Dienstag, 19. Juni 2018


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Kreuzfahrt-Saison startet: NABU warnt vor erheblichen Gefahren durch Schiffsabgase

Schiffsriesen kommen mit hochgefährlichen Gepäck

Hamburg-Borgfelde, (lifePR) - An diesem Freitag wird in Hamburg die Kreuzfahrtsaison eröffnet. Erwartet wird ein "Kreuzfahrt-Jahr voller Superlative". Es wird gejubelt, dass noch größere Luxus-Liner in 2016 in der Hansestadt anlegen. Dass die Schiffsriesen dabei auch eine riesen Menge gesundheitsschädlicher Abgase in die Stadt pusten, wird auch von begeisterten Zuschauern und Reisenden ausgeblendet. Der NABU weist deshalb erneut auf die erheblichen Gefahren durch Schiffsemissionen hin. 

Die Giganten "Queen Elizabeth" und Queen Victoria" machen morgen den Auftakt. Schiffe dieser Größenordnung haben den Energiebedarf einer Kleinstadt mit 20.000 Einwohnern. Sie müssen zur Stromproduktion beispielsweise für Lifte, Restauration, Schwimmbäder oder ganze Schlittschuhbahnen während der Liegezeit ihre riesigen Motoren weiterlaufen lassen.  Zwei der drei Hamburger Kreuzfahrtterminals liegen dicht an der Innenstadt. Die schädlichen Abgase gelangen so direkt in die Wohngebiete.

Würde diese Abgasmenge im Straßenverkehr ausgestoßen, gäbe es einen Aufschrei. Emissionen, die durch PKWs und LKWs verursacht werden, sind seit Dekaden ein anerkanntes Problem. Um den Ausstoß zu verringern, gibt es den verpflichtenden Einsatzes von Rußpartikelfiltern für Diesel-PKW und Stickoxidkatalysatoren. Außerdem sind die Kraftstoffe für Autos hundert Mal sauberer als Schiffs-Diesel, sogar bis zu 3.000 Mal sauberer als Schweröl im Schiffsverkehr. 

Es ist völlig unverständlich, dass die Schifffahrt diesbezüglich kaum Regularien hat, obwohl gerade deren gewaltige Emissionsmengen hochgefährlich sind",  sagt Malte Siegert, Leiter Umweltpolitik beim NABU Hamburg.

Noch immer verfügt kaum eines der anfahrenden Kreuzfahrtschiffe über angemessene Abgastechnik. Eine hohe Konzentration von Stickoxiden, Schwefeldioxiden und Feinstaub sind verantwortlich für Herz-Kreislauferkrankungen, Asthma oder sogar Alzheimer. Ungefilterter Ruß wird von der WHO als extrem krebserregend eingestuft. Dass diese Risiken durch die Kreuzfahrtschiffe erhöht werden, ist der Politik und Verwaltung in Hamburg sehr wohl bewusst. Trotzdem stehen die wirtschaftlichen Interessen der Kreuzfahrtindustrie  im Vordergrund. Dabei nehmen Reeder und ebenso politische Entscheider billigend in Kauf, dass Bürgerinnen und Bürger durchaus vermeidbaren gesundheitlichen Risiken zu Gunsten eines boomenden Wirtschaftszweiges ausgesetzt sind.

Der NABU appelliert an die Freie und Hansestadt Hamburg im Rahmen ihrer Möglichkeiten mehr regulatorische Maßnahmen im Hamburger Hafen zu ergreifen, die erheblichen Auswirkungen der Schiffsemissionen für Klima, Umwelt und vor allem für die menschliche Gesundheit wirksam zu reduzieren.

Die neuen Anlagen zur landseitigen Stromversorgung in Altona und der Hafencity sind zwar an sich gut, funktionieren jedoch nur an der Kaikante, nicht aber im Hafen oder auf der Revierfahrt zur Elbmündung. Besonders absurd ist, dass kaum ein Schiff zur Abnahme ausgerüstet ist. Falls doch, gibt es keine Verpflichtung, den sauberen Strom abzunehmen und die Motoren im Hafenbecken abzustellen. Die vom Steuerzahler mitfinanzierten Anlagen sind also bisher mehr Schein als Sein und lösen das massive Abgasproblem derzeit keineswegs.

"Bis September 2015 haben 23 unterschiedliche Kreuzfahrtschiffe Hamburg angelaufen. Gerade ein einziges Schiff hat den Landstrom abgenommen. So werden allein die großen Königinnen Elizabeth und Mary 2 auch in 2016  gleich acht Mal wieder ihren Ruß in die Stadt rausblasen. Das ist alles andere als ein Grund zum Jubeln.", so Malte Siegert vom NABU-Hamburg.

Nach Auffassung des NABU sollten Schiffe als Verursacher der Emissionen  grundsätzlich mit Katalysatoren oder Rußpartikelfiltern ausgerüstet werden, auf das Verfeuern von Schweröl ganz verzichteten oder mehr emissionsarme Kraftstoffe wie Flüssiggas (LNG) einsetzen. Doch obwohl in der Kreuzfahrtbranche üppige Gewinne erzielt werden, mangelt es dem überwiegenden Teil der Reedereien bisher noch an der nötigen ökologischen Verantwortung.

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