rund 2000 Fairtrade-Produkte an.
www.fairtrade-deutschland.de

TransFair gehört zum internationalen Verbund Fairtrade International (FLO), in dem Initiativen aus 23 Ländern und die drei kontinentalen Produzentennetzwerke zusammengeschlossen sind. Unter Beteiligung aller Stakeholder setzt FLO die international gültigen Fairtrade-Standards fest. Zusätzlich unterstützt und berät der FLO e.V. die Produzentengruppen durch lokale Berater. Alle beteiligten Akteure werden regelmäßig von FLO-CERT GmbH kontrolliert. Die Gesellschaft mit Sitz in Bonn arbeitet mit einem unabhängigen, transparenten und weltweit konsistenten Zertifizierungssystem nach den Anforderungen der Akkreditierungsnorm ISO 65 (DIN EN 45011).

Das Centrum für Evaluation (CEval) ist ein wissenschaftliches Institut der Universität des Saarlandes, das grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung im Bereich der Evaluation betreibt. Es ist am Lehrstuhl für Soziologie der Fakultät für empirische Humanwissenschaften angegliedert und wird von Professor Dr. Reinhard Stockmann geleitet. Das CEval konzentriert sich sowohl bei der Theorie- und Methodenentwicklung sowie der Beratung und Durchführung von Evaluationen für die Arbeitsschwerpunkte Entwicklungszusammenarbeit, Umwelt- und Arbeitsmarkt, Gesundheit und Soziales, sowie Bildung und Kultur.

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