Historisch niedrige Ernte bei Äpfeln

Frostschäden und geringe Erntemengen schmälern den Umsatz der OGM Obstgroßmarkt Mittelbaden eG

(lifePR) ( Appenweier, )
Die OGM Obstgroßmarkt Mittelbaden eG sieht trotz der geringen Erntemengen im Jahr 2017 und damit einhergehenden Umsatzeinbußen ihre Marktposition gefestigt. Aus den Obstverkäufen resultiert ein Umsatz von 29,6 Millionen Euro. Damit  liegt die OGM deutlich unter dem Vorjahresergebnis mit 35,2 Millionen Euro. Mit 22 700 Tonnen vermarkteter Erntemenge handelt es sich um die kleinste Menge der letzten 20 Jahre. Die Bilanz schließt mit einem Minus von rund 215 000 Euro.

Spätfröste, danach Hitze, Starkregen und Hagel haben den Obstbauern im vergangenen Jahr schwer zugesetzt. Vorstandsvorsitzender Wendelin Obrecht sprach bei der Generalversammlung in der Erwin-Braun-Halle am Donnerstag besonders bei den Äpfeln von einer „historisch niedrigen Ernte“. Die Auswirkungen daraus werden auch im Geschäftsjahr 2018 noch spürbar sein, da die Apfellager seit Wochen geräumt sind. Die Vermarktungsmenge lag weit unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre, berichtete Geschäftsführer Marcelino Expósito.

Trotz des Tunnelanbaus blieben die Erdbeeren mit 3 549 Tonnen um fast 1000 Tonnen unter dem Vorjahresergebnis. Durch ein überdurchschnittliches Erlösniveau konnte der Vorjahresumsatz fast erreicht werden „Auch bei den roten Johannisbeeren gab es positive Überraschungen“, schilderte Obrecht. Unterm Strich wirkten sich damit beim Beerenobst die Frostschäden am geringsten aus.

„Die Ernüchterung kam dann beim Baumobst.“ Bei den Tafel- und Brennkirschen konnten nur eine 30 beziehungsweise 20 Prozenternte vermarktet werden. Mit 1 695 Tonnen Steinobst hatte die OGM nicht einmal 20 Prozent einer normalen Ernte zur Verfügung. Sowohl bei Kirschen als auch bei den Zwetschgen konnten gute Verkaufserlöse erzielt werden, aber die fehlenden Mengen konnten nicht annähernd kompensiert werden. Auch beim Kernobst wurden die Erzeugerbetriebe empfindlich getroffen. Mit einer Menge von 4 400 Tonnen an Lageräpfeln sackte das Ergebnis gegenüber dem Vorjahr mit 12 300 Tonnen in den Keller. Nur 30 Prozent einer normalen Tafelwarenernte konnten eingelagert werden. So fiel das Fazit für das Obstjahr 2017 bei den Mitgliedsbetrieben sehr unterschiedlich aus. Wer auf Beeren als Schwerpunkt setzte, kam gut weg. Zufriedenheit gab es auch bei den Apfelbetrieben, die über ausreichende Frostschutzberegnung verfügen konnten. Am schlimmsten waren jene betroffen, die ihren Schwerpunkt bei Kirschen und Zwetschgen haben. Hier gibt es auch kaum technische Möglichkeiten des Frostschutzes.

Lob gab es für die rund 2000 Mitglieder und Obstproduzenten, die „seit Generationen täglich frisch ein vielfältiges Früchtesortiment auf höchstem Niveau“ bei den Betriebs- und Sammelstellen der OGM abliefern. Diese Qualitätsorientierung, die geografische Lage im sonnigen Süden sowie der vermehrte Einsatz von Anbaumethoden zur Ernteverfrühung, gepaart mit Professionalität sowie jahrelanger Erfahrung und Fachwissen,  festige die starke Marktposition der OGM. Auch der Obstgroßmarkt sieht sich durch den fortschreitenden Konzentrationsprozess bei den abnehmenden Märkten einem erhöhten Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Dem begegne man mit konsequenter Qualitätspolitik mit dem Fokus auf den regionalen Produkten. Dank der frühen Lieferfähigkeit habe die OGM in Deutschland eine besondere Marktstellung, betonte Expósito.

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft macht sich auch bei der Erzeugerorganisation bemerkbar. Ziel ist es, die Erfassungsmengen trotz rückläufiger Anzahl an Betrieben stabil zu halten. Durch die Teilnahme an der Gemeinsamen Marktordnung der Europäischen Union (GMO) hat der Obstgroßmarkt die Existenzsicherung seiner Zulieferer im Blick, wurden hier in den vergangenen Jahren umfangreiche EU-Fördergelder unter anderem für die Erweiterung von Schutzsystemen im Obstanbau gewährt.

Aufsichtsratsvorsitzender Markus Grimmig hatte souverän durch die Versammlung geführt und auch die turnusgemäßen Wahlen geleitet. Wendelin Obrecht wurde im Amt des Vorstandsvorsitzenden bestätigt. Auch Erich Kiefer aus Ortenberg wurde wieder gewählt. Markus Grimmig wurde ebenfalls in seinem Amt bestätigt. Es wurde auch Markus Beathalter aus Offenburg in den Aufsichtsrat wieder gewählt. Thomas Schmitt aus Bühl kam neu ins Gremium und tritt die Nachfolge von Hugo Herrmann aus Lauf an, der nach acht Jahren sein Amt zur Verfügung stellte. Klemens Kammerer, Markus Kirn, beide Renchen und Franz Kurz aus Sasbach erhielten von der Versammlung den Auftrag für eine weitere Amtszeit. Neu ins Gremium kam Reinhard Huber aus Lichtenau. Er folgt auf Regina Fraß aus Lichtenau. Sie stellte ihr Amt aus privaten Gründen zur Verfügung und wurde wie ihr Kollege Herrmann durch den Aufsichtsratsvorsitzenden Grimmig für ihr Engagement gewürdigt. 

Zu Beginn der Versammlung zollte Bürgermeister Christoph Lipps den Betrieben große Anerkennung, denn höchste Qualität sei sprichwörtlich „in aller Munde“, bundesweit. Die Obstanlagen seien auch für den Tourismus ein wichtiger Erfolgsfaktor, ebenso die „Erfolgsmarke“ OGM als leistungsstarke Erzeugergenossenschaft.

Kein Bonus mehr für Zertifizierung

Beschluss der Gremien hat Bestand/ Antrag der Kleinerzeuger kam nicht zur Abstimmung

Eine Abordnung Obsterzeuger aus dem Bühler Raum hatte zu Beginn der Versammlung einen Antrag zur Änderung der Tagesordnung gestellt. Ziel war hierbei über einen fristgerecht eingereichten Antrag vor der Entlastung der Gremien abstimmen zu können. Dieser sollte den „Beschluss über die Rücknahme der Entscheidung ab 2018 keinen Bonus mehr für die Zertifizierung auszubezahlen“ aufheben. Vielmehr sollte der Bonus weiter bezahlt werden und über die Marktgebühr abgerechnet werden. Der Antrag zur Änderung der Tagesordnung wurde mehrheitlich abgelehnt.

Im späteren Verlauf der Sitzung stellte Erwin Meier aus Bühl den eigentlichen Antrag zur Bonuszahlung zur Abstimmung. Die Kleinerzeuger seien im November durch den Beschluss von Vorstand und Aufsichtsrat „völlig überrascht worden“. Die Verärgerung darüber habe schon einige Erzeuger veranlasst, die OGM zu verlassen. Meier gab seiner Befürchtung Ausdruck, dass Kulturen ganz aufgegeben würden und sich damit die Kulturlandschaft verändern könnte. Auch hierzu hatte die OGM juristischen Rat beim Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband (BWGV) eingeholt. Aus der Satzung ergebe sich, dass die Abstimmung darüber nicht in die Zuständigkeit der Generalversammlung falle. Auch sieht der BWGV im Beschluss der Gremien, den Bonus zu streichen,  „keinen Verstoß gegen den genossenschaftlichen Gleichbehandlungsgrundsatz“.

Wie Vorstandsvorsitzender Wendelin Obrecht verdeutlichte, ist die Zertifizierung seit 2016 „die Eintrittskarte zum Markt, wie der TÜV beim Auto im Straßenverkehr.“ Ein Kleinsterzeuger sei hiervon stärker betroffen als ein großer Betrieb, aber die „Zertifizierung sehen wir in der wirtschaftlichen Verantwortung der Erzeuger.“

Bei der vorherigen Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat hatte Obsterzeuger Georg Wolf dazu aufgerufen, den beiden Gremien das Vertrauen auszudrücken.
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