Sonntag, 19. November 2017


  • Pressemitteilung BoxID 277917

Neujahrsbrief 2011 - Stürmische Zeiten voraus

Berlin, (lifePR) - Das berufspolitische Jahr 2011 war aus Sicht der Ärzteschaft von einer offenen und konstruktiven Gesprächskultur mit der Koalitionsregierung geprägt. Das war in unseren vielen Treffen mit Vertretern der Gesundheitspolitik deutlich zu spüren.

Zudem zahlt sich die Sanierung der Gesundheitsausgaben durch das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz aus. Erstmals liegen die Arzneimittelausgaben in 2011 wieder unter denen der ambulanten ärztlichen Versorgung. Obwohl es Nachbesserungsbedarf gibt, kann sich auch das jüngste politische Ergebnis des Jahres sehen lassen: Das Versorgungsstrukturgesetz enthält begrüßenswerte Neuerungen, so die grundsätzliche Erkenntnis über den Ärztemangel, die neuen Möglichkeiten der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung, die Aufwertung der Ärztenetze oder die Neustrukturierung der Bedarfsplanung. Eine grundlegende Reform des Gesundheitswesens ist es jedoch nicht. Nach wie vor und trotz der aktuell guten Lage der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist die Frage der langfristigen Finanzierung ungelöst. Hier braucht es den Mut der Politik, den wir Ärzte vermissen.

Auch in den Körperschaften gibt es anhaltenden Reformbedarf. Ganz oben steht die Professionalisierung der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). Sie muss weiter vorangetrieben werden, allerdings nicht auf Kosten des Selbstverwaltungsgedankens. In den Vertreterversammlungen (VVen) von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) müssen ehrenamtlich tätige Ärzte sitzen, keine hauptamtlichen Nicht-Ärzte. Auch bedarf es einer Vergrößerung der regionalen Vertretungen der Vertragsärzte. Nur so können wir wieder eine engere Anbindung an die ärztliche Basis erreichen. Die neue, politischere Stoßrichtung der Bundesärztekammer unter ihrem neuen Präsidenten kann darüber hinaus für die öffentliche Wahrnehmung ärztlicher Interessen hilfreich sein.

Auf der Seite der GKV muss ein grundlegender Wechsel eingeläutet werden: Die Kassen müssen zu Versicherungen werden. An die Stelle des derzeitigen Vollkasko- Erstattungswesens muss der individuelle Risikoschutz der Versicherten treten. Das bedeutet auch das Ende der leidigen Pauschalierung. Sie muss endlich durch feste Honorare für jede einzelne ärztliche Leistung ersetzt werden. Nur so lassen sich Behandlungen am Fließband verhindern und eine gerechte Vergütung erreichen. Die Einbeziehung des Faktors Zeit sorgt für die notwendige Mengensteuerung.

Insgesamt muss sich die Ärzteschaft auf kämpferische Zeiten einstellen. Das muss jedem klar sein. Angesichts der desolaten Lage der Regierungskoalition, ist mit ihrer Abwahl bei der nächsten Bundestagswahl zu rechnen. Wer dann zum Zug kommt, ist fast zwei Jahre vor dem Urnengang zwar reine Spekulation, ohne SPD oder Grüne wird es 2013 jedoch anscheinend kaum gehen. Was uns Ärzte dann erwartet, hat der SPD-Parteitag jüngst gezeigt: Bürgerversicherung und Einheitsgebührenordnung - das ist das Ende der Freiberuflichkeit, also viel Arbeit für uns Berufsverbände.

Auch wenn 2012 mit dem Patientenrechtegesetz und der Stärkung der Prävention eine weit weniger kontroverse gesundheitspolitische Agenda ansteht als im vergangenen Jahr, geht es berufspolitisch um viel. Zu verhindern sind weitere Einschränkungen des freien Arztberufs und der ärztlichen Therapiefreiheit. Wir Ärzte dürfen keinesfalls zu Beauftragten der Kassen degradiert werden. Außerdem droht die ärztliche Gesamtverantwortung mit der fortschreitenden Substitution zum Nachteil der Patientensicherheit auf der Strecke zu bleiben.

Darüber hinaus muss 2012 zum Jahr der ambulanten Medizin in Freiberuflichkeit werden. Wir müssen junge Ärzte wieder für die Praxistätigkeit begeistern. Nur so kann die flächendeckende Versorgung in den Regionen auf lange Sicht erhalten werden. Als Verband der niedergelassenen und ambulant tätigen Ärzte Deutschlands arbeiten wir an Lösungen für die Zukunft, so mit der Förderung kooperativer Strukturen. Denn Arztnetze zeigen, wie es gehen kann. In ärztlichen Kooperationen muss beispielweise eine junge Ärztin nicht darauf verzichten, eine Familie zu gründen. Was sie in der Zeit von Schwangerschaft und Elternzeit weniger arbeiten kann, fängt das Netz auf. Diese Flexibilität bietet die Niederlassung in der Einzelpraxis kaum. Auch Bereitschaftszeiten und Notdienste können in ärztlichen Kooperationen weitaus familienfreundlicher organisiert werden. Und das sind nur zwei von zahlreichen Vorteilen, die die Netze bieten.

Die Gründung der Agentur deutscher Arztnetze im Sommer 2011 war der erste Schritt, die Netzidee aktiv voranzubringen. In Zusammenarbeit mit dem NAVVirchow- Bund vereinigen sich in der Netzagentur einige der am weitesten entwickelten Gesundheitsverbünde Deutschlands. Einen ersten Erfolg kann die Agentur bereits verbuchen. Mit dem neuen Versorgungsstrukturgesetz können die KVen zukünftig gut organisierte Praxisnetze mit einem eigenen Honorartopf fördern.

Der Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands hat sich in den vergangenen zwölf Monaten schlagkräftig gezeigt. So wird es auch im kommenden Jahr weitergehen. Wir kämpfen für den Erhalt des freien Arztberufes und unterstützen neue Lösungen für zeitgemäße ärztliche Arbeitsbedingungen.

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

Hund vs. Fahrrad

, Verbraucher & Recht, ARAG SE

Freilaufende Hunde und Freizeitsportler, wie Radler oder Jogger, sind seit jeher natürliche Feinde. In einem konkreten Fall gerieten ein Hund...

Hundehaftpflicht: Nicht immer Pflicht, aber ratsam

, Verbraucher & Recht, ARAG SE

In Deutschland teilen etwa 30 Millionen Haustiere die heimischen vier Wände mit ihren Besitzern. Den größten Teil davon machen Katzen mit schätzungsweise...

Hundepfeife: Nichts für Pferde

, Verbraucher & Recht, ARAG SE

Eine Hundehalterin muss nach einem Pfiff mit der Hundepfeife nicht für den Sturz eines Reiters vom Pferd haften. Im verhandelten Fall wurden...

Disclaimer