Flächendeckender Einsatz von Elektrobussen? Der Weg dahin ist noch lang

Eine Fachtagung der SWEG beschäftigte sich mit der Frage, wie ausgereift die Elektromobilität im Linienbusverkehr ist

(lifePR) ( Lahr, )
Bis Elektrobusse im ÖPNV-Linienverkehr flächendeckend eingesetzt werden können, sind noch einige Hindernisse zu überwinden. Das ist das Ergebnis einer Fachtagung, die die Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG (SWEG) am 4. Mai 2018 in Lahr unter dem Titel „Wie ausgereift ist die Elektromobilität im Linienbusverkehr“ mit Referenten aus Wissenschaft, Fahrzeugherstellung und Energieversorgung veranstaltet hat. Die rund 40 Teilnehmer aus dem gesamten Verkehrsgebiet der SWEG erfuhren, dass sich die Batterietechnik wahrscheinlich schnell weiterentwickeln wird, das Haupthindernis aber in der Infrastruktur liegt. So müssten neue Leitungen zur Energieversorgung gelegt werden, was planungsrechtliche Fragen aufwirft, die die Politik erst noch lösen muss.

Johannes Müller: „SWEG testet seit Jahren alternative Antriebe“   

Eingeleitet und moderiert wurde die Tagung vom SWEG-Vorstandsvorsitzenden Johannes Müller. Er erinnerte daran, dass die SWEG seit vielen Jahren alternative Antriebe in der Praxis teste und seit Mitte April ein erster Elektrobus in Lahr im Einsatz ist. Hemmnisse in Bezug auf Elektrobusse sah Müller bei der Batterietechnik und beim Einsatz von Klimatisierung/Heizung. „Wenn ein Bus 250 Kilometer bei gleichzeitigem Betrieb von Klimaanlage oder Heizung schafft, dann wäre das für uns und unsere Auftraggeber ein guter Grund, noch stärker in die Elektromobilität einzusteigen.“ Zu klären sei dann aber noch, wie sich die hohen Kosten für die Schaffung der Ladeinfrastruktur decken lassen.

Wolfgang Bessler: „Elektromobilität lässt sich nicht mehr aufhalten“

Sehr optimistisch äußerte sich der erste Hauptreferent Dr. Wolfgang Bessler. Nach Ansicht des Professors vom Institut für Energiesystemtechnik der Hochschule Offenburg lässt sich der Weg zur Elektromobilität nicht mehr aufhalten. Das liege unter anderem daran, dass die Kosten für Batterien immer weiter sinken. Zudem seien Elektromotoren weitgehend wartungsfrei, die Energiekosten seien nur halb so hoch wie die Tankkosten und die Emission von Stickoxiden, Rußpartikeln und Lärm sei beseitigt. „Die E-Mobilität ist der Verbrennungsmobilität hinsichtlich Technik, Kosten, Umwelt und Fahrvergnügen überlegen“, gab sich Wolfgang Bessler überzeugt.  

Fahrzeughersteller: Technik wird immer besser

Die Sicht der Fahrzeughersteller vertraten bei der Tagung Dr. Karsten Wasiluk von Daimler Buses und Günter Maier von Solaris. Laut Wasiluk werden die verfügbare Batteriekapazität und somit die Reichweiten innerhalb der nächsten Jahre stark ansteigen. Erst in fünf bis zehn Jahren werde eine Parität der Systemkosten für elektrische und konventionelle Busse erreicht sein. Ein rascher Einstieg in die Elektromobilität sei sinnvoll zum Sammeln von Erfahrungen, jedoch nur wohldosiert zu empfehlen und ohne öffentliche Förderung nicht machbar. „Und was man nicht vergessen sollte: Der dieselbetriebene Euro-6-Citaro bietet ein hohes Maß an Umweltfreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit“, so Karsten Wasiluk. Günter Maier verwies auf die große Erfahrung, die Solaris in der Produktion von Elektrobussen habe. Der Hersteller habe zwar mit manchem Problem in der Praxis zurechtkommen müssen, dadurch jedoch wichtige Erfahrungen gesammelt.

Ulrich Kleine: „Rahmenbedingungen noch lange nicht im Soll“

Das letzte Referat der Tagung hielt Dr. Ulrich Kleine. „Ich muss aufpassen, dass ich jetzt nicht in die Rolle des Spielverderbers gerate“, leitete der Vorstand des E-Werks Mittelbaden seine Ausführungen ein. Für den flächendeckenden Betrieb von E-Bussen sei der Neubau leistungsstarker Ladestationen und das Verlegen entsprechender Zuleitungen nötig. „Dies müssen Sie zu den Systemkosten dazurechnen und dann kommen die Kosten ins Ungleichgewicht.“ Zu klären sei weiterhin die Frage, wer die Bezahlung übernimmt, wenn die Straße aufgerissen und neue Leitungen verlegt werden. Hier sei die Politik gefordert, Lösungen zu finden. Hinzu komme die grundsätzliche Frage, wie sich bei konsequenter Umstellung auf die E-Mobilität der zusätzliche Strom ökologisch erzeugen lasse. „Immer neue Windräder und Hochspannungsleitungen stoßen nicht bei jedem auf Akzeptanz. Die Verlängerung der Laufzeiten von konventionellen Kraftwerken, der Bau von Großspeichern und Nord-Süd-Verbindungen sind hierzu schnell zu klären.“ Schwierig sei außerdem, wie erreicht werde, dass sich die Ladezeiten der Kunden verteilen und nicht etwa alle gleichzeitig das Stromnetz anzapfen. Kleines Fazit: „Die Rahmenbedingungen sind noch lange nicht im Soll.“
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