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Sprengel Museum Hannover

Schlachtfelder

4. Juni - 28. September 2014

(lifePR) (Hannover, )
Im kommenden Sommer jährt sich zum 100. Male der Beginn des Ersten Weltkrieges. Anlässlich des Gedenkens an die 'Urkatastrophe' des vergangenen Jahrhunderts zeigt das Sprengel Museum Hannover insbesondere aus den grafischen Beständen der Sammlung Zeichnungen und Druckgrafiken von Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit den Themen Krieg, Gewalt und Konflikt insgesamt und weltweit auseinandergesetzt haben.

Das 'Pulverfass Europa' entzündete sich an der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Ehefrau Sophie durch einen serbischen Nationalisten in Sarajewo. Das Ereignis zog die Kriegserklärung Österreichs an Serbien nach sich, und der Erste Weltkrieg begann, der rund 17 Millionen Menschen das Leben kosten sollte.

Erster Weltkrieg

Einem allgemeinen patriotischen Hochgefühl entsprach die anfängliche Kriegsbegeisterung vieler Künstler.

Zu diesen Stimmen zählte auch die des jungen Max Beckmanns (1884-1950), der in einem Brief vom Mai 1915 erklärt: "Es ist mir ganz recht, daß Krieg ist." Hatte er sich noch im Vorfeld eine Erweiterung des Erfahrungsfeldes durch den Krieg und damit Impulse für sein künstlerisches Schaffen erhofft, erlebte er die Teilnahme am Krieg und seine Arbeit im Lazarett jedoch als traumatisch.

Käthe Kollwitz (1867-1945) setzte sich wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg mit Szenen aus den Bauernkriegen und dem Weberaufstand auseinander. In ihrer Bearbeitung der Themen zeichnet sich das kommende Unheil ab. Ein Motiv wie das der Radierung "Losbruch" von 1902 ist in seiner Überzeitlichkeit wiederum als deutliches Antikriegsbild zu verstehen.

Sehr schnell gewahrten viele Künstler die kommende Katastrophe. Schonungslos konfrontieren sie den Betrachter mit der künstlerischen Umsetzung des Erlebten, wie etwa Otto Dix (1891-1696) in seiner 50 Blätter umfassenden Grafikmappe "Der Krieg" von 1924. Der Zyklus umfasst Darstellungen vom gesamten Ausmaß des Schreckens und Elends dieses Ersten Weltkrieges. Sie sind aufwühlende Zeugnisse von Dix' eigener Kriegsteilnahme. Der Künstler hatte über den gesamten Zeitraum des Krieges an der Front gekämpft. Dem Realismus neusachlichem Stile dieser Mappe gegenüber stehen zwei seiner Zeichnungen, in gedämpftem, aber expressivem Duktus mit Rötel und Kohle. Sie entstanden mitten im Krieg, eines stellt einen Bombenkrater dar. Als direktes künstlerisches Schaffen tendieren diese Zeichnungen von Dix in die Abstraktion, vermutlich ließen sich die traumatischen Eindrücke nur in diesem Stil erfassen.

Wie sehr Künstlerinnen und Künstler nach archetypischen Bildern für die Schrecken des Krieges suchten, zeigen die beiden folgenden Beispiele, die ebenfalls im Kontext des Ersten Weltkrieges entstanden: Emil Nolde (1867-1956) entzog seinen zwei "Ziehenden Kriegern" im gleichnamigen Holzschnitt von 1917 den konkreten Kriegskontext. Ihre Kleidung, der Hintergrund und die langstielige Waffe, die den Holzschnitt von oben bis unten durchläuft, verdeutlichen, wie sehr es Nolde daran gelegen war, die Figuren aus ihrer Zeit zu lösen. Es sind archetypische Krieger, die er darstellte, mit verhärmten, maskenhaften Gesichtern und verzotteltem Haupt- und Barthaar. Nolde erfasst sie auf dem Weg von einer namenlosen Schlacht in die nächste - und entrückt damit den Krieg zu etwas Namen- und Zeitlosem.

Für eine künstlerische Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg stehen stellvertretend u. a. die zwei Radierungen aus Alfred Hrdlickas (1928-2009) Mappenwerk "Wie ein Totentanz" von 1974, mit dem der Künstler auf das Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 Bezug nahm. Hrdlicka untersuchte nicht nur das Attentat, sondern das Wesen und die Folgen der Gewalt insgesamt. Ebenso geht er der Entwicklung des Militarismus nach und spannt einen Bogen über zwei Jahrhunderte deutscher Geschichte. Die Folge orientiert sich an den historischen Ereignissen, die der Künstler kommentiert und gewichtet, nicht zuletzt durch den virtuosen Einsatz druckgrafischer Techniken, wie die beiden hier ausgestellten Blätter aus der Folge zeigen.

Nachkriegsjahre

Die Not der Nachkriegsjahre und damit die direkten Folgen des Krieges beschreiben Werke von u. a. Grethe Jürgens (1899-1981). Die hannoversche neusachliche Künstlerin, die während des Nationalsozialismus' in die innere Emigration ging, fand in dem Motiv der "Trümmer"-Zeichnungen (1946) ein eindringliches Bild für die existenziellen Themen der Nachkriegsjahre.

Die Tuschzeichnungen des italienischen Bildhauers und Zeichners Agenore Fabbri (1911-1998) aus den 1950er-Jahren stellen "Kriegs-Monster" (Il mostro della guerra) dar. Seine Kunst wurde zu einem sehr persönlichen Ausdrucksmittel eines Protestes gegen alle Formen der Gewalt und Unterdrückung. Bereits Ende der 1940er-Jahre entstand eine Serie von Tierskulpturen im expressionistischen Stil, die in Kampfsituationen Momente des Leids und des Sterbens zum Ausdruck brachten. Die gebrochenen, zerfurchten Oberflächen seiner Figuren spiegeln die physischen und seelischen Leiden. Alles in der Ausführung der Geschöpfe, wie die ausgewählten Blätter zeigen, deutet auf geschundene Körper hin, verdreht, ausgemergelt, aufgerissen. In ihnen ist der Krieg manifest geworden. In der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre ändert Fabbri Stil und Material.

Aus dieser Phase stammt das "Atomisierte Insekt" (1958). Es gehört zu der Serie von Menschen- und Tierdarstellungen in Bronze oder Stahl - verbrannte, ausgeglühte und verkohlte Schreckensgestalten -, mit denen der Künstler Bezug auf die atomare Bedrohung nahm.

Krieg, Gewalt und Konflikte bis heute

Der schwedische Maler und Bildhauer Carl Fredrik Reuterswärd (geb. 1934) setzte sich 2007 in der zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit sich bewegenden Folge "New York, 9/11" mit den Anschlägen vom 11. September 2001 auseinander. Sein wohl bekanntestes Werk ist der Revolver mit dem verknoteten Lauf, das er als Hommage an John Lennon nach dessen Ermordung schuf und das in seinen zahlreichen Ausführungen zur Anti-Kriegs-Ikone geworden ist.

Die jüngste Schenkung der Videokünstlerin Birgit Hein (geb. 1942) ergänzt die Ausstellung um die Arbeit "KRIEGSBILDER" von 2006. Es ist eine Videocollage aus medialen Bildern und Klängen aus unterschiedlichen Quellen und Formaten. Öffentlicher Bilder vom Zweiten Weltkrieg, dem Vietnamkrieg und dem Krieg im Irak werden zu Kriegsszenen mehrerer Generationen zusammengefügt. Die Künstlerin, selbst im Zweiten Weltkrieg geboren, hat sich auf die Suche nach ihren eigenen Erinnerungsbildern begeben.

Ein weiterer anklagender Kommentar zur asymmetrischen Kriegsführung unserer Gegenwart ist die 5-teilige Arbeit von Jenny Holzer (geb. 1950) von 2012. Während der Golfkriege setzten die amerikanischen Soldaten die international geächtete, menschenverachtende Foltermethode des »Water Boardings« ein. Jenny Holzer verwendete die freigegebenen, vergrößerten Originaldokumente der CIA, in denen diese Foltermethode aktenkundig wird. Sie schwärzt die Textblöcke und lässt nur jene Stellen stehen, in denen die Begriffe "water boarding" oder "top secret" vorkommen.

Die Ausstellung "Schlachtfelder" umfasst 112 Werke von u. a. Ernst Barlach, Max Beckmann, Otto Dix, Agenore Fabbri, George Grosz, Birgit Hein, Bernhard Heisig, Alfred Hrdlicka, Grethe Jürgens, Paul Klee, Käthe Kollwitz, Wilhelm Lehmbruck, Emil Nolde, Pablo Picasso, Carl Fredrik Reuterswärd, Gerhard Richter und Kurt Schwitters.
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