Mittwoch, 13. Dezember 2017


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NABU: Erste Reeder setzen auf Abgastechnik - Neue "AIDAmar" nicht zeitgemäß

Ein Jahr Kampagne für sauberere Kreuzfahrtschiffe

Berlin, (lifePR) - Die NABU-Kampagne "Mir stinkts! Kreuzfahrtschiffe sauber machen" macht seit einem Jahr auf die enormen Umweltauswirkungen der Kreuzfahrtindustrie aufmerksam. Die Imagewerte der Kreuzfahrtreedereien sind nach Meinungsumfragen deutlich gefallen, vor allem weil zunehmend bekannt wird, welche gigantischen Luftschadstoffmengen die Ozeanriesen inmitten der Hafenstädte und auf hoher See in die Luft pusten. "Die Abgase der Kreuzfahrtriesen sind enorm schädlich - sowohl für die Umwelt wie auch für die Gesundheit der Menschen an Bord und an Land. Allein in der Europäischen Union sterben jährlich 50.000 Menschen vorzeitig an allen Schiffsabgasen, vor allem an Partikeln. Das sind jedes Jahr 33mal mehr Tote als bei der Titanic vor 100 Jahren am 15.4.1912 ums Leben kamen und die Kreuzfahrtschiffe haben ihren Anteil daran", so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Der NABU appellierte an Kreuzfahrtreedereien sofort auf eine umweltfreundlichere Technik zu setzen, denn die selbst ernannten "Traumschiffe" sind meist an dicht bewohnten Küsten unterwegs, ankern inmitten von Städten und an Bord sind tausende Passagiere und Besatzungsmitglieder statt Güter.

"Die meisten Kreuzfahrtreedereien sind noch meilenweit vom nachhaltigen Wirtschaften entfernt. Aus diesem Grund wurden AIDA und TUI Cruises mit dem NABU-Negativpreis 'Dinosaurier des Jahres 2011' ausgezeichnet", so Miller weiter. Es sei aber zu beobachten, dass ein Jahr nach dem Start der Kampagne Bewegung in den Markt komme. So soll mit der "MS Europa 2" von Hapag-Lloyd ab Mai 2013 das weltweit erste Kreuzfahrtschiff mit einem Stickoxidkatalysator auf den Meeren unterwegs sein. Auch TUI Cruises will sich nicht länger nachsagen lassen, ein Umweltdinosaurier zu sein: Nach NABU-Informationen wird auch das neue TUI-Schiff mindestens den Standard der MS Europa 2 erfüllen.

Für NABU-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger ist das eine neue Dimension im Schiffbau: "Mit dem erstmaligen Einsatz eines Stickoxidkatalysators in einem Kreuzfahrtschiff deutet sich eine Umweltrevolution auf See an. Dies ist ein wesentlicher Schritt, durch den Stickoxide fast vollständig aus dem Abgas verschwinden. Sie sind für Smog und Ozonbildung sowie für die Versauerung von Böden und Meeren verantwortlich." Ähnlich wie bereits bei Pkw, Lkw, Lokomotiven, Baumaschinen und Binnenschiffen sei damit ein erstes Ziel der Kampagne erreicht: Zu zeigen, dass Abgastechnik für Hochseeschiffe nicht nur verfügbar und wirkungsvoll, sondern vor allem auch einsetzbar ist.

Um weitere Luftschadstoffmengen, vor allem Schwefeldioxid und Rußpartikel, deutlich zu reduzieren, bedarf es neben dem Verzicht auf giftiges Schweröl auch moderner Abgastechnik, wie sie an Land längst vorgeschrieben ist. "Rußpartikelfilter sind im Hinblick auf Gesundheit und Klimaschutz die wichtigere Abgastechnik und inzwischen technisch ausgereift. Sie sollten bei allen neuen Kreuzfahrtschiffen zum Einsatz kommen", forderte Oeliger. Das heute nach Hamburg überführte Kreuzfahrtschiff "AIDAmar" sei diesbezüglich umwelttechnisch bereits vor seiner Taufe am 12. Mai veraltet und nicht mehr zeitgemäß, zumal es nicht mal über einen Stickoxid-Katalysator verfüge.

Wie stark Umweltdichtung und schmutzige Wahrheit auseinanderklaffen, zeigen die Ergebnisse des NABU-Fotowettbewerbs "Rauchende Schlote im Bild": eine entlarvende Gegenüberstellung von Werbebildern der Kreuzfahrtreedereien und realen Fotos. "Kataloge, Internetseiten und Plakate fast aller Kreuzfahrtreeder zeigen eine geschönte Traumwelt, die mit der Realität nichts zu tun hat. Die meisten Fotos von AIDA und Co. wurden nach Einschätzung von Grafikern nachträglich am Computer bearbeitet. Dies grenzt an Kundentäuschung, denn der Passagier soll offensichtlich nicht an die umwelt- und gesundheitsschädlichen Abgase erinnert werden", vermutet Oeliger.

Der NABU hat mit seiner Kampagne erstmals darauf aufmerksam gemacht, wie dreckig und gefährlich die Abgase von Kreuzfahrtschiffen sind. Der eigens erstellte Vergleich, wonach ein Kreuzfahrtschiff im Durchschnitt so viele Schadstoffe ausstößt, wie fünf Millionen Pkw, führt dies drastisch vor Augen. Die Geschäftsführung von AIDA, die die Zahlen in Abrede stellt, hat daraufhin eine Videobotschaft veröffentlicht, bei der jedoch vollkommen falsche Parameter betrachtet werden: "Der NABU-Vergleich und die gesamte Kampagne bezog sich immer schon auf die klassischen Luftschadstoffe Schwefeldioxid, Stickoxide und Rußpartikel, nie jedoch auf das Klimagas Kohlendioxid. Kennt bei AIDA wirklich niemand den elementaren Unterschied? Hier soll offensichtlich die Umweltbilanz der AIDA-Flotte bewusst schöngefärbt werden", kritisiert Axel Friedrich, internationaler Verkehrsexperte und ehemaliger Abteilungsleiter im Umweltbundesamt.

Vor diesem Hintergrund hat Axel Friedrich die Zahlen überprüft und gesondert nach einzelnen Schadstoffen aufgeschlüsselt. Die Bilanz fällt verheerend aus: "Weil bei modernen Pkw in Sachen saubere Kraftstoffe und Abgastechnik große Fortschritte erzielt wurden, Schiffe jedoch weiterhin mit Schweröl und in der Regel ohne Katalysatoren und Rußfilter unterwegs sind, sprechen die Zahlen für sich. Ein einzelnes Kreuzfahrtschiff stößt demnach so viele Schwefeldioxide aus wie 37 Millionen Pkw, so viele Partikel wie eine Million Pkw und so viele Stickoxide wie 420.000 Pkw", rechnet Friedrich vor. Diese Rechnung sei noch konservativ und komme den Schiffen entgegen, denn es sei noch nicht einmal der neueste Pkw-Abgasstandard als Berechnungsgrundlage herangezogen worden, sehr wohl aber die saubersten Schiffe. Der NABU-Vergleich, der einen Durchschnittswert über die verschiedenen Luftschadstoffe, verschiedene Schiffsgrößen und Kraftstoffe hinweg darstellt, sei daher eher noch untertrieben.

Der Emissionsvergleich zeigt deutlich, dass es sich bei dem Problem der Schiffsabgase um kein Nischenthema handelt, sondern dringender Handlungsbedarf besteht. Der NABU wird daher seine Kampagne fortsetzen und die Branche auch in diesem Jahr auf Fortschritte beim Umwelt- und Klimaschutz überprüfen.

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