Samstag, 18. November 2017


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Restaurierungsprojekt Johannes Vermeer "Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster"

Dresden, (lifePR) - Johannes Vermeers Gemälde „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“, um 1657/59, gehört zu den Hauptwerken der Dresdener Gemäldegalerie. Seit der erfolgreichen Restaurierung von Vermeers Frühwerk „Bei der Kupplerin“ (1656) 2002-2004, dem zweiten Dresdener Gemälde des Künstlers, bestand der Wunsch, auch das „Brieflesende Mädchen“ zu restaurieren. Zur Bildentstehung und dem Erhaltungszustand der „Briefleserin“ wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Untersuchungen durchgeführt. Für sein Alter ist das weltbekannte Gemälde in konservatorisch stabilem Zustand. Seine Oberfläche ist jedoch von stark nachgedunkelten Firnisschichten und alten Retuschen bestimmt. Diese waren ein wichtiger Grund für die Entscheidung zur Restaurierung des Bildes.

Das im Frühjahr 2017 begonnene, außergewöhnliche Restaurierungsprojekt ist jetzt möglich auf Grund einer großzügigen Förderung durch die Hata-Stiftung in Tokio. Die Restaurierung erfolgt in der Abteilung Gemälderestaurierung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden durch den Restaurator Dr. Christoph Schölzel. Die Abteilung Forschung und wissenschaftliche Kooperation der Staatlichen Kunstsammlungen unterstützt das Projekt und fördert die interdisziplinäre Vernetzung. Das Restaurierungsprojekt kann auf umfangreiche Forschungsergebnisse zum Werk von Johannes Vermeer aufbauen, die bei Restaurierungen von Gemälden Vermeers in anderen großen Sammlungen innerhalb des letzten Jahrzehnts vorgelegt wurden.

Projektauftakt war deshalb ein internationales Symposium mit Fachkollegen aus Amsterdam, Kopenhagen, Wien und Dresden, die selbst in den letzten Jahren Werke des Künstlers untersucht und restauriert haben. Sie folgten der Einladung der Dresdener Gemäldegalerie und werden das Restaurierungsprojekt auch weiterhin fachlich begleiten. Als Kooperationspartner ist das Labor für Archäometrie der Hochschule für Bildende Künste Dresden unter Leitung von Prof. Christoph Herm eingebunden.

Prof. Marlies Giebe, Leiterin der Gemälderestaurierung: „Mit der Restaurierung des „Brieflesenden Mädchens am offenen Fenster“ erhoffen wir uns einen Wiedergewinn der bekannten frischen Farbigkeit Vermeers in einem Gemälde, das an einem wichtigen Wendepunkt in Vermeers Schaffen einzuordnen ist. Zugleich erwarten wir Antworten auf unterschiedliche Hypothesen zur Bildfindung und zur Geschichte des Bildes. Der interessierten Öffentlichkeit werden wir über erste Ergebnisse und weitere Schritte während des Projektes berichten.“

Dr. Stephan Koja, Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister und der Skulpturensammlung: „Nicht einmal 40 Gemälde von Johannes Vermeer sind in der Forschungswelt bekannt. Die Gemäldegalerie Alte Meister ist in der glücklichen Lage sogar zwei Meisterwerke des Delfter Malers zu besitzen. Das 1656 entstandene Bild „Bei der Kupplerin“ wurde bereits 2002-2004 umfassend restauriert, nun freuen wir uns sehr darüber, dass durch die großzügige Unterstützung der Hata-Stiftung auch die Restaurierung des „Brieflesenden Mädchens am offenen Fenster“ realisiert werden kann und dass das Gemälde nach der Firnisabnahme in neuer Pracht erstrahlen wird.“

Dr. Christoph Schölzel, Restaurator der Abteilung Gemälderestaurierung: „Zahlreiche Voruntersuchungen mit Hilfe des Mikroskops, anhand der Röntgenaufnahme, mittels Infrarotreflektografie, der Leinwand-Struktur-Analyse und der Auswertung älterer Farbproben haben in einem langen Entscheidungsprozess dazu geführt, das Gemälde vor der Wiedereinrichtung der vollständig sanierten Gemäldegalerie zu restaurieren. Die bisher durchgeführten Arbeiten der Abnahme des vergilbten Firnisses, der aus dem 19. Jahrhundert stammt, lassen bereits die wundervolle Farbigkeit des Bildes in der für Vermeer unverwechselbaren Pinselhandschrift wieder deutlich werden. Spannende Fragen zur Bildgenese können sicherlich im Zuge der Restaurierung beantwortet werden.“

Das restaurierte Vermeer-Gemälde „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“ wird den Besuchern der Dresdener Gemäldegalerie im Jahr 2019, zur Wiedereröffnung der Sempergalerie nach der langjährigen baubedingten Teilschließung, präsentiert und kann jetzt schon als ein Höhepunkt angekündigt werden.

Über den Fortgang der Restaurierungsarbeiten informiert die Gemäldegalerie Alte Meister regelmäßig auf ihrer Homepage: https://www.skd.museum/vermeer.

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