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Pressemitteilung BoxID: 343548 (Schweizerischer Bauernverband)
  • Schweizerischer Bauernverband
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Die Agrarpolitik 2014-17 am Beispiel Hansjürg Stalder

(lifePR) (Brugg, ) Die Behandlung der Agrarpolitik 2014-17 im Nationalrat steht an. Der Bauernverband sorgt sich, dass die darin vorgesehenen, starken Anreize zur Extensivierung die Produktion weiter verteuern, den Lebensmitteloutput senken und die internationale Konkurrenzfähigkeit schwächen. Am Beispiel eines realen und typischen Schweizer Bauernbetriebs lässt sich das zeigen.

Der Hof von Hansjürg Stalder im bernischen Gümmenen ist typisch für die Schweiz: 20 ha gross mit 20 Milchkühen, 48 Mastschweinen und daneben noch etwas Ackerbau, vor allem Kartoffeln. Als Abgeltung für die von ihm erbrachten Leistungen bekommt er aktuell knapp 40'000 Franken Direktzahlungen. Wird die neue Reformrunde der Agrarpolitik wie vom Bundesrat vorgeschlagen, dann schrumpft dieser Beitrag auf 36'000 Franken. Davon sind aber fast 10'000 Franken sogenannte Übergangsbeiträge, die sukzessive abgebaut werden. Hansjürg Stalder kann die 36'000 Franken nur dann halten, wenn er zusätzliche Leistungen im Bereich Ökologie oder Tierschutz erbringt und damit die Lebensmittelproduktion seines Betriebes zurückfährt. "Ist es nicht die Hauptaufgabe von uns Bauern, die einheimische Bevölkerung mit gesunden, umwelt- und tierfreundlich produzierten Lebensmitteln zu versorgen?", fragt er sich besorgt.

Die Stossrichtung der Agrarpolitik 2014-17 geht in Richtung Ökologie, mehr Ressourcenschutz, mehr Tierschutz - kurz und gut eine extensivere Landwirtschaft und noch höhere Produktionskosten. "Die Landwirtschaft hat gemäss Verfassung den Auftrag, die einheimische Bevölkerung mit nachhaltig und tierfreundlich produzierten Lebensmitteln zu versorgen. Es braucht Anstrengungen, um diesen Auftrag auch in Zukunft erfüllen zu können", sagt dazu der Vizepräsident des Schweizerischen Bauernverbands (SBV) Josef Dissler. "Unser Nettoselbstversorgungsgrad ist in den letzten drei Jahren um vier Prozent gesunken und liegt aktuell noch bei 54 Prozent." Nationalrat und SBV-Direktor, Jacques Bourgeois, sieht verschiedene Ansätze für Verbesserungen im Parlament. Zum Teil habe die vorberatende Kommission schon richtig vorgespurt, zum Beispiel bei der Verankerung der Ernährungssouveränität im Landwirtschaftsgesetz. Zum Teil müsse der Gesamtrat noch Verbesserungen an der Vorlage anbringen. "Unsere Hauptforderungen sind eine abgestufte Berücksichtigung des Tierbesatzes pro Fläche, die Förderung einer vielfältigen Landschaft im Rahmen der Kulturlandschaftsbeiträge und den Verzicht auf die Landschaftsqualitätsbeiträge. Ebenso die Erhöhung des Rahmenkredits im Bereich der Strukturmassnahmen." Unverständlich ist für den SBV, dass die vorberatende Kommission für den Erhalt von Direktzahlungen keinerlei Anforderungen an die Ausbildung mehr stellen will. Er wird sich auch hier für eine entsprechende Korrektur im Plenum einsetzen.

Die vergangenen Agrarreformen haben zu verschiedenen Fehlentwicklungen auf dem Markt geführt, die nun ebenfalls Korrekturen bedürfen. So ist es in der heutigen Situation wichtig, über verpflichtende Instrumente zu verfügen, die den Milchmarkt stabilisieren. Ebenso braucht es eine Anpassung des Importsystems von Fleisch an die Nachfrage der Branche.

Was will die Schweiz von ihrer Landwirtschaft, Lebensmittelproduzenten oder Landschaftsgärtner? Das fragen sich Hansjürg Stalder und seine Berufskollegen. In Zukunft ist die Antwort auf diese Frage eindeutig: Genügend einwandfreies Essen. Darauf sollte das Parlament auch die Agrarpolitik 2014-17 ausrichten.