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Brechtfestival Augsburg eröffnet

(lifePR) (Augsburg, ) Im ausverkauften Theater Augsburg, vor rd. 1 000 Zuschauern, wurde heute Abend das Brechtfestival eröffnet. "Exil" heißt das Thema des Festivals, das sich bis zum 10. Februar, Brechts 117. Geburtstag, mit seiner Exilzeit der 30er und 40er Jahre sowie mit dem Thema "Exil heute" auseinandersetzt.

"Brecht ist heute aktueller denn je, weil jeder von uns morgen ins Exil geraten kann, und sei es mitten im eigenen Land", sagte Theaterintendantin Juliane Votteler anlässlich der Eröffnung.

Festivalleiter Dr. Joachim A. Lang erklärte: "Mit seinen Stücken, den Gedichten, Romanen, auch Drehbüchern, schuf Brecht im Exil ein Werk der Weltliteratur, das wie kein anderes die 'finsteren Zeiten' des vergangenen Jahrhunderts thematisiert, auch für die Nachgeborenen, die diesen 'finsteren Zeiten' entronnen sind. Er behandelte darin die Themen, mit denen wir heute konfrontiert sind: Flucht, Terror und Krieg. Brecht hatte nicht nur erfahren müssen, wie bedrohlich die Flucht war, sondern auch, wie es ist, in Länder zu gelangen, in denen man als Flüchtling nicht willkommen ist."

Zum Auftakt des Brechtfestivals wird das Stück "Leben des Galilei" in einer einmaligen Inszenierung aufgeführt: Schauspieler Thomas Thieme stellt im Wechselspiel mit einem Augsburger Kinderchor den Kampf Galileis gegen die Obrigkeit vor, die mit Gewalt ein veraltetes System zu retten versucht.

Weitere Höhepunkte des Brechtfestivals sind am Eröffnungswochenende die "Lange Brechtnacht" am 31. Januar und der "große Exilabend" am 1. -Februar mit Burghart Klaußner, Max Hopp, Traute Hoess, Katharina Schüttler und Angela Winkler. Darauf geht es um Exilerfahrungen heute: Am 3. Februar, 4. Februar und 5. Februar lesen und diskutieren Exilschriftsteller aus Syrien und Tunesien in Augsburger Flüchtlingsheimen und im Grandhotel Cosmopolis. Das Sensemble Theater wird während des Festivals zum Exilhaus, das jeden Besucher seiner täglichen Vorstellungen vom 5. bis 7. Februar auf die "Schwarze Liste" setzen lässt. Die freie Truppe bluespots productions veranstaltet am 7. und 8. Februar eine "Reise ins Exil" mit Treffpunkt am Augsburger Hauptbahnhof.

Brecht-Enkelin Johanna Schall hat für das Festival ein besonderes und bisher selten gespieltes Stück ausgesucht: Am 6.2. inszeniert sie Brechts "Die Reisen des Glücksgotts", eine Stückskizze Brechts, aus der ursprünglich eine Oper werden sollte. Ein kleiner Gott möchte darin den Menschen das Genießen lehren, wird aber als Aufrührer verhaftet und zum Tode verurteilt. Doch die Sehnsucht nach dem Glück ist nicht tot zu kriegen, der Glücksgott erweist sich als unsterblich.

Zu den wichtigen Exilwerken Brechts gehört auch "Die Kriegsfibel", 1955 in Deutschland im Eulenspiegel Verlag erschienen und seither in vielen Ländern. Im dänischen Exil begann Brecht damit, Zeitungsbilder- und Berichte über die Realität des Krieges und der Naziherrschaft zu sammeln und mit Gedichten zu versehen. Einige der Vierzeiler wurden von Hanns Eisler und Paul Dessau vertont. Für das Brechtfestival 2015 vertonen fünf Augsburger Komponisten Verse aus der "Kriegsfibel" neu. Schauspielerin Rike Schmid liest und das Junge Vokalensemble Schwaben singt die Gedichte, begleitet von Pianist Geoffrey Abbott.

Das Theater Augsburg lädt am 7. Februar zur Premiere von "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" im Großen Haus (Regie: Christian Weise). 1929/ 30 entstanden, ist dieses Stück keines der Exilzeit Brechts. Mit dem Ausruf der sterbenden Johanna "Es hilft nur Gewalt, wo Gewalt herrscht!" liefert es jedoch reichlich Diskussionsstoff zum aktuellen Thema des Festivals.

Ein musikalischer Höhepunkt des Brechtfestivals ist das Konzert der Augsburger Philharmoniker unter Mitwirkung des Schauspielers Sebastian Koch am 9. und 10.2. im Kongress am Park. Das "Schauspiel für die Ohren" (Leitung: Lancelot Fuhry) verbindet völlig unterschiedliche Stilrichtungen und lädt zur Begegnung zwischen Kurt Weill, Karl Amadeus Hartmann und Ludwig van Beethoven ein.

Zum Abschluss des Brechtfestivals wird am 9. und 10. Februar die legendäre Inszenierung des Berliner Ensembles "Mutter Courage" (Regie: Claus Peymann) im Theater Augsburg gezeigt: der große Klassiker Brechts, der den Ruhm des Berliner Ensembles mitbegründet hat. Am 9. Februar nimmt Regisseur und Intendant Claus Peymann an einem Publikumsgespräch teil.

Neuer zentraler Treffpunkt des Brechtfestivals für Zuschauer und Künstler ist die "Alte Liebe" im Theaterviertel: "The Next Whiskey Bar", in der "Exilgerichte" Helene Weigels kredenzt werden und ab 17 Uhr zum Festivaltalk mit wechselnden Künstlern geladen wird.

Akkreditierungen und Interviewwünsche bitte über: smeierhenrich@t-online.de

Das Brechtfestival Augsburg (30. Januar bis 10. Februar 2015) wird veranstaltet von der Stadt Augsburg, Kulturamt/ Büro Brechtfestival, in Kooperation mit dem Theater Augsburg. Partner des Brechtfestivals ist die Stadtsparkasse Augsburg. Mit freundlicher Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, den Stadtwerken Augsburg sowie weiterer Förderer und Sponsoren. Medienpartner: Augsburger Allgemeine und Bayern 2.