Sonntag, 22. April 2018


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Sensation! Potsdamer wohnt jetzt in Beiersdorf

Wildvogelstations-Mitarbeiter treffen erstmals ehemaligen Mauersegler-Pflegling als Brutvogel wieder

Berlin/Beiersdorf, (lifePR) - Wenn man eine Wildvogelstation mit dem über allem stehenden Ziel führt, die in Not geratenen Tiere später erfolgreich wieder frei zu lassen, so bleibt die Zukunft des jeweiligen Vogels dennoch ungewiss, zumal Vögel keine Ansichtskarten schreiben. Ausgewählte Vogelarten der NABU Wildvogelstation erhalten deswegen einen Vogelring der Vogelwarte Radolfzell, um sie bei einem Wiederfund identifizieren zu können. Sie dienen allgemein der Forschung und als Bestätigung für die richtige Arbeitsweise in Wildvogelstationen, sind bei kleinere Vögeln allerdings selten, manchmal gar sensationell.

Mauersegler - unkooperativer Forschungspartner

Diese Luftakrobaten sind sowohl in der Partnerwahl als auch bei der Nistplatzwahl sehr treu. Doch über das Ansiedlungsverhalten ist bisher nur wenig bekannt. Einige wenige Nachkommen versuchen später im Leben, in der Nähe des elterlichen Nestes zu brüten. Ihre Lebensweise macht es dem Menschen allerdings nicht sehr leicht sie wieder zu finden: Sie brüten gerne sehr hoch an Gebäuden und gerne auch an Ecken an denen man nicht so ohne weiteres herankommt. Außerdem ist die Sterblichkeitsrate im ersten Lebensjahr allein durch den Flug von und nach Südafrika, wo die Tiere den Winter verbringen, höher als bei mehrjährigen Mauerseglern.

Extreme Wetterlagen

2010 wird für viele Berliner als Mauersegler-Jahr in Erinnerung bleiben: Aufgrund der heißen Temperaturen im Juni und Juli flüchteten die noch nicht flugfähigen Jungtiere aus den Nisthöhlen und stürzten zu Boden. Allein in der Wildvogelstation waren in der Saison 160 Jungtiere, die Station war hoffnungslos überfüllt, es wurde im Akkord gefüttert. Trotz der Hektik vergaß man jedoch nicht, die Funddaten aller Tiere aufzunehmen und allen "Findelkindern" Ringe zu verpassen.

Eben noch in Potsdam...

So wurde auch der junge Mauersegler gekennzeichnet, der am 17. Juli 2010 von Passanten in Potsdam gefunden und in die Kleintierklinik der Freien Universität Berlin gebracht wurde. Nachdem die Mediziner dort seine körperliche Unversehrtheit bestätigt hatten, wurde das Tier in die NABU Wildvogelstation geholt. Statt ihn von der Hand aufzuziehen, brachte der Leiter der Station, André Hallau, den Vogel direkt nach Beiersdorf in Brandenburg. Dort hatte er ehrenamtlich mit anderen Naturschützern am Turm der Dorfkirche bereits vor 20 Jahren Mauersegler-Nistkästen angebracht, die sich größter Beliebtheit bei Mensch und Tier erfreuen - allein 2012 brüten dort 34 Paare!

Der Herr der Ringe

Hallau kontrolliert die Nistkästen jedes Jahr mehrfach und beringt die Jungvögel. Insgesamt 400 wild aufgewachsene Tiere hat er bislang gekennzeichnet. Dazu kommen noch mal 600 Pfleglinge aus der NABU Wildvogelstation. 300 Pfleglinge, darunter auch der Potsdamer Kandidat, wurden nicht mit der Hand aufgezogen, sondern in bestehende Familien integriert, was auch bei Vögeln Adoption heißt. Das geht nur unter bestimmten Bedingungen und es muss sichergestellt sein, dass die Eltern ein zusätzliches hungriges Maul füttern können. Wenn die leiblichen Kinder nicht zu zahlreich und ansonsten wohl genährt und ungefähr in der gleichen Entwicklungsphase wie das Findelkind sind, klappt eine Adoption bei den sehr geselligen Mauerseglern gut und sie ist natürlicher als eine Handaufzucht! So fand der Potsdamer Mauersegler-Nestling eine neue Familie.

Und wenn sie nicht gestorben sind,...

Normalerweise endet die Geschichte hier. Dass sie es in diesem Fall nicht tut, ist die eigentliche Sensation. Denn am 26. Juli 2012 fand Hallau den Mauersegler wieder. Und zwar in Beiersdorf in einem Nistkasten an der Kirche. Das ist das erste Mal, dass ein Mauersegler, der in seiner Entwicklung nachweislich Kontakt zum Menschen hatte, als erwachsenes Tier unversehrt wieder gefunden wurde! Schon zweimal hat der kleine Bruchpilot von 2010 die Reise nach Südafrika und zurück geschafft und wie in der Natur üblich, jetzt in seinem zweiten Lebensjahr erfolgreich einen Partner gefunden und eine Familie gegründet.

Selbst ein wilder Mauersegler, der als Jungtier beringt wurde, ist in Deutschland bislang nur selten wiedergefunden worden und hier handelt es sich um einen ehemaligen Pflegling! Und das bestätigt die Wichtigkeit der NABU Wildvogelstation für den Erhalt von Wildvögeln, es bestätigt den Erfolg der Arbeitsweise allgemein und auch des Adoptionsverfahrens!

Diese Adoptionen von Mauerseglern würden nicht so gut funktionieren, wenn nicht Herr Huwe, der ehrenamtliche Ortsbürgermeister von Beiersdorf und seine Familie quasi jeden Tag in der Saison den Schlüssel für den Kirchturm bereit hält, damit die Mitarbeiter der NABU-Wildvogelstation neue Pfleglinge in die Familien integrieren oder den Zustand der ehemaligen Findelkinder und ihrer neuen Adoptivgeschwister kontrollieren können!

Wer keine Kirche mit vielen Mauerseglern hat, aber dennoch den faszinierenden Flugspezialisten helfen möchte, kann es hier tun https://berlin.nabu.de/spendenundhelfen/patenschaften/formular/14692.html und eine Patenschaft für Mauersegler übernehmen.

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