Dienstag, 26. September 2017


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NABU Hamburg fordert kritische Auseinandersetzung mit Schiffsdiesel

Politik und Verwaltung auf maritimen Auge blind / Belastung mit ultrafeien Partikeln in Altona und Neustadt deutlich höher als am Stuttgarter Neckartor

Hamburg-Borgfelde, (lifePR) - Mit Blick auf die anhaltende Diskussion um Stickoxide von Diesel-Pkws weist der NABU Hamburg noch einmal darauf hin, dass eine kritische Auseinandersetzung mit Diesel-Emissionen von Schiffen und deren negative gesundheitlichen Einflüsse in der aktuellen Diskussion zu kurz kommen. Schiffe sind die größte Stickoxidquelle in Hamburg. Der Anfang Juli 2017 in Kraft getretene Luftreinhalteplan der Hansestadt habe gezeigt, dass Schiffe für 39 Prozent der Stickoxidemissionen in Hamburg verantwortlich sind, der Kfz-Verkehr für 29 Prozent. In hafennahen Quartieren wie der Hafencity, der Neustadt oder in Altona-Süd haben die Stickoxidemissionen der Schiffe gar einen Anteil von etwa 80 Prozent. "Der hiesige Skandal beim Diesel-Skandal ist, dass die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ausschließlich auf die Autos gelenkt wird. Es ist unbestritten, dass straßenbezogene Stickoxidemissionen einen hohen Anteil an der lokalen Luftbelastung haben. Allerdings sind Pkw und Lkw trotz der Verfehlung!
en der Branche noch halbwegs reguliert. Im Gegensatz zu den Stickoxidemissionen der Schiffe sind die Mengen der Pkw vergleichsweise Peanuts", sagt Malte Siegert, Leiter Umweltpolitik beim NABU Hamburg. Denn für Schiffe gibt es bezüglich der Stickoxide überhaupt keine Regulierung und entsprechend kaum Abgasnachbehandlung. Allein ein Kreuzfahrtschiff, das direkt an Wohngebieten in Altona oder der Hafencity festmacht, emittiert mehrere hunderttausendmal so viele gesundheitsschädliche Stickoxide wie ein Pkw. Damit pustet ein einziges Kreuzfahrtschiff genauso viel Abgase in die Luft wie etwa die Hälfte aller Hamburger Autos zusammen.

Dabei sind die Stickoxidemissionen lediglich ein Problem der schwimmenden Dreckschleudern. Ein anderes sind laut NABU Hamburg vor allem nicht regulierte, krebserregende ultrafeine Partikel, die ebenfalls bei der Verbrennung von Diesel entstehen. Jüngste Messungen des NABU Hamburg in Privatwohnungen in der Neustadt und nahe des Kreuzfahrtterminals Altona haben ergeben, dass selbst die Belastung in einer geschlossenen Wohnung dort rund drei Mal höher sind als am Stuttgarter Neckartor bei Feinstaubalarm, dem Innbegriff starker lokaler Belastung. "Messungen in Wohnungen zeigten bis zu 70.000 der gefährlichen ultrafeinen Partikel pro Kubikzentimeter, im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend. Wenn Politik und Verwaltung nicht handeln und weiterhin keine Vorgaben machen, verhalten sie sich grob fahrlässig gegenüber der Wohnbevölkerung in Hafennähe", so Malte Siegert. Den Ozeanriesen müssen endlich klare Vorgaben gemacht werden. Vor der eigenen Haustür könnte die Stadt den ausschließlich im Hamburger Hafen operierenden Schiffen wie Schleppern, Fahrgastschiffen, Behördenschiffen und den Fähren deutlich mehr abverlangen. Dass Pkw-Hersteller bei der Abgasreinigung betrügen, ist ein vergehen an der Gesundheit der Menschen. Dass Schiffen nicht einmal einfachste Abgasreinigung abverlangt wird, darf darüber aber nicht vergessen werden.

Vergleich ultrafeine Partikel (UFP) in Hamburg:
Städtischer Hintergrund (z.B. Planten und Blomen): ca. 5000 UFP/ ccm³. Hauptstraße: 8 000 - 20 000 UFP/ ccm³. In der Abgasfahne von Kreuzfahrtschiffen: 150 000 - 500 000 UFP/ ccm³.

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