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Pressemitteilung BoxID: 420292 (Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer)
  • Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer
  • Virchowstr. 1
  • 26382 Wilhelmshaven
  • http://www.nationalpark-wattenmeer.de
  • Ansprechpartner
  • Juliane Reich
  • +49 (4421) 911-264

Mittelplate: Baggereinsatz für den Naturschutz

Zum Ausgleich für die Auswirkungen der Offshore-Kabelverlegung werden Salzwiesen der Leybucht renaturiert

(lifePR) (Wilhelmshaven, ) Wer ab Anfang Juli auf die ausgedehnten Salzwiesen der Mittelplate blickt, wird sich über Bagger und andere Baufahrzeuge in der Ruhezone des Nationalparks wundern. Was zunächst so aussieht, als würde es dem Nationalpark schaden, ist jedoch eine Renaturierungsmaßnahme der Flächen dort. Diese steht im Zusammenhang mit dem Bau der Offshore Netzanbindungen "BorWin2", "DolWin1" und "Riffgat" durch die Firma Tennet. Als Kompensation für diese Vorhaben werden die Salzwiesen der Mittelplate naturschutzfachlich aufgewertet. Die Baumaßnahmen hierfür starten am 1. Juli.

Im Nationalpark sollen sich Watten, Dünen und Salzwiesen unbeeinflusst vom Menschen möglichst natürlich und dynamisch entwickeln. Diese Chance hatte das Vorland im Bereich der Mittelplate bislang nicht. Hier fanden bereits nach dem Bau des Störtebeckerdeiches ab Ende der 1940er Jahre intensive Entwässerungs- und Landgewinnungsmaßnahmen statt mit dem Ziel, diese Flächen landwirtschaftlich nutzen zu können.

Nach Einrichtung des Nationalparks (1986) wurde, als erster Schritt der Renaturierung, die Beweidung bis Mitte der 1990er Jahre eingestellt. Allerdings durchziehen nach wie vor viele Entwässerungsrinnen (Gräben und Grüppen) rasterartig die Flächen. Die Vorlandflächen sollen nun weiter renaturiert werden, so dass sich die natürliche Dynamik des Wattenmeeres wieder frei entfalten kann. "Ziel der Maßnahme ist es, dass Ebbe und Flut hier wieder voll wirken können, ohne künstliche Entwässerungsmaßnahmen", erläutert Bernd Oltmanns, der bei der Nationalparkverwaltung den Arten- und Biotopschutz koordiniert. "Dazu werden zahlreiche Gräben und Grüppen durch Verfüllung beseitigt oder eingeebnet. Gleichzeitig sorgt die Wiederherstellung von Prielen für den Zustrom von Salzwasser in das Gebiet. So sollen die hier vorkommenden Salzwiesen wieder vielfältige Strukturen bekommen." Auf insgesamt rund 140 Hektar Fläche profitieren davon vor allem die hoch spezialisierten Pflanzenarten der Salzwiese wie die Strandaster. Gleichzeitig kommt die Renaturierung der Flächen aber auch den Brut- und Gastvögeln der Leybucht, wie dem Rotschenkel und der Nonnengans, zugute.

Um einen verbesserten Zustand zu erreichen, müssen nun zunächst die Bagger rollen. Die Arbeiten müssen aus Küstenschutzgründen bis Ende August abgeschlossen werden und deshalb bereits im Juli beginnen, wodurch sie sich mit dem Ende der Brut- und Setzzeit überlagern. "Auch wenn nur ein sehr kleiner Teil der Salzwiese unmittelbar befahren bzw. umgestaltet wird, haben wir umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um die Brutvögel des Bereiches zu schonen", erklärt Sandra Krätschmer, Projektleiterin der Firma Tennet. So werden die Flächen nur nach und nach bearbeitet und alle Bereiche vorab begangen, um z. B. Jungvögel in andere Flächen zu leiten.

Da während der Bauarbeiten zeitweise auch die Deichlängswege außen- und binnendeichs mit Baufahrzeugen befahren werden, werden diese zeitweise für den Fußgänger- und Fahrradverkehr gesperrt. Eine Alternativroute von und nach Greetsiel ist ausgeschildert.