Samstag, 25. November 2017


  • Pressemitteilung BoxID 661524

App gegen Essstörung startet in Bayern

Hamburg, (lifePR) - Sieben Esslöffel Müsli, 150 Gramm Joghurt und ein halber Apfel. Unauffällig tippt Louisa ihr Frühstück vor der Vorlesung in ihr Smartphone. In der Uni soll niemand wissen, dass sie jede Mahlzeit protokollieren muss. Seit sie sieben Jahre alt ist, leidet die 22-Jährige an Anorexia nervosa, Magersucht. Nach mehreren Krankenhausaufenthalten und begleitender Psychotherapie ist Louisas Zustand inzwischen stabil. 3.048 Patienten in Bayern mussten nach Angabe der Techniker Krankenkasse (TK) 2015 wegen einer Essstörung stationär behandelt werden. Das ist ein Anstieg von mehr als 40 Prozent gegenüber 2005.

Die Ursachen für Essstörungen sind komplex. Ein Klinikaufenthalt allein ist für viele Patienten nicht ausreichend, um die krankhaften Verhaltensmuster abzulegen. Um Patienten wie Louisa auch nach stationären Aufenthalten weiterhin Halt zu geben und sie auf dem Weg in ein gesundes Essverhalten zu begleiten, kooperiert die TK seit 2014 mit dem Therapienetz Essstörung.

Mühsamer Weg zu einem gesunden Essverhalten

Einkaufen, kochen und essen - was für die meisten Alltag ist, ist für Louisa ein mühsam erkämpfter Teilerfolg gegen die Krankheit. Auf ihrem Weg in ein normales Essverhalten hilft ihr die App "Jourvie". Louisa ist eine von 20 Patienten des Therapienetzes Essstörung, die die App in einer dreimonatigen Pilotphase in Bayern testen. Auf ihrem Handy kann Louisa schnell und diskret ihre Mahlzeiten eingeben. "Ich fand es immer unangenehm, wenn Fremde sehen konnten, dass ich mein Essen aufschreibe. Da wird man gleich in eine Schublade gesteckt", sagt Louisa. Die Dokumentation mit dem Smartphone ist zeitgemäßer als Papier. Die Patientinnen denken eher daran, ihre Mahlzeiten zu notieren, da sie das Smartphone immer dabei haben. Louisa schickt ihr Essprotokoll ein bis zwei Mal pro Woche aus der App an ihre Ernährungsberaterin, die den Plan mit ihr bespricht.

Start-ups haben es schwer, sich im Gesundheitsmarkt zu etablieren

Entwickelt wurde die App "Jourvie" vom gleichnamigen Start-up in Berlin. Die Gründerin Ekaterina Karabasheva litt selbst viele Jahre unter einer Essstörung und hat die App mit den Erfahrungen ihrer eigenen Krankheitsgeschichte entwickelt. Jourvie wurde im vergangenen Jahr unter zahlreichen Bewerbern als eines von fünf Start-ups zum Innovationstag von TK und Handelsblatt nach Berlin eingeladen. Die TK möchte mit dem Innovationstag jungen Unternehmen die Chance geben, im etablierten Gesundheitsmarkt Fuß zu fassen. "Jourvie zeigt, wie Apps die Therapiepraxis entscheidend vereinfachen können. Wir freuen uns, dass Jourvie es jetzt in Bayern in den Versorgungsalltag geschafft hat", sagt Christian Bredl, Leiter der TK in Bayern.

Jourvie füllt mit dem digitalen Essprotokoll eine Lücke in der Therapie von Essstörungen. Bislang ist es für digitale Neuerungen jedoch noch immer schwer, sich im ersten Gesundheitsmarkt zu etablieren. Nur wenigen Gründern gelingt es, in der Branche Fuß zu fassen. „Innovative Ideen müssen sowohl für Patienten als auch für Ärzte und Therapeuten einen Mehrwert bieten, sonst haben sie keine Chance im Markt“, sagt Bredl. Deshalb sei es wichtig gemeinsam mit Start-ups Wege zu finden, wie Innovationen in den Gesundheitsmarkt gebracht werden können.
 
 

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

Apotheke goes digital

, Gesundheit & Medizin, DeGIV GmbH

Neue Auslieferungen - Innovative Apotheken können sich in neuen Postleitzahlgebieten um ein Gesundheitsterminal bewerben Mit Beginn des neuen...

Anwendungen der Versicherten der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) auf der Zielgeraden

, Gesundheit & Medizin, DeGIV GmbH

Nachdem der operative Startschuss für den flächendeckenden Rollout der Telematik-Infrastruktur gefallen ist und bereits noch in diesem Jahr die...

Einladung und Entscheidungshilfe Zervixkarzinom-Screening: IQWiG legt finale Fassung vor

, Gesundheit & Medizin, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen - IQWiG

Schon seit 1971 gehört die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs zum Leistungsangebot der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Wie beim Darmkrebs...

Disclaimer