Montag, 11. Dezember 2017


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Das Bundeslandwirtschaftsministerium fördert ein zweijähriges Forschungsprojekt der Gedenkstätte Ravensbrück zu den landwirtschaftlichen Versuchsgütern der SS

Oranienburg, (lifePR) - Trotz einer umfangreichen Forschungsliteratur zur Geschichte des ehemaligen Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück konnten noch nicht alle offenen Fragen beantwortet werden. So blieben die Bereiche Landwirtschaft und Gartenbau bisher weitgehend unberücksichtigt, obwohl sie einen zentralen Bestandteil des Lagerkomplexes und der von Häftlingen geleisteten Zwangsarbeit darstellten.

Jetzt hat die Gedenkstätte Ravensbrück ein zweijähriges Forschungsprojekt über die SS-Organisation „Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung GmbH (DVA)“ begonnen, an deren Beispiel das fachliche und ideologische Umfeld der nationalsozialistischen Agrarpolitik untersucht werden soll. Das Forschungsprojekt wird durch das Bundesministerium für Ernährung und Landschaft aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) mit 327.150 Euro gefördert.

Die DVA wurde 1939 auf Veranlassung des Reichsführers-SS Heinrich Himmler als das für die Landwirtschaft zuständige Amt innerhalb des SS-eigenen Wirtschaftskomplexes gegründet. Das Forschungsprojekt der Gedenkstätte Ravensbrück wird zum einen die Bedeutung und das Tätigkeitsspektrum von drei landwirtschaftlichen DVA-Versuchsgütern im Umfeld des KZ Ravensbrück herausarbeiten. Zum anderen werden weitere Anlagen der DVA wie beispielsweise die Versuchsgüter in Auschwitz und Dachau oder das SS-Institut für Pflanzengenetik in Lannach bei Graz in den Blick genommen. Erforscht wird auch der Beitrag der DVA im nationalsozialistischen Agrarwesen, etwa mit Blick auf die sogenannten „Ostbesiedlungspläne“, die kriegswirtschaftliche Bedeutung der Versuchsgüter oder die Verbindungslinien zwischen der DVA, dem Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft und dem „Reichsnährstand“.

Das Forschungsprojekt soll bereits laufende Forschungsarbeiten einer Historikerkommission ergänzen, die seit Juli 2016 die Geschichte des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft im 20. Jahrhundert erforscht. Das Forschungsprojekt der Gedenkstätte Ravensbrück wird von den Kommissionsmitgliedern Prof. Dr. Daniela Münkel (Leibnitz-Universität Hannover, Historisches Seminar) und Prof. Dr. Andreas Dornheim (Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Neuere und Neueste Geschichte unter Einbeziehung der Landesgeschichte) wissenschaftlich begleitet. Am Ende des Forschungsprojektes soll ein Abschlussbericht stehen, der die Grundlage für weitere Veröffentlichungen und eine Ausstellung bilden wird.

Die Leiterin der Gedenkstätte Ravensbrück, Dr. Insa Eschebach, sagt dazu: „Lange Zeit blieb unbeachtet, wie weit der Lagerkomplex des KZ Ravensbrück mit seinen Betrieben und Werkstätten ins Umland hineinwirkte. Die landwirtschaftlichen Versuchsgüter der SS spielten dabei eine besondere Rolle. Wir freuen uns sehr, dass wir durch die Förderung des Bundeslandwirtschaftsministeriums nun die Möglichkeit haben, die Geschichte dieser Versuchsgüter umfassend aufzuarbeiten und gleichzeitig in einen größeren Zusammenhang von nationalsozialistischer Agrarpolitik einzuordnen. Wir sind uns sicher, dass das Forschungsprojekt neue und überhaupt andere Perspektiven auf die Geschichte des ehemaligen Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück eröffnen wird“, so Eschebach.

Information: www.ravensbrueck.de

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