Schlemmer wollte nach Gotha - Neuentdeckung in den Sammlungen von Schloss Friedenstein

(lifePR) ( Gotha, )
Bei Inventarisierungsarbeiten im Kupferstichkabinett auf Schloss Friedenstein ist wissenschaftlichen Mitarbeitern heute Morgen ein Zufallsfund geglückt: Dabei sind Zeichnungen und Briefe aufgetaucht, die einen regen Austausch zwischen Oskar Schlemmer (1888–1943) und dem damaligen Direktor des Herzoglichen Museums Karl Purgold (1850–1939) dokumentieren. Die Papiere datieren alle um 1922/23, als Schlemmer als Meister am Bauhaus in Weimar tätig war. Besonders spektakulär ist eine Architekturskizze, die ein Wohn- und Atelierhaus zeigt, welches offensichtlich für den Künstler in Gotha gebaut werden sollte. Der Forschung war bereits seit Langem bekannt, dass Schlemmer in den 20er Jahren in einer engen Beziehung zu Gotha gestanden hat. Diese neuen Erkenntnisse nehmen wir zum Anlass, das bisherige Ausstellungskonzept für die am 27. April eröffnende Sonderausstellung „Oskar Schlemmer. Das Bauhaus und der Weg in die Moderne“ umzudenken, um mit den originalen Skizzen eine Wohnraumsituation im Herzoglichen Museum nachzubilden.

Tatsächlich hatte der Bauhaus-Meister auf seinen Fahrten von Stuttgart nach Weimar die alte Residenzstadt kennengelernt. Dass er hier für seine Familie ein Atelierhaus im Bauhaus-Stil errichten wollte, war aber selbst den Experten bisher völlig unbekannt und darf als kleine Sensation gelten. Der Entwurf des Künstlers zeigt eine offene, modulare Architektur in Stahl- und Glasbauweise mit verschiedenen Ebenen zum Wohnen und Arbeiten. Über eine nicht näher definierte Technik, möglicherweise eine Pneumatik (Zeichnung Blatt 1, links), sollte die Verschattung der Räume verändert werden können, damit das Licht den unterschiedlichen Nutzungen, etwa als Werkstatt, Wohn- oder Schlafzimmer, angepasst werden kann. Über den avisierten Bauplatz in Gotha ist bisher nichts bekannt, doch kann aufgrund der brieflichen Äußerungen des einstigen Museumsdirektors vermutet werden, dass hierfür eine unmittelbarere Nähe zu Park und Museum vorgesehen war.

Die altehrwürdigen Sammlungen in Gotha, aber auch wichtige Tendenzen der Moderne (Ruppel-Werk, Waggonbau, Bauhaus-Architektur), die in der Stadt bis heute ihre Spuren hinterlassen haben, sollten für zukünftige Arbeiten inspirierend auf Schlemmer wirken. Auch das weltberühmte Tafelgemälde „Gothaer Liebespaar“ wollte Schlemmer rezipieren und in einer neuen Version der technisch-modernen Welt anpassen. Eine (an dieser Stelle noch nicht veröffentlichte) Aquarellstudie zeigt das Ehepaar der Minnezeit als Maschinenmenschen in vereinfachter Formensprache mit den für Schlemmer typischen Ovalköpfen. Auch dieses Blatt gehört zu dem Sensationsfund. Eine wichtige Schlemmer-Kennerin bestätigte bereits, dass der Künstler nach seiner Zeit am Bauhaus beabsichtigte, seine Arbeit in den Dienst der Stadt Gotha zu stellen. Bisher fehlten hierfür allerdings stichhaltige Beweise. So können erst jetzt Planungen zur Ausmalung der bis heute erhalten gebliebenen Ausstellungshalle im Park und andere Ideen nachvollzogen werden. Der große Wunsch des Künstlers, seinen Lebensmittelpunkt nach Gotha zu verlegen, sollte nicht Wirklichkeit werden und eine schöne Vision bleiben. Die neu entdeckten Briefe, Entwürfe und Skizzen werden erstmals in der Ausstellung „Oskar Schlemmer. Das Bauhaus und der Weg in die Moderne“ vom 28. April bis zum 28. Juli im Herzoglichen Museum der Öffentlichkeit präsentiert.
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