Donnerstag, 21. Juni 2018


Melchinger Winterreise

Melchingen, (lifePR) - Der Theaterspaziergang, bei dem sich die Zuschauer durch die Winterlandschaft der Schwäbischen Alb bewegen, wurde erstmals vor 20 Jahren aufgeführt. Jetzt nimmt das Theater Lindenhof das Stück von Peter Härtling in einer Zeit, in der Fluchtbewegungen die Weltpolitik bestimmen, wieder auf. Und erzählt es neu. Premiere feiert die Winterreise am 8. Dezember.

Im Zentrum der Melchinger Winterreise steht der bekannte Liederzyklus des Komponisten Franz Schubert. Leitmotiv der Lieder ist der Wanderer, der enttäuscht von der Liebe, ohne Ziel und Hoffnung, durch die Winternacht zieht. Schubert selbst war ein Getriebener, der nie Ruhe fand. Peter Härtling, der als Flüchtlingskind nach Nürtingen kam, erkannte sich in der Musik und in den Texten wieder. Für ihn war der Wanderer der Winterreise ein Sinnbild für Heimatlosigkeit. Für das Theater Lindenhof schrieb er die „Melchinger Winterreise“, die 1997 unter der Regie von Christoph Biermeier uraufgeführt wurde. Nun wird der Theaterspaziergang, der die Zuschauer selbst zu Wanderern in der Winterlandschaft der Schwäbischen Alb macht, nach zwanzig Jahren wieder aufgenommen. Der Regisseur Christoph Biermeier verspricht den Besuchern eine Reise in die Vergangenheit, aber auch eine Konfrontation mit den Themen Vertreibung und Flucht heute. So treffen in der neuen Winterreise Fluchterfahrungen dreier Zeiten aufeinander. Schuberts Gefühl von Heimatlosigkeit im 19. Jahrhundert, das von Härtling Mitte des 20. Jahrhunderts und Fluchterfahrungen von Asylsuchenden heute.

Regisseur Christoph Biermeier sieht Theater als ein gutes Medium an, um gesellschaftliche Fragestellungen anzugehen und zu verhandeln: „Wenn man Geschichten hört, wie die unserer Mitspieler, dann kann man nicht einfach sagen, ‚Das Boot ist voll‘. Dann muss man fragen: Wie kann man im Fremdsein und Unbehaustsein seinen eigenen Weg finden und zwar einen Weg voller Zuversicht. Wie kann das Zusammenleben mit den Menschen, die zu uns kommen, gelingen?“.

Fast alle Schauspieler der ersten Version sind wieder mit dabei, doch wurde bei der Besetzung etwas rotiert. Bernhard Hurm spielt nicht mehr den Schubert, sondern Peter Härtling als Jungen – auch als Homage an seinen Freund. Der Gastschauspieler Rahul Chakraborty, der halb Inder und halb Deutscher ist, ist der Schubert von heute. Ebenso mit von der Partie sind drei Asylsuchende aus Trochtelfingen. Gleich geblieben ist die Musik, die für das Theater Lindenhof Susanne Hinkelbein arrangiert hat

Der Theaterspaziergang, der rund drei Stunden dauern wird, führt die Zuschauer in drei Gruppen zu vier Stationen. In den Theatersaal, in das Theaterfoyer, in die Theaterscheune und auf den Himmelberg. Und dort wird, wie vor zwanzig Jahren, der Engel der Geschichte seine Flügel ausbreiten – verkörpert vom Intendanten Stefan Hallmayer persönlich. In verschneiter Winterlandschaft, wie es im Moment aussieht.

Die Melchinger Winterreise findet von 8. Dezember 2017 bis 11. Februar 2018 statt. Öffentliche Probe ist am 6. Dezember. Der dreistündige Theaterspaziergang beginnt jeweils um 15 Uhr. Auf den Melchinger Himmelberg gelangen die Zuschauer per Bustransfer. Karten gibt es über das Theater Lindenhof (Tel. 07126/92 93 94 oder www.theater-lindenhof.de) oder die Vorverkaufsstellen.

Mit: Ruta Abrahale, Berthold Biesinger, Rahul Chakraborty, Regina Greis, Stefan Hallmayer, Susanne Hinkelbein, Peter Höfermayer, Bernhard Hurm, Berthold Lüdenbach, Michael Mautner, Mohammad Noori, Marie Österle, Victor Oswald, Ida Ott, Franz Xaver Ott, Herwig Rutt, Carola Schwelien, Haben Woldehaimanot, Gustav Zahn

Regie: Christoph Biermeier
Musik: Susanne Hinkelbein
Dramaturgie: Georg Kistner
Bühne/Kostüme: Ilona Lenk

In Zusammenarbeit mit der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Trochtelfingen
Mit freundlicher Unterstützung der Baden-Württemberg Stiftung

Premiere: 8. Dezember 2017

Theater Lindenhof

Seit über drei Jahrzehnten bietet das Theater Lindenhof seinem Publikum "Volkstheater im besten, ja allerbesten Sinne" (Stuttgarter Zeitung). Fernab der Metropolen ist dieses Theater zum Inbegriff für ein besonderes Heimattheater geworden: Faszinierende Theaterexkursionen im Freien, Inszenierungen von Klassikern, Umsetzungen lokaler und regionaler Geschichte und Geschichten, große Theaterprojekte mit Bürgern und ein vielseitiges Kleinkunstprogramm - darunter zahlreiche Uraufführungen. Für ihre Inszenierungen erhielten die Theatermacher eine Reihe von Auszeichnungen.

Das Theater Lindenhof führt jährlich rund 350 Veranstaltungen durch - davon 230 in Burladingen-Melchingen und 120 an Gastspielorten in ganz Baden-Württemberg, aber auch überregional in München, Hamburg, Berlin oder Recklinghausen. Mit seinen Aufführungen erreicht es jährlich 45.000 ZuschauerInnen, davon 20.000 allein in Melchingen. Das Theater Lindenhof ist seiner Rechtsform nach seit dem 1. Januar 2011 eine Stiftung. Das einzige Regionaltheater wird vom Land Baden-Württemberg, den Landkreisen Zollernalb, Reutlingen, Tübingen und von der Sitzgemeinde Burladingen sowie rund zwanzig Partnerstädten aus dem ganzen Land unterstützt.

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