Mittwoch, 15. August 2018


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Rückgabe aus dem Ethnologischen Museum an Native People in Alaska beschlossen

Berlin, (lifePR) - Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz wird neun Objekte aus der Sammlung des Ethnologischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin an die Chugach Alaska Corporation zurückgeben. Einem entsprechenden Vorschlag des Präsidenten hat der Stiftungsrat heute zugestimmt.

Bei den Objekten handelt es sich um Grabbeigaben von Native People aus dem Südwesten Alaskas. Sie waren unter jenen Objekten, die Johan Adrian Jacobsen, der zwischen 1882 und 1884 die amerikanische Nordwestküste und Alaska im Auftrag des damaligen Königlichen Museums für Völkerkunde (heutiges Ethnologisches Museum) bereiste, nach Berlin brachte.

Hermann Parzinger, Präsident der SPK, sagte: "Die Objekte wurden damals ohne Zustimmung der Native People und damit unrechtmäßig aus Gräbern ihrer Verstorbenen entnommen, sie gehören deshalb nicht in unsere Museen. Wir werden Sie nun der Chugach Alaska Corporation zurückgeben, mit der wir seit 2015 an der Aufarbeitung unserer Sammlung zusammenarbeiten."

Bei den Objekten handelt es sich um Grabbeigaben aus Chenega Island und dem heute unbekannten Ort Sanradna. Darunter befinden sich zwei zerbrochene Masken und eine Kinderwiege, sowie ein Holz-Idol. Masken wurden nach Gebrauch meist verbrannt oder in Gräber gelegt, weshalb heute nicht mehr viele Masken der Chugach existieren. Die rote Farbe auf ihnen verweist auf den Begräbniskontext. Bei dem Holz-Idol handelt es sich vermutlich um eine schamanische Figur, die Menschen vor Gefahren und dem Tod schützen sollte.

Im November 2015 besuchte eine Delegation der Chugach Alaska Corporation das Ethnologische Museum, mit dem Ziel, eine Kooperation für zukünftige Projekte anzustoßen. Hintergrund war unter anderem das Interesse, eine virtuelle Sammlung aller Chugach Objekte weltweit anzulegen. Im Anschluss bat die Corporation das Ethnologische Museum um Unterstützung bei der Rückführung eventuell vorhandener Grabbeigaben der Region. Die Chugach Alaska Corporation (www.chugach-ak.com) ist eine seit 1972 bestehende Interessenvertretung der Native People der Chugach Region in Alaska. Sie setzt sich unter anderem für die Bewahrung des kulturellen Erbes dieser Gruppen ein. Die Regierung der USA unterstützte das Rückgabeersuchen mittels einer Diplomatischen Note.

Die SPK prüfte entsprechend ihrer Grundhaltung zum Umgang mit ihren außereuropäischen Sammlungen und der Erforschung der Provenienzen sorgfältig, aus welchem Kontext die Grabbeigaben stammen, die sich im Ethnologischen Museum befinden. Im vorliegenden Fall deutet alles darauf hin, dass die Objekte aus einer Grabplünderung und nicht einer genehmigten archäologischen Grabung stammen. Aus den Reisetagebüchern von Adrian Jacobsen ist klar erkennbar, dass die Gräber nur zu dem Zweck geöffnet wurden, um deren Inhalte zu entnehmen. Es lagen keine behördlichen oder staatlichen Genehmigungen dafür vor, ebenso wenig war eine Zustimmung der Herkunftsgemeinschaft dokumentiert. Vor diesem Hintergrund fiel die Entscheidung zur Rückgabe.

Grundhaltung zum Umgang der SPK mit ihren außereuropäischen Sammlungen und der Erforschung der Provenienzen:
www.preussischer-kulturbesitz.de/newsroom/mediathek/dokumente/ dokument-detail/news/2015/06/09/grundpositionen-der-spk-zum-umgang-mit-ihren-aussereuropaeischen-sammlungen-und-zur-erforschung-der-pr.html 

Johan Adrian Jacobsen bereiste Ende des 19. Jahrhunderts für das Berliner Völkerkundemuseum die amerikanische Nordwestküste und Alaska. Der Direktor des Museums, Adolf Bastian, hatte ihn zum Zweck des Aufbaus einer Sammlung beauftragt, möglichst "originale", von der europäischen Kultur unbeeinflusste Gegenstände zu sammeln. Jacobsen brachte rund 3000 Objekte von der Nordwestküste und rund 4000 Objekte aus Alaska nach Berlin. Sein Bericht über die Reise ist ein eindrückliches Zeitdokument. Es zeichnet sich allerdings weniger durch genaue ethnografische Beobachtung, denn als Abenteuererzählung eines hartgesottenen Draufgängers aus. Vor diesem Hintergrund wird die Reise des selbsternannten "Kapitäns" auch im Zentrum eines Ausstellungsmoduls im Humboldt Forum stehen, im Sinne einer kritischen Betrachtung der Sammlungsgeschichte aus heutiger Sicht.

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