Weihnachtsmarkt unter der Burg

Bensnickel, Trachtenfrau ("Odenwälder Christkind"), Mehlweibchen, Stoppelgans und Bolischbock zu Gast

(lifePR) ( Lindenfels, )
Auch in diesem Jahr wird am zweiten Adventswochenende (Der Lindenfelser Weihnachtsmarkt ist am Samstag, 8. Dezember, von 15.00 bis 21.00 Uhr, und am Sonntag, 9. Dezember, von 14.00 bis 20.00 Uhr, geöffnet) im Heilklimatischen Kurort Lindenfels der kleine, aber überaus gemütliche Weihnachtsmarkt wieder in der unverwechselbaren romantischen Kulisse unter der Burg Lindenfels stattfinden.

Veranstalter sind die Stadt Lindenfels in Zusammenarbeit mit den Vereinen Feuerwehr Lindenfels und Feuerwehr Glattbach, Freundeskreis Moelan, Trachtengruppe, Tennisclub, Turnverein, Kindertagesstätte, Sportverein, DRK und Gewerbeverein. Der Markt wird in kompakterer Form am Parkplatz „Löwenbrunnen“ (in der oberen Burgstraße) und im Bürgerhaus stattfinden. Neben dem Speisen und Getränkeangebot - u.a. Waffeln, Crepes, Bratwurst, Glühwein, heiße Schokolade, Kaffee und Kuchen - runden Stände mit selbstgebastelten Weihnachtsartikel und -Dekorationen, Nikoläuse aus Holz, Lindenfelser Pralinen das Marktangebot ab. Für die Kinder gibt es an beiden Tagen eine Bastelaktion mit dem ev. Kindergarten Lindenfels und dem Verein Pro Kids angeboten.

An beiden Tagen schaut der Nikolaus vorbei. Für die musikalische Umrahmung sorgen am Sonntag die RainbowKids und RainbowTeens (Winterkasten) und auch die historischen Odenwälder Gestalten schauen an dem Tag vorbei.

Wenn das Jahr sich seinem Ende zuneigt, die Tage kürzer werden und die Dunkelheit früher hereinbricht und in eine lange Nacht mündet, dann war das früher die Zeit der Sagen und Spukgestalten. Mit den leuchtenden Rübenköpfen, mit denen man Alt und Jung erschreckt hat, begann es. Durch die „Bouze“ - d. h. Schreckgestalten - sollten die bösen Geister, die Kälte, Dunkelheit, Hunger und vermehrte Armut brachten, gebaizt - d. h. vertrieben - werden.

Im Schlierbacher Tal waren früher zur Weihnachtszeit der Bensnickel begleitet von der Trachtenfrau (dem „Odenwälder Christkind“) und im Gefolge das Mehlweibchen, die Stoppelgans und der Bolischbock.

Der Bensnickel, im zotteligen Schaffell gekleidet, verbreitete Schrecken.

Er trug einen Mantel aus Schafsfell mit einer Kette gegürtelt, so wie ihn die Schäfer früher trugen. Auf dem Kopf den Dreispitz. Ein langer Bart zierte sein Gesicht. Über die Schultern ein Sack mit Äpfeln und Nüssen. In der Hand einen dicken Prügel, oftmals ein Futterstampfer oder eine Rute aus Birkenreisern.

Polternd und Ketten klirrend zog er durch die Straßen. Kam er zur Tür herein, fiel er hin und lehrte seinen Sack aus, wälzte sich auf dem Boden und wenn die Kinder Nüsse und Äpfel auflasen, dann schlug er mit der Rute oder drohte sie in den Sack zu stecken. Auch Erwachsene bekamen ihren Teil ab. Unter Poltern und Tanzen verschwand er dann wieder.

Die Trachtenfrau war in Tracht gekleidet. Auf dem Kopf ein Tragekissen, den sogenannten „Wisch“. Daran waren bunte Trachtentücher und Rockenbänder befestigt, die den ganzen Oberkörper und das Gesicht verhüllten. Unter dem Arm trug sie einen länglichen, geflochtenen Korb mit Lebkuchen und Gebildbrote (ein Brot oder Gebäck in Form von figürlichen Darstellungen) für die Kinder. Sie teilte ihre Gaben aus. Manchmal war auch etwas Besonderes zur Freude der Kinder dabei, eine Puppe aus Stoff oder ein Gäulchen aus Holz.

Nach den Erzählungen älterer Leute kamen in alter Zeit auch

- das Mehlweibchen. Es war ganz weiß gekleidet, weißes Kopftuch, mehliges Gesicht. In den Händen zwei lange Kochlöffel, die es ständig zusammenschlug um die bösen Geister zu vertreiben.

- die Stoppelgans. Ein großer Kopfkissenbezug mit einem Kissen ausgestopft, wurde auf den gebückten Rücken eines Mädchens aufgebunden. Der Kopf wurde mit eingebunden. Es waren nur die Beine zu sehen. Das war eine gansähnliche, aber komische Figur. Der Name „Stoppelgans“ liegt darin begründet, dass die Gänse nach der Ernte auf die Stoppelfelder geführt wurden, um die ausgefallenen Körner aufzupicken, wovon sie dick und rund wurden. Die ganzen Ähren, die auf dem Felde liegen blieben waren, wurden vorher von den Kindern aufgelesen („gestoppelt“).

- der Bolischbock. Er war allein schon von der Erscheinung her, mit dem wackelnden Kopf, eine furchterregende Gestalt.

Zu seiner Herstellung diente eine Schüllgabel aus Holz mit der Heu aufgeschüttet wurde. Über die Verzweigung der Gabel wurde ein Leintuch, das kopfähnlich ausgestopft ist, gezogen. Das Gesicht wird aus rotem und schwarzem Stoff gefertigt. Schwarze Ohren und Augenbrauen, rote Augen und Nase, langer schwarzer Bart, darüber hängt eine lange rote Zunge aus einem breiten Maul. Die Gabelenden bilden die Hörner und sind rot und schwarz umwickelt. Ein Bursche trägt den Kopf in der Gabel und wird mit dem übrigen Teil des Leintuches eingehüllt.

Der Brauchtumsforscher Dr. Winter (Heppenheim) hatte diese Figuren in den Dreißiger Jahren fotografisch festgehalten. Er deutete das Gebaren und Lärmen dieser alten kultischen Gestalten so, dass sie nach dem Naturglauben unserer Uhrahnen die bösen Geister vertreiben sollten, welche die belebende Sonne entführt hatten.

Josef Metzendorf (Weschnitz) schrieb später dazu: Im Laufe der vielen christlichen Jahrhunderte bekamen diese kultischen Gestalten einen christlichen Sinn unterlegt, sie wurden zu Boten und des beseligen Lichts der Christnacht. Darum weiß keiner mehr etwas vom Schlierbacher Mehlweibchen und der Trachtenfrau, heutzutage geht da und dort sogar der Glaube an das bethlehemsche Christuskind verloren, aber ein „Christkindchen“ (d. h. eine Weihnachtsgabe), möchte keiner vermissen.

Damit die Erinnerung an diese alten Brauchtumsgestalten nicht verloren geht, wird die Lindenfelser Trachtengruppe in Zusammenarbeit mit den veranstaltenden Vereine diese Figuren beim Lindenfelser Weihnachtsmarkt am Sonntag, 9. Dezember, um 16.30 Uhr, wieder „mit Leben erfüllen“. Die Kostüme waren von Dina Pfeifer, welche in den dreißiger Jahren selbst einmal eine dieser Figuren darstelle, im Jahre 1995 geschneidert worden.
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