Montag, 25. September 2017


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NABU alarmiert ber wachsendes Unwissen zu Wildtieren

Igelwinter im Juli/August, Frösche im Kühlschrank, Marienkäfer im Bett, eingefangene Schwalben im Hühnerstall

Oldenburg, (lifePR) - Dass ihn ber das Jahr so manch kurioser Anruf erreicht, ist der NABU gewohnt. Niedersachsens grter Naturschutzverband verzeichnet allerdings einen zwar kurios anmutenden, aber doch besorgniserregenden Trend: Das Unwissen zu Wildtieren wchst enorm in Teilen der Bevlkerung. Die Folge ist eine fast schon unglaubliche Vermenschlichung, die aus guten Motiven heraus an den Tag gelegt wird, aber die Tiere oft das Leben kosten kann, berichtet NABU-Sprecher Rdiger Wohlers, der selbst als Bezirksgeschftsfhrer in der Oldenburger NABU-Geschftsstelle viele Anfragen und Anrufe entgegennimmt.

Er kann Schlimmes berichten nur ein Ausri aus dem gesamten Spektrum der vielen tausend Anfragen, die uns ebenso wie unsere Naturschutzzentren und anderen Auenstellen jhrlich erreichen: Whrend noch vor Jahren die ersten besorgten Anfragen wegen untergewichtiger Igel im Dezember kamen, ist es jetzt mitunter schon Anfang August der Fall - in diesem Jahr sogar schon am 14. Juli, dem vergangenen Freitag - neuer Rekord! Allen Ernstes berichten dann Anrufer, sie machten sich um freilaufende Igel wegen des anstehenden Winters Sorgen purer Unsinn. Eine Anruferin hatte sogar schon mehrere Igel eingesammelt, und wir konnten sie nur mhsam dazu bewegen, diese schnellstmglich wieder auszusetzen, so Wohlers. Igel sind Wildtiere, und nur in uersten Notsituationen bei Verletzung oder Krankheit drfen sie ausnahmsweise und vorbergehend aufgenommen werden, und sollten auf jeden Fall einem Tierarzt vorgefhrt werden. Wer gesunde Igel einsammelt, riskiert ihren sicheren Tod und verstt sowohl gegen Naturschutz- als auch Tierschutzrecht. Selbst im Dezember knnen noch Igel unterwegs sein, wenn sie aus einem spten Wurf stammen ihnen kann man durch artgerechte Zuftterung helfen. Nur extrem untergewichtige Tiere drfen berwintert werden. Besonders kurios ein anderer Igel-Fall: Ein Mann berichtete, er habe die richtige Jahreszeit verpasst, und deshalb habe er den Igel ein ganzes Jahr in seiner Veranda gehalten! Wir reden dann oft mit Engelszungen, aber es ist schwierig, manche Menschen zu erreichen sie haben Wildtiere aus ihrem Garten oder nheren Umgebung vllig vermenschlicht und sehen gar nicht ein, dass sie ihnen schaden.

Nicht weniger abstrus war der Fall, der einen weiteren NABU-Mitarbeiter erreichte: Ein Brger hatte, in dem guten Willen, etwas fr die Frsche in seinem Teich zu tun, diese herausgenommen und ins Eisfach des Khlschranks gelegt. Was wie ein Aprilscherz klang, war bittere Wahrheit. Er fragte uns im spten Frhjahr, ob nun noch Frste drohten, oder ob er sie aus der berwinterung nehmen knne.

Aber nicht nur Sugetiere hufig erreichen den NABU auch Anfragen zu Eichhrnchen, etwa, ob man sie fr den Winter einfangen knne und Amphibien stehen im Mittelpunkt vieler dieser tief blicken lassender Anfragen, sogar Insekten sind mitunter betroffen: Ich werde nie den Anruf einer lteren Dame vergessen, die uns an einem Herbsttag bat, vorbeizukommen und dreiig Marienkfer abzuholen, damit sie ein warmes Quartier finden. Sie selbst habe sie schon mehrere Tage am Fuende im Bett gehabt.

In einem anderen Fall hatte ein lterer Herr zu einer Art "Selbstjustiz" gegriffen - und, im Herbst - mit einem groen Kescher Mehl- und Rauchschwalben eingefangen und diese kurzerhand in seinen Hhnerstall gesperrt. Dem verdutzten NABU-Mitarbeiter am Telefon, den er anrief, um nach "Schwalbenfutter" zu fragen, erklrte er, warum er dieses (strafbare) Tun umgesetzt hatte: "Damit sie nicht im Sden gegessen werden!" Der NABU-Mitarbeiter erreichte, dass die Tiere sofort wieder freigelassen wurden.

hnlich fatal wirkt sich falsch verstandene Tierliebe in tiefer Unkenntnis der wirklichen Lebensweise von Wildtieren bei Vgeln aus. NABU-Bezirksgeschftsfhrer Wohlers plaudert aus dem Nhkstchen: Wenn im Frhjahr die Jungvogelsaison beginnt, werden allenthalben angeblich verlassene Jungvgel eingesammelt, in allerlei Behltnissen zu Auffangstationen gebracht, und oft hrt man dazu: Der rief ja stndig. Ich stand die ganze Zeit daneben. Tatschlich haben diese Tierfreunde, unwissend, dass halbflgge Jungvgel zu ihren Elterntieren Rufkontakt halten und weitergefttert werden, diese ihren Eltern entzogen oft ein Todesurteil.

Wohlers rief dazu auf, weniger Vermenschlichung und mehr Naturwissen auf die Tagesordnung zu nehmen. Das beste, was man fr Wildtiere im eigenen Umfeld tun kann, ist die Gestaltung eines naturnahen Gartens. Der NABU gibt dazu gern Tipps und hlt Materialien bereit. Falls wirklich einmal ein Wildtiere krank oder verletzt gefunden wird, sollten Tierarzt und anerkannte Auffangstationen benachrichtigt werden.

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