Improvisierte komplexe Klanglandschaften

(lifePR) ( Borchen, )
Die Geschichte zum Titel von Helge Liens offiziellem Solo-Debüt "Kattenslager" ist so eigenwillig wie die darauf enthaltene Musik. Während er einer dänischen Jazz-Platte aus den 60ern lauschte, hörte der Norweger Lien das faszinierende Wort "Kattenslager" heraus. In Wahrheit sang die Sängerin "Plattenslager"("Schlagerplatte"), doch passte der selbstgeschaffene Begriff geradezu perfekt zu den subtilen, geheimnisvollen und immer wieder auch verstörenden Klaviertönen des Albums. Lyrisch-impressionistisch, wie bei seinen Trio-Aufnahmen, klingt Helge Lien immer noch, wenngleich er jetzt seinen improvisierten Lautmalereien kein vorher konstruiertes Melodiegerüst unterlegt, sondern alles dem freien Fluss seines Spiels überlässt - absolut frei, unmittelbar, direkt und unberechenbar.

Widerstandslos wird man von Helge Liens tonalen Mahlstrom hineingezogen in eine Welt in der die Gesetze der Physik keine Bedeutung mehr zu haben scheinen. Auf bislang sechs Studioalben hat Lien mit seinem Trio frische, unwiderstehliche Soundlandschaften aus dem Land der Fjorde und Trolle geschaffen. Nun erweist er sich auf "Kattenslager" als ungewöhnlich experimentierfreudiger Pianist, der die Grenzen zwischen tonal und atonal, zwischen Fluxus und Flexibilität, zwischen Jazz und Klassik sowie zwischen Traditionalismus und Avantgarde immer wieder neu auslotet und locker sprengt.

Zweifelsfrei hat Helge Liens Klavierkunst eine Qualität und Virtuosität erlangt, mit der er sich eine ganz eigene Sprache geschaffen und längst aus dem Schatten großer Namen getreten ist. Stilmittel aus Klassik und des Jazz kommen zwar immer noch zum Tragen, doch werden sie nunmehr in den Dienst freier Improvisationen und ureigener musikalischer Ideen gestellt. Schrill, dunkel, bedrohlich und zugleich im höchsten Maße versponnen und frei schwebend erklingt das Eröffnungsstück "Grusveivandrer", in dem sich wie von Geisterhand Klangräume eröffnen, die letztlich doch nur durch die spielerische Dekonstruktion des Klavierklangs entstehen. Über den sanften Tastenanschlag hinaus dringt Helge Lien ins tiefste Innere seines Instruments vor, das sich als Spiegelbild seiner Seele erweist: klar, tief und frei.

Helge Liens improvisatorische Exkursionen münden in "Furulokk" in einen von Spannung und Offenheit getragenen musikalischen Entschleunigungsprozess. Mit nordisch-folkloristisch anmutenden Klängen und expressiven (Dis)Harmonien, getragen durch den permanenten Wechsel von hellen und dunklen Tönen, nimmt der Pianist seine Hörer mit ins Zentrum seiner von Dynamik bestimmten Musikwelt. Auch in "Ur" tickt die Uhr nicht im Sekundentakt, sondern markiert das Zerfließen der Zeit im Zeitlupentempo. Sanft dahingleitende Wellen, die begleitet von einem bedrohlichen Grollen in jenseitige Sphären abzudriften scheinen, werden in "Babbel" von einem Bass-betonten Untergrund zu einer "coolen" Free- Jazz-Phrasierung geführt, die an vertraute Songs und Sounds erinnern, aber ganz dem unmittelbaren Spiel und der Magie der Illusion entsprungen sind.

Mit seinem individuellen Spiel provoziert Helge Lien beim Hörer eine ebenso individuelle Wahrnehmung. In "Stille By" stellt sich sogar das Gefühl von absoluter Ruhe und Leere ein - universaler Leere. Ausgesprochen quirlig, geradezu heiter und erfrischend durchdringen die tiefen Klaviertöne Herz und Gemüt. Chaos bedeutet für Lien Ordnung und Kontemplation. Aus der Unruhe ("Uro") wird absolute Ruhe, während im letzten Stück "Oy", Helge Lien mit seinem schwebend-schwerelosen Spiel immer tiefer in die dunklen Tiefen des tonalen Universums eindringt.

Auszeichnungen: Nummer 1: Norwegischer Grammy Bestes Jazzalbum, Best Audiophile Release (SoundStage!);
Hansa Award, Natjazz Festival 2007, DnBNor Musicians Award 2008, Kongsberg Jazzfestival;
Bestes Jazzalbum des Jahres 2008 in Norwegen (Helge Lien Trio - Hello Troll oz021cd).
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