Dienstag, 21. Februar 2017


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Herakles in Neuseeland. Bilder von Marian Maguire

Sonderausstellung in den Staatlichen Antikensammlungen vom 16. September - 13. Dezember 2015

(lifePR) (München, ) Herakles war ein Held, dessen außergewöhnliche Mobilität weit über die Räume des Mittelmeers hinaus reichte. Nach antiken Zeugnissen hat er über sechzig Städte gegründet, von Gibraltar bis zum Ganges, von Frankreich bis zum Schwarzen Meer, von Rom bis nach Ägypten. Ähnlich weit gelangten seine zahllosen Bilder. Herakles ist bis heute eine der gewaltigsten Figuren der griechischen Mythologie. Er hat, wie kein anderer Held der Antike, fast alle Grenzen überwunden. Wie aber war es möglich, dass Herakles bis nach Neuseeland kam, etwa achtzehntausend Kilometer von Griechenland entfernt, in das Unbekannte und Unerreichbare jenseits der Grenzen der antiken Welt?

Zum ersten Mal in Deutschland zeigen die Münchner Staatlichen Antikensammlungen zwei Bilderserien von Marian Maguire: Die Taten des Herakles (2006-2008) auf zwölf Lithographien und acht Kupferstichen; sowie vier von zehn Lithographien aus der Serie Die Odyssee des Captain Cook (2003-2005). Maguire hat es geschafft, Herakles, den antiken Weltreisenden, in ihrer südpazifischen Heimat einzubürgern. Der griechische Held ist durch seine zwei antiken Trophäen der Natur sofort erkennbar: die hölzerne Keule und das häufig über den Kopf getragene Löwenfell.

Maguire stellt den neuseeländischen Herakles im Stil der in den Antikensammlungen in München zahlreich vorhandenen schwarzfigurig bemalten Vasen von Athen dar (6. Jahrhundert v. Chr.). Zeitgenössische Bilder und antike Keramik nähern sich hier auf spielerische Art aneinander an. Im historischen Rückblick war es Athen, das sich als die mächtigste Stadt des antiken Griechenland behauptet hat; und es sind die von ihren Handwerkern produzierten Tongefäße, die als Höhepunkte der griechischen Vasenmalerei gelten. Wie ihre antiken Vorbilder, so fesseln auch Maguires Bilder die Betrachtenden durch ihre Schönheit und Eigentümlichkeit. Das gilt in besonderer Weise für uns Europäer. Unsere Grundlagen sind bis heute durch Prozesse der Auseinandersetzung mit den antiken Kulturen von Griechenland und Rom geprägt. Aber gerade aus dieser Perspektive ist es kühn, dass Maguire für ihre Herakles-Bilder den archaischen Stil der schwarzfigurigen Vasenmalerei gewählt hat. Sie kleidet ihren Helden nicht in die Formen der Gegenwart, sondern in den altertümlichen Stil der Antike. Erst diese, für uns verblüffende Wahl hat es Maguire ermöglicht, ihrem Herakles, dem sagenhaften Griechen, einen neuen Platz und eine neue Bedeutung in den Mythen der Māori und der Geschichte der neuseeländischen Kolonialisierung zuzuweisen.

Die Künstlerin Marian Maguire entwirft ihre Herakles-Bilder mit den vor ihr bevorzugten handwerklichen Drucktechniken, der Lithographie und dem Kupferstich. In Maguires Welt waren es Captain James Cook und seine Mannschaft, die dem antiken Helden den Weg nach Neuseeland bahnten, als sie die Inselgruppe im Auftrag der Britischen Krone erforschten (1769-1777).

Maguire hat Herakles gleichermaßen als klassischen Helden und anpassungsfähigen Einwanderer gestaltet, der sich zumeist kooperativ in die Gesellschaft der Māori eingliedert. Zugleich aber setzt sie Herakles herkömmliche Traditionen außer Kraft und eröffnet neue Debatten über vermeintlich unverrückbare Oppositionen wie Inländer und Ausländer, Heros und Mensch, Gewohnheit und Veränderung, Vergangenheit und Gegenwart. Gerade der schwarzfigurige Stil macht es Herakles und den neuseeländischen Māori leicht, kulturelle und ethnische Grenzen hinter sich zu lassen. Mehr noch, durch den archaischen Erzählstil hat Maguire ihren neuseeländischen Herakles von den moralischen Ansprüchen christlicher Wertvorstellungen des Westens befreit. So fordern uns Maguires Lithographien auf, neu auf die antike Bilder und die Geschichten ihrer Akteure zu blicken.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (dt./engl.).

Pressekonferenz: Dienstag, 15.9.2015, 11.00 Uhr
Eröffnung: Dienstag, 15.9.2015, 19.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 16.9. – 13.12.2015

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