Samstag, 16. Dezember 2017


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Studie der TH Wildau ermittelt erhebliche Defizite bei der Busanbindung der Gedenkstätte Sachsenhausen und empfiehlt die Einrichtung eines Shuttleverkehrs im 20-Minuten-Takt

Oranienburg, (lifePR) - Angesichts einer großen Unzufriedenheit mit dem derzeitigen Angebot und bei einem Nutzerpotenzial von rund 250.000 Personen besteht ein eindeutiger Bedarf, die ÖPNV-Anbindung der Gedenkstätte Sachsenhausen erheblich zu verbessern. Das ist das Ergebnis einer mit verkehrswissenschaftlichen Methoden durchgeführten empirischen Studie, die die Technische Hochschule Wildau im Juli und August im Auftrag der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und des Kulturministeriums durchgeführt hat. Um dem Bedarf gerecht zu werden, empfehlen die Projektleiter Prof. Dr. Klaus-Martin Melzer und Prof. Dr. Martin Lehnert einen Shuttlebusverkehr einzurichten. Bei einer schnellen Entscheidung und konsequenter Bearbeitung könnte das Shuttle-Konzept nach Aussage der Wissenschaftler 2018 seinen Betrieb aufnehmen

Im Rahmen des Projekts sind bei 967 Befragungen 7.630 Besucher erfasst worden. Je nach Besuchertyp zeigten sich zwischen 63 und 100 Prozent der Befragten unzufrieden mit der Busverbindung zwischen dem Bahnhof Oranienburg und der Gedenkstätte Sachsenhausen. Insgesamt wurden in der Woche vom 13. bis 19. Juli 13.515 Gedenkstättenbesucher gezählt. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Sonntag erwiesen sich mit zum Teil mehr als 2.500 täglichen Besuchern als die besucherstärksten Wochentage. Die Anreise beginnt ab ca. 9.00 Uhr mit ausgeprägten Spitzen zwischen 11.00 und 13.00 Uhr. Die Abreise spielt sich hauptsächlich im Zeitraum von 13.00 bis zur Schließung der Gedenkstätte ab.

Rund die Hälfte der Besucher reiste über den Bahnhof Oranienburg an, von denen aber nur ein Drittel (2.235) den derzeit stündlich und an Wochenenden nur alle zwei Stunden verkehrenden Linienbus zur Gedenkstätte nutzte, während fast doppelt so viele Besucher (4.349) die rund drei Kilometer lange Strecke zu Fuß zurücklegten. Aufgrund der ermittelten Daten und der Besucherstatistikern der Gedenkstätte gehen die Wissenschaftler von einem ÖPNV-Potenzial von 230.000 bis 270.000 Fahrgästen pro Jahr und Richtung aus.

Zu den Ergebnissen der Analyse sagte Projektleiter Prof. Dr. Klaus-Martin Melzer, Dekan des Fachbereichs Ingenieur- und Naturwissenschaften an der Technischen Hochschule Wildau, heute in Oranienburg: „Unsere Untersuchungen zeigen eindeutig, dass das Linienbusangebot in den täglichen Spitzenzeiten der An- und Abreise sowie an den Wochenendtagen völlig unzureichend ist. Der tatsächliche Bedarf könnte durch einen Shuttleverkehr im 20-Minuten-Takt mit einer Kapazität von bis zu 150 Personen pro Fahrt abgedeckt werden, der an die S-Bahn von und nach Berlin-Mitte angepasst ist. Die Taktdichte könnte in besucherschwächeren Zeiten reduziert werden. Deswegen und aufgrund des hohen Fahrgastaufkommens ist es grundsätzlich nicht zweckdienlich, die Anbindung der Gedenkstätte in das Liniennetz des Kreises oder in eine Stadtbuslinie zu integrieren“, so Melzer. Die Shuttlelinie könnte durch den Träger des ÖPNV betrieben werden, aber auch ein eigenwirtschaftlicher Betrieb sei denkbar.

Stiftungsdirektor Prof. Dr. Günter Morsch sagte: „Dank der von Professor Melzer und seinem Team mit großem Aufwand und wissenschaftlicher Akribie durchgeführten Studie liegen nun die Fakten auf dem Tisch. Sie bestätigen die seitens der Gedenkstätte seit Jahren erhobenen und zuletzt durch eine Unterschriftenaktion eindrucksvoll untermauerten Forderungen nach einer besseren Busverbindung für die vielen tausend Menschen aus aller Welt, die nach Oranienburg kommen, um die Gedenkstätte Sachsenhausen zu besuchen. Nun gilt es, in Gesprächen mit allen Beteiligten auf der Basis der von den Experten erarbeiteten Vorschläge rasch eine bedarfsgerechte Lösung zu entwickeln und umzusetzen.“, sagte Morsch.

Nachdem der Konflikt um die Busanbindung der Gedenkstätte Sachsenhausen eskaliert war, hatten Kulturministerin Dr. Martina Münch, Stiftungsdirektor Prof. Dr. Günter Morsch und Landrat Ludger Weskamp im März eine wissenschaftliche Evaluierung der Besucherströme der Gedenkstätte und des ÖPNV-Bedarfs vereinbart. Auf Vorschlag des Kulturministeriums wurde damit die Technische Hochschule Wildau beauftragt. Die nun vorliegende Bedarfsanalyse wurde vom Kulturministerium mit einem Betrag von 20.000 Euro gefördert.

Information: www.stiftung-bg.de

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