Für ein starkes Netywerk

(lifePR) ( Zürich, )
Zumindest in den meisten europäischen Städten sind die Kirchtürme nach wie vor bereits von Weitem sichtbar. Die Kirche als Institution und Organisation dagegen wird scheinbar immer unwichtiger - scheinbar. Denn die evangelische und die katholische Kirche leisten mit ihren Wohlfahrtsverbänden auch im Bereich der Stadtentwicklung gute Arbeit. Das Projekt "Kirche findet Stadt" will dies allen bewusst machen.

Die Kirchen in Deutschland, deren Wohlfahrtsverbände und alle anderen Organisationen sind es gewohnt, sich wegen Fördergeldern, sonstiger Unterstützung und mit ihren Anliegen an verschiedene Ministerien, wie das Sozial-, das Familien- und das Arbeitsministerium, zu wenden. Die für den Städtebau zuständigen bleiben dabei in der Regel außen vor. Nicht zuletzt deswegen ist vielen bislang nicht bewusst, wie sehr sich ihre Arbeit, ihr Engagement auf das ganze Quartier, den Stadtteil, das Dorf oder zumindest die weitere Umgebung auswirkt. Um dies sowohl den Beteiligten als auch den Außenstehenden deutlich zu machen, die Kräfte zu bündeln und die verschiedenen Projekte besser miteinander zu vernetzen, haben die kirchlichen Wohlfahrtsverbände Diakonie und Caritas, sowie die beiden Kirchen selbst, das Projekt - oder besser gesagt die Strategie - "Kirche findet Stadt" im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik ins Leben gerufen. Man spricht in diesem Fall deshalb besser von Strategie, da bei einem Projekt der zeitlich begrenzte Aspekt sehr in den Vordergrund rückt. Selbstverständlich ist auch bei "Kirche findet Stadt" der Förderzeitraum begrenzt - Ende März 2013 wird er zu Ende sein -, doch allen liegt sehr daran, dass die ins Rollen gekommene Arbeit danach nicht abrupt endet. "Denn 'Kirche findet Stadt' soll kein Feuerwerk sein, das nach kurzer Zeit verpufft ist", so Karin Vorhoff vom Deutschen Caritasverband.

Los gehen konnte es im Frühjahr 2011, nachdem rückwirkend zum 1. Januar die Fördergelder genehmigt worden waren. Der sogenannte "Aufruf zur Darstellung beispielhafter Initiativen vor Ort", die Suche nach geeigneten Projekten für die Referenzplattform, wurde über die Evangelische Kirche in Deutschland und die Deutsche Bischofskonferenz bundesweit verteilt. 125 ausgefüllte Interessenbekundungen gingen bis zum Ende der Bewerbungsfrist beim Projektteam, bestehend aus Reinhard Thies vom Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland e.V., Karin Vorhoff vom Deutschen Caritasverband e.V. sowie der Stadtplanerin Petra Potz von der "Kirche findet Stadt"-Transferstelle, ein. Doch es hätten viel mehr sein können. Denn bereits an dieser Stelle zeigte sich eine der Schwierigkeiten, die das Projekt anzugehen versucht. Viele Menschen haben sich mit ihren Initiativen deshalb nicht beworben, da alles unter dem Dach des BMVBS abläuft. Sie erkannten den Wert ihrer Arbeit in Bezug auf die Stadt, deren Auswirkungen auf den Sozialraum nicht. Etwa ein Jahr und die Freischaltung der Referenzplattform später gehen vielen die Augen auf und sie erkennen, dass auch sie mit von der Partie sein könnten. Ein erster wichtiger Schritt ist damit getan. Durch dieses erweiterte Blickfeld, das nun über den eigenen Tellerrand hinausreicht und den Akteuren die Auswirkungen ihrer Arbeit, ihres Engagements deutlich macht, wird es ihnen künftig leichter fallen, sich weitere Partner, andere Institutionen mit ins Boot zu holen, die Probleme aus verschiedenen Richtungen zu betrachten.

Aus all den eingegangenen Bewerbungen wurden in mehreren Durchgängen 12 Regionalknoten und 24 Referenzstandorte ausgewählt. Neben einer breiten Palette an Themen sollten die Projekte möglichst gleichmäßig über die Bundesrepublik verstreut, im ländlichen Raum, in Klein- und in Großstädten angesiedelt sein, von unterschiedlichen Trägern organisiert werden sowie mal einen evangelischen, mal einen katholischen oder ökumenischen Hintergrund haben. Den Regionalknoten kommt dabei die besondere Aufgabe zu, für die anderen Beteiligten eine Anlaufstelle zu sein, Veranstaltungen, wie Fachtagungen und Workshops, zu organisieren und speziell in ihrer jeweiligen Region (Nord, Mitte oder Süd) dazu beizutragen, dass sich die verschiedenen Projekte miteinander vernetzen - getreu dem Motto: Schaut euch an, wie es die anderen machen, wie es gehen kann.

Seitdem am 14. Dezember 2011 die Referenzplattform im BMVBS offiziell präsentiert worden ist, haben sich viele haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter bei verschiedenen Veranstaltungen, wie "Handlungsfelder einer sozialen Stadtentwicklung" und "Wieviel Kirche braucht die Stadt?" getroffen, fortgebildet und vor allem festgestellt, dass die Menschen auch an anderen Orten mit den gleichen Problemen kämpfen wie sie. Das ist zwar eigentlich nicht überraschend, doch diese Erkenntnis motiviert für die eigene Arbeit. Außerdem wurde sowohl den Teilnehmern, den Mitarbeitern der Wohlfahrtsverbände als auch den Organisatoren vor Ort bewusst, wie sehr sie auch aufgrund der aktuellen Gesetzgebung in Sparten denken (müssen). Man kümmert sich um Kinder und Jugendliche, um alte oder behinderte Menschen, um Drogenabhängige oder um Obdachlose - dabei könnte oftmals die eine Gruppe von der anderen profitieren, sie könnten sich gegenseitig unterstützen. Ein Beispiel dafür findet sich im Nordmarktkiosk in der Dortmunder Nordstadt, der ein kleiner Teil des Projekts "Wem gehört die Stadt? Impulse für ein Quartier ohne Verdrängung von Randgruppen" ist. Die Gegend um den Nordmarkt ist geprägt von Armut und Ausbeutung, wie man sie in Europa nicht erwartet hätte. (Mehr dazu finden Sie in einem Artikel, der am 27. April in der FAZ erschienen ist.) Auf dem Nordmarkt selbst treffen sich Alkoholiker und Drogenabhängige. Der Kiosk, an dem weder Alkohol noch Zigaretten verkauft werden, bietet ihnen nun die Möglichkeit, zumindest stundenweise zu arbeiten und somit ein wenig Geld zu verdienen. Die Anwohner können sich dort vergessene Kleinigkeiten besorgen und sparen sich den Weg zum nächsten Supermarkt. Außerdem wird der Kiosk durch die neue Nutzung gepflegt.

Diese Strukturen zu erkennen und Potenziale für sozialräumliches Handeln aufzuzeigen ist ein weiteres Ziel von "Kirche findet Stadt". Dabei soll und kann es nicht darum gehen, die Kompetenzen der hauptberuflichen Mitarbeiter und der ehrenamtlich Engagierten zu beschneiden, wenngleich davor viele Angst haben, sondern darum, die Fähigkeiten der Einzelnen sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Dies ist in Itzehoe beim Café-Restaurant "himmel + erde" gelungen. Die Glückstädter Werkstätten konnten das Haus aus dem frühen 18. Jahrhundert, das zuvor bereits als Restaurant gedient hatte, von seinem Besitzer mieten und darin nicht nur ein Café eröffnen, sondern auch Räume einrichten, in denen die (ehrenamtlichen) Mitarbeiter von verschiedenen kirchlichen und sozialen Einrichtungen hilfesuchende Menschen beraten können. Ferner muss im Café niemand etwas essen oder trinken. Er darf sich auch bei einem kostenlosen Glas Wasser in die Lektüre der ausliegenden Tageszeitungen und Zeitschriften vertiefen. Hoffentlich lässt sich niemand durch das doch sehr schicke Ambiente von diesem Plan abhalten.

Zwei große und wichtige Vorteile dieses Projektes liegen in seiner Struktur und seinen Beteiligten. Denn zum einen wurden die Teams der Referenzstandorte nicht mit zusätzlichen finanziellen Mitteln ausgestattet, ein Projekt kann daran nach 2013 also nicht scheitern – vorausgesetzt, ihm wird nicht von anderer Seite aus der Geldhahn zugedreht. Zum anderen bleiben auch die evangelische und die katholische Kirche mit ihren Pfarrgemeinden und Wohlfahrtsverbänden Diakonie und Caritas vor Ort und brechen nicht, wie beispielsweise Mitarbeiter von Projekten, die komplett von Dritten finanziert werden, ihre Zelte nach einer bestimmten Zeit wieder ab. Deshalb darf man hoffen, dass die Kirchen die Städte und beide fortan gemeinsam Lösungen für viele drängende Probleme unserer Gesellschaft finden.
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