Freitag, 24. November 2017


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Stella Nikiforova aus St. Petersburg übergibt persönliche Dokumente an die Gedenkstätte Ravensbrück

Oranienburg, (lifePR) - Stella Nikiforowa, die als Kind das Frauen-KZ Ravensbrück überlebte, hat heute ihren Vorlaß der Gedenkstätte Ravensbrück übergeben.

Stella, Jahrgang 1939, wurde 1943 im Alter von vier Jahren aus Belgien in das KZ Ravensbrück deportiert. In Belgien hatten ihre Eltern Louis Gustav und Rosa Kugelmann, spanische Juden, Zuflucht gefunden. Nach der deutschen Besetzung wurde die Familie verhaftet, der Vater wurde nach Buchenwald, Stella und ihre Mutter nach Ravensbrück deportiert, wo die Mutter ein halbes Jahr nach der Ankunft ums Leben kam.

Mithäftlinge kümmerten sich danach um das verwaiste Mädchen. "Die Frauen von Ravensbrück waren meine Mütter", sagt sie heute, "ihnen verdanke ich mein Leben." Eine Häftlingsfrau aus Weißrussland nahm sich ihrer an.

Stella wuchs in einem Kinderheim in der Sowjetunion auf. Ihren Vater, der das KZ Buchenwald überlebt hatte und nach der Befreiung nach Brasilien ausgewandert war, traf sie erst 1963 wieder. Auf der Suche nach Überlebenden von Ravensbrück kam Stella mit der russischen Ärztin Antonia Nikiforova in Kontakt, die sich in Ravensbrück ebenfalls um sie gekümmert hatte. Später heiratete Stella, mittlerweile Mitarbeiterin eines Museums, Nikiforovas Adoptivsohn, mit dem sie zwei Kinder hat. Nachdem ihr Mann verstorben ist, lebt Stella heute allein in ihrer kleinen Wohnung in St. Petersburg.

Die Unterlagen, die sie der Gedenkstätte übergibt, dokumentieren das Schicksal der Familie Kugelmann; darunter befinden sich auch im KZ Ravensbrück verfasste Originalbriefe der vermutlich an Typhus verstorbenen Mutter. Des Weiteren umfasst der Vorlaß etwa 2000 Briefe, die u.a. die Suche nach der verlorenen Stella in der Nachkriegszeit dokumentieren. Die umfangreiche Korrespondenz mit etwa 30 ehemaligen Häftlingen ist der Erinnerung an Ravensbrück und anderen Kriegserlebnissen gewidmet.

„Bei den Unterlagen von Stella Nikiforowa handelt es sich um einen sozialgeschichtlich ausgesprochen wertvollen Quellenbestand“,  so die Gedenkstättenleiterin Dr. Insa Eschebach heute in  Ravensbrück. „Die Dokumente werde der künftigen Forschung zum Ravensbrück-Gedächtnis in Osteuropa zugutekommen.“

Mit dem Schwinden der Generation der Zeitzeugen gelangen immer mehr Nachlässe ehemaliger Häftlinge in die Sammlung der Gedenkstätten. Die Gedenkstätte Ravensbrück verfügt derzeit über 206 solcher Nachlässe, die eine große Spannweite an teils lagerzeitlichen Dokumenten, Objekten und Fotos umfassen. Ihre Erfassung, Inventarisierung und konservatorisch angemessene Aufbewahrung stellt die Gedenkstätte jedoch auch vor große Herausforderungen.

Information: www.stiftung-bg.de

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