Donnerstag, 23. November 2017


  • Pressemitteilung BoxID 680257

Landschaftspflege mit Herdenschutz muss besser honoriert werden!

Bis sich die Politik rührt, sammelt der NABU Spenden / Vom Welpen zum Herdenschutzhund - NABU begleitet Heranwachsen der Beschützer und die Arbeit der Schäfer

Potsdam/Altlandsberg, (lifePR) - Drei Wochen sind die 6 Welpen inzwischen alt, aus denen in zwei Jahren voll ausgebildete Herdenschutzhunde werden sollen. Die Augen sind bereits seit einigen Tagen offen. Der Tagesablauf besteht bis jetzt allerding zumeist aus Schlafen, Trinken, Schlafen. Ab und zu tapst einer der kleinen Pyrenäenberghunde auf unsicheren Pfoten durchs Stroh. Stroh deshalb, weil sie im Schafstall geboren wurden und dort auch aufwachsen werden. Die Herde wird ihre Familie sein, die es zu schützen gilt. Denn Schutz brauchen die Schafe; vor allen Dingen vor den Wölfen, denn inzwischen ist mit ihnen überall in Brandenburg zu rechnen.

Knut Kucznik, Schäfer aus Altlandsberg, setzt zur Wolfsabwehr bereits seit 14 Jahren auf Herdenschutzhunde und zusätzlich auf stromführende Zäune. Er hatte noch keine Wolfsrisse zu beklagen. Doch als Wolfsfreund würde er sich trotzdem nicht bezeichnen. Er will seine Schafe und Ziegen schützen, denn sie vertrauen ihm. Dass er dafür Mehrkosten hat und auch mehr Aufwand, z.B. beim Aufbau und der Instandhaltung der Elektrozäune hat, nimmt er zähneknirschend in Kauf.

Das ist ja nicht der einzige Verdruss, mit dem Schäfer in Brandenburg derzeit leben müssen. Der Wegfall der Mutterschafprämie 2009 und Kürzungen bei den Zahlungen für die Landschaftspflege im Rahmen des Vertragsnaturschutzes trafen die immer weniger werdenden Schäfer bereits hart.

Und nun noch die zusätzlichen Aufwendungen zur Abwehr der Wölfe. „Das Land unterstützt zwar die Anschaffung spezieller, geprüfter Herdenschutzhunde mit bis zu 4.000 Euro, doch die dauerhaften Kosten für Futter, Tierarzt und Betreuung - das sind etwa 2.000 Euro je Hund im Jahr - müssen die Schäfer tragen. Bei einem Hund je 100 Schafe sind das auf Dauer gerechnet erhebliche Kosten. Und auch die personalintensive mehrmalige Mahd unterhalb der Elektrozäune, damit dort auch wirklich mindestens 2.500 Volt anliegen, ist ein zusätzlicher Aufwand, der bisher in keiner Weise vergütet wird. Bislang wird nur die einmalige Anschaffung von Zäunen bezuschusst.

„Diese zusätzlichen Belastungen für die Weidetierhalter müssen aufgefangen werden. Dies könnte durch aufwandsbezogene Anreize wie zum Beispiel im Rahmen einer Mutterschafprämie oder bessere Vergütung der dringend notwendigen Landschaftspflege erfolgen“, so Christiane Schröder, NABU Landesgeschäftsführerin. In eine ähnliche Richtung gehen die Forderungen von Knut Kcznik „Der hohe Aufwand könnte durch eine zusätzliche Zahlung von 150 Euro pro Hektar oder einer Zahlung von 2.000 Euro pro geprüftem Hund geschehen “.

„Die Politik ist jetzt gefordert, die Zahlungen für die Landschaftspflege mit Schafen aufzustocken. Angesichts des dramatischen Insektensterbens und dem massiven Rückgang der Feldvögel, ist die ökologische und gesellschaftliche Leistung der Weidetierhalter beim Erhalt und der Pflege unserer struktur- und artenreichen Kulturlandschaften gar nicht hoch genug einzuschätzen und muss mindestens kostendeckend sein. “

Doch bis es soweit ist, will der NABU Brandenburg an der Seite der Schäfer stehen. Gemeinsam mit der AG Herdenschutzhunde sollen:


das Aufwachsen und die Ausbildung zum geprüften Herdenschutzhund öffentlich mit webcam und Blog begleitet werden
die nützliche und harte Arbeit der Schäfer bekannter gemacht werden
Spenden gesammelt werden, um die Dauerkosten für Herdenschutzhunde abzumildern
Weiterbildungen für Ehrenamtliche angeboten werden, die lernen, wie Herden vor Wolfsübergriffen geschützt werden können (z.B. fachgerechter Zaunbau)


Details zur gemeinsamen Kampagne des NABU Brandenburg und der AG Herdenschutzhunde, dessen Vorsitzender Knut Kucznik ist, sowie zum Livestream erfahren Sie unter: brandenburg.nabu/herdenschutz 

Hintergrund:


Die AG Herdenschutzhunde gibt es seit 2012 - https://www.ag-herdenschutzhunde.de/
Sie wurde gegründet, um klare Regeln und eine einwandfreie Dokumentation für die Zucht zu entwickeln
Zurzeit gibt es in Brandenburg 75 Haupterwerbsschäfereien sowie 72.000 Schafe (vor 10 Jahren waren es noch ca. 160.000 Schafe)
Zurzeit gibt es in Brandenburg 7 anerkannte Zuchten für Herdenschutzhunde - die Züchter sind alle Schäfer

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

365 Tage tierisch tolle Erlebnisse

, Energie & Umwelt, Wildpark-MV/ Natur- u. Umweltpark Güstrow gGmbH

Es ist wieder soweit: Der Güstrower Wildpark-MV startet ab 1. Dezember 2017 seine beliebte Jahreskarten-Aktion. So können die Besucher den Wildpark...

Holzbau für Profis: Dachterrassen mit barrierefreiem Zugang fachgerecht errichten

, Energie & Umwelt, INTHERMO GmbH

Einen stufenlosen Zugang zu einer Dachterrasse herzustellen, will gelernt sein; der sprichwörtliche Teufel steckt hierbei tatsächlich im Detail....

4.000 neue Bäume für die Region

, Energie & Umwelt, Taunus Sparkasse

Kunden und Berater der Taunus Sparkasse in Gummistiefeln und mit Spaten -unter dem Motto „Wir schaffen Grünes“ pflanzen sie Bäume. Seit 2011...

Disclaimer