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Pressemitteilung BoxID: 608681 (Naturschutzbund Deutschland (NABU) Landesverband Hamburg e.V.)
  • Naturschutzbund Deutschland (NABU) Landesverband Hamburg e.V.
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  • 20535 Hamburg-Borgfelde
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  • Ansprechpartner
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Bürgermeister verstummt bei lärmenden Bikern

Gutes Regieren funktioniert anders

(lifePR) (Hamburg-Borgfelde, ) Vor knapp zwei Monaten machten Zehntausende Motorradfahrer bei den Hamburg Harley Days lautstark auf sich aufmerksam. Der NABU führte zum ersten Mal eine Lärmmessung bei der Motorradparade durch, die den Pegel bis zu 110 dB ausschlagen ließ. Gleichzeitig stellte der NABU eine extreme Feinstaubbelastung fest - die Harleys & Co schafften einen Wert von 220.000 Partikel/cm³.

Das Biker-Treffen verursacht jedes Jahr Lärm und Gestank in der Stadt und erhält dennoch eine offizielle Genehmigung. Wer jedoch für die Genehmigung und die Kontrolle der Lärm- und Luftbelastung zuständig ist, ist offensichtlich nicht einmal im Rathaus klar. So hat der NABU bereits Ende Juni einen Brief an Bürgermeister Olaf Scholz geschrieben, in dem er u.a. nach den Genehmigungen des Großevents und nach städtischen Messergebnissen zu Lärm- und Luftimmissionen fragt. Die Anfrage konnte vom Planungsstab für Stadtentwicklung innerhalb der Senatskanzlei nicht beantwortet werden und wurde an das Bezirksamt Hamburg-Mitte weitergeleitet. Auch hier sah man sich nicht zuständig. Obwohl der Vertrag zwischen der Stadt Hamburg und dem Eventveranstalter uba gmbh darauf verweist, dass Genehmigungen nach der Lärmschutzverordnung beim Bezirk Hamburg-Mitte zu beantragen sind, gab es keine konkreten Auskünfte zur Anfrage, sondern lediglich den Hinweis, der Brief sei nun an die zuständigen B!

ehörden (Behörde für Inneres und Sport sowie Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation) weitergeleitet worden.

"Wir sind gespannt, ob sich überhaupt jemand findet, der sich für die Genehmigung der Harley-Days verantwortlich fühlt. Momentan hat es den Anschein, dass die Lärm- und Feinstaubbelastung durch das Biker-Event niemanden wirklich zu interessieren scheint. Jedoch scheint es eine offizielle Erlaubnis zu geben, dass auch die nächsten Jahre weiter Zehntausend Biker durch die Stadt stinken und knattern dürfen, ohne dass jemand die Gesundheit der Menschen vor Lärm und Feinstaub sichert. Das konterkariert doch geradezu Bestrebungen nach mehr Lärmschutz und Luftreinheit.", so Alexander Porschke, 1. Vorsitzender NABU Hamburg.

Die gemessene Lautstärke bei der Harley-Parade in diesem Jahr erreichte die Lärmstufe 3. Das Messgerät des NABU ergab einen durchgehenden Pegel von 90 dB mit Spitzen von bis 110 dB. Zum Vergleich: Bei Lärm ab 85 dB am Arbeitsplatz muss ein Gehörschutz getragen werden, ein Presslufthammer in 10 Meter Entfernung hat einen Lärmpegel von 100 dB. Die Feinstaubwerte an der Strecke waren um mehr als das 5-fache im Vergleich zu Partikelmessungen an einer normalen Straßenkreuzung (30.000 - 40.000 Partikel/cm³) erhöht.

"Stadtbewohner sind bereits zahlreichen Lärmquellen in Hamburg ausgesetzt. Es ist deshalb inakzeptabel, dass man sich zusätzlich zehntausende dröhnende und stinkende Maschinen in die Stadt einlädt und die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger on Top belastet", stellt Porschke fest.

Lärm stellt eine der größten Umweltbelastung der heutigen Zeit dar und macht nach Studien unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nachweislich krank. Durchgehender, aber auch punktueller Lärm führt zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Schlafstörungen und sinken-der Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz.

Für Rückfragen und Interview-Anfragen: Sönke Diesener, Referent Umweltpolitik NABU Hamburg, Telefon: 030 / 284 984-1630