Seminar mit Schippe und Karre im Moor

Neubrandenburger Studenten helfen bei Renaturierung im Nationalpark

(lifePR) ( Hohenzieritz, )
Novembernebel am vergangenen Samstag. Morgens um 9 Uhr, 3 Grad Celsius, Stille im Müritz-Nationalpark. Auch im Moor zwischen Carpin und Goldenbaum regt sich nichts. Wenige Kilometer entfernt herrscht am Jugendwaldheim Steinmühle indes schon reger Verkehr. Kleintransporter und PKW rollen heran. 21 Studenten der Hochschule Neubrandenburg steigen heraus. Manche noch etwas verschlafen, andere schon putzmunter. Rasch werden die Schuhe mit Gummistiefeln vertauscht. Wetterfeste Kleidung haben die frisch gebackenen Erstsemestler des Studienganges Naturschutz und Landnutzungsplanung ohnehin schon an. Sie wissen schließlich: Heute findet hier für sie ein Seminar zum Thema "Renaturierung von Mooren" mit einen praktischem "Übungsteil" statt.

Tim Taeger, der Sachgebietsleiter für Nationalpark-Service, weist die Studenten in ihre Aufgabe ein: Sie sollen große Mengen von bereit gestelltem Kies als Wall an früheren Meliorationsgräben aufschütten und so verfestigen, dass das Wasser nicht mehr abfließen kann. Dazu werden auch wasserdurchlässige Geotex-Fliesbahnen verlegt, um bei einem Anstieg des Wasserspiegels ein Abschwemmen des Füllmaterials zu verhindern.

Das dauerhafte Verschließen der Abflüsse von den Waldsöllen in die zahlreichen Entwässerungsgräben soll der Renaturierung der Moore im Nationalpark dienen. Deren vielerorts schwer zugängliche Lage schließt aber oft den Einsatz von Maschinentechnik in den sensiblen Schutzgebieten aus, weshalb die Muskelkraft der freiwilligen Helfer sehr willkommen ist.

"Die ersten Gräben wurden vor etwa 300 Jahren ausgehoben, um aus den Mooren und Söllen auch in trockenen Zeiten ausreichend Wasser in die umliegenden Seen zu leiten, damit die sechs damaligen Wassermühlen in dieser Gegend angetrieben werden konnten", erklärt Alf Korzetz, der Moorexperte vom Nationalparkamt. Große Moorgebiete fielen dadurch mit der Zeit trocken, zahlreiche Sölle verlandeten dauerhaft. "Das hatte bis in die 1990er Jahre negative Folgen zum Beispiel für Laubfrösche und Rotbauchunken, deren Populationen mit dem Austrocknen ihrer Laichgebiete spürbar geringer wurden", ergänzt Tim Taeger.

Zum Erhalt dieser und weiterer geschützter Arten seien in den zurückliegenden Jahren rund 60 Kleinmoore allein im Revier Waldsee revitalisiert worden. Insgesamt gibt es im Müritz-Nationalpark rund 2.500 Hektar Moore. Das sind immerhin 8 Prozent der Gesamtfläche des Schutzgebietes, betont Tim Taeger.

"Intakte Moore sind nicht nur als Wasserspeicher und Lebensraum für seltene Arten wichtig. Sie dienen auch dem Klimaschutz, weil sie Kohlenstoff und andere Schadstoffe aus der Luft in ihrem torfigen Boden binden", weiß auch Wiebke Harms (20). Die Studentin, die aus einem kleinen hessischen Ort im Taunus kommt, schippt an diesem Tag genauso eifrig wie etwa ihr Kommilitone Martin Kittner. "Mich beeindruckt vor allem die besondere Tier- und Pflanzenwelt der Moore. Und wie aus einer Kulturlandschaft wieder eine Naturrefugium wird", sagt der 23-Jährige aus Neuenkirchen bei Anklam.

Im Mooreinsatzgebiet ist die Torfdecke etwa einen Meter dick. Wenn man bedenkt, dass intakte Torfflächen durch das Absterben von Pflanzen jährlich etwa nur um einen Millimeter an Mächtigkeit gewinnen, wird deutlich, welcher Schatz hier geschützt werden muss. Seit Jahren engagiert sich deshalb auch der Regionalverband der Umweltorganisation BUND für derartige Projekte zur Renaturierung und arbeitetet dabei eng mit der Hochschule Neubrandenburg zusammen. Am Samstag waren vom BUND die Mitarbeiterin für Umweltbildung Sylvie Krause und Axel Griesau mit vor Ort. Der ehrenamtliche "Moor-Aktivist" aus Neetzka riskierte dabei im wahrsten Sinne Kopf und Kragen, als er mit einer Moorsonde eine Bodenprobe aus dem tiefgründigen Gelände holte. Dann erläuterte er den Studenten die pflanzlichen Schichtungen.

Der Arbeitseinsatz am vergangenen Samstag fand übrigens im Rahmen des Projektes des Programms "Ehrensache Natur - Freiwillige in Parks" statt. Dessen Träger ist EUROPARC Deutschland e. V., der Dachverband für die Nationalen Naturlandschaften in der Bundesrepublik. Für die Umsetzung erhält der Müritz-Nationalpark von EUROPARC auch Fördermittel in Höhe von 10.000 Euro. Diese stammen aus dem mit 500.000 Dollar dotierten Midori-Biodiversitäts-Preis. Diesen hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel 2010 als Anerkennung für ihren Einsatz zum weltweiten Schutz des Klimas und der Artenvielfalt von der japanischen Umweltorganisation AEON erhalten. Das Preisgeld wurde nach einem Kabinettsbeschluss an das Freiwilligenprogramm für Natur- und Umweltschutzprojekte in Deutschland weitergereicht.
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