Donnerstag, 21. September 2017


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Opioid-Therapie chronischer Schmerzen

Leitlinie gefährdet die Versorgung von Patienten

Pöcking, (lifePR) - Eine Therapie-Leitlinie mit gravierenden methodischen Schwächen gefährdet die medikamentöse Versorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen", erklärt Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt.

Auf massive Kritik von Schmerztherapeuten stößt eine S3-Leitlinie zur Langzeitanwendung von Opioiden bei nicht tumorbedingten Schmerzen, die eine Gruppe von Psychologen Ende letzten Jahres im Auftrag der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes vorgelegt hat. »Massive methodische Schwächen bei der Analyse von wissenschaftlichen Studien führen zu falschen Schlussfolgerungen für die Langzeit-Therapie mit Opioiden«, erklärt Priv. Doz. Dr. Michael A. Überall, vom Institut für Qualitätssicherung in Schmerztherapie und Palliativ-medizin IQUISP, Nürnberg und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie. So würden beispielsweise die Ergebnisse von Zulassungsstudien verglichen mit anderen Untersuchungen, es würden so quasi Äpfel mit Birnen verglichen.

Die Autoren der Leitlinie monieren den Mangel an Langzeit-Studien, in denen die Wirksamkeit der Opioid-Therapie länger als 3 Monate überprüft wurde. Müller-Schwefe: »Die Tatsache, dass solche Langzeitstudien fehlen, bedeutet jedoch nicht, dass diese Therapie nicht sinnvoll ist.«

»Dass die Autoren der Leitlinie nicht Zahlen interpretieren, sondern ihre vorgefasst Meinung, wird an der Tatsache deutlich, dass sie beispielsweise psychologischen Verfahren aufgrund einer fünfprozentigen Wirkstärke eine gesicherte Wirksamkeit bestätigen, Opiaten diese Wirksamkeit trotz einer zehnprozentigen Wirkstärke hingegen nicht bescheinigen«, erklärt Überall.

Dennoch gibt es erste Institutionen, beispielsweise einige kassenärztliche Vereinigungen, welche diese Leitlinie so interpretieren, als müsse eine Opioid-Therapie nach drei Monaten abgebrochen werden, weil entsprechende Studien fehlen. »Dies ist natürlich eine absurde Schlussfolgerung«, kritisiert Müller-Schwefe. »Sie würde uns zwingen, Menschen mit schwersten Schmerzen unversorgt zu lassen.«

Als die US-amerikanische Schmerzgesellschaft vor einem Jahr ihre wissenschaftlich basierten Leitlinien zur Langzeitanwendung von Opioiden bei nicht tumorbedingten Schmerzen veröffentlichte, beklagte sie ebenfalls den Mangel an wissenschaftlichen Studien auf diesem Gebiet. Dennoch kommen die US-Experten zum Schluss, dass eine Langzeittherapie mit Opioiden sicher und effektiv ist, wenn die Patienten sorgfältig ausgewählt und engmaschig betreut werden.

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