Mittwoch, 20. September 2017


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Follow Fluxus

Emily Wardill / Sea Oak / The Diamond (Descartes’ Daughter)

Wiesbaden, (lifePR) - 7. September 2008 bis 24. Mai 2009 Eröffnung Samstag, 6. September 2008, 16 bis 20 Uhr In ihrer ersten deutschen Einzelausstellung präsentiert der Nassauische Kunstverein ab dem 7. September die britische Film- und Performancekünstlerin Emily Wardill(*1977), die in diesem Jahr das vom Nassauischen Kunstverein und der Stadt Wiesbaden ausgeschriebene Stipendium Follow Fluxus - Fluxus und die Folgen erhielt.

Mit dem Stipendium Follow Fluxus - Fluxus und die Folgen fördern NKV und Stadt internationale, junge Künstler/Innen, die in ihrem Werk die Ideen der Kunstbewegung Fluxus aufgreifen und hierdurch die Kunstströmung lebendig halten, mit einem dreimonatigen Arbeitsaufenthalt und 10.000 € Preisgeld. Die Gründung des Stipendiums geht auf die "Fluxus Festspiele Neuester Musik" zurück, die 1962 in Wiesbaden stattfanden du durch die die neue Kunstrichtung Fluxus erstmals ein breites Echo bekam.

Seit dem ersten Juni 2008 wohnt und arbeitet Emily Wardill in den für das Stipendium neu eingerichteten Atelier- und Wohnräumen im dritten Stock des Kunstvereins, wo sie an einem neuen Film arbeitet, der zum Teil im Kunstverein selbst gedreht wurde.

In der das Stipendium abschließenden Ausstellung werden mit den 16mm-Filmen SEA OAK (2008, 51 min.) und THE DIAMOND (DESCARTES' DAUGHTER) (2008, 15min.) Emily Wardills beiden neuesten Filminstallationen zu sehen sein.

Ähnlich wie in der Filmarbeit Sick Serena and Dregs and Wreck and Wreck (2007), die die Jury des Stipendiums im Januar überzeugt hatte, beschäftigen sich auch die neuen Arbeiten auf diffizile Art mit Wahrnehmung in ihrer ganzen Komplexität, mit ihrer Beeinflussbarkeit, der Kraft der Suggestion, der inhärenten Tragik von Wunschdenken und damit, wie sich Wahrnehmung und Wirklichkeit miteinander verknüpfen.

In THE DIAMOND (DESCARTES' DAUGHTER) führt eine mechanisch klingende Off-Stimme mit schwedischem Akzent durch ein verwobenes Geflecht aus verschiedenen Mythen, die sich in einer von Stimme und Bildern aufgebauten Assoziationskette über- und ineinander legen:

Zu hören ist eine Erzählung der erfolglosen Suche nach einer bestimmten Filmszene, in der ein Diamant, durch ein Lasersystem geschützt, mit Hilfe eines Roboterarms gestohlen wird. Aus welchem Film diese Szene stammt, lässt nicht ermitteln und so wird der Beschluss gefasst, diese Szene selbst zu drehen. Anstatt allerdings das Lasernetz zu umgehen, konstruieren es die Akteure auf dem Filmset selbst und reflektieren einen einzelnen, grünen Laserstrahl um den Diamanten.

Erst gegen Ende des Films wird die Überlieferung der letzten Reise von René Descartes (1556 - 1650) aufgedeckt: Auf Geheiß der schwedischen Königin Christina schifft er sich nach Schweden ein. Bei Antritt der Reise gibt er an, von seiner Tochter Francine begleitet zu werden, die jedoch bereits 9 Jahre zuvor mit fünf Jahren an Scharlach gestorben war.

Während eines Sturms durchsucht die Mannschaft Descartes' Kajüte nach dem Mädchen und entdecken in einer Truhe eine mechanische Puppe - einen Androiden in Gestalt der fünfjährigen Francine. Descartes metallene Tochter wird als vermeintliches Artefakt schwarzer Magie über Bord geworfen. Descartes verliert sein geliebtes Kind, dessen Verlust er als das größte Unglück seines Lebens bezeichnete, ein zweites Mal.

Im Verlauf des Films springen Bilder und Stimme hin und her zwischen Überlegungen darüber, wie der gesuchte Film verlaufen würde und wie Francine-die-Androidin aussehen, wie sie sprechen und was sie tun könnte. Mehr und mehr verschmelzen Bilder vom Diamanten umgeben vom Laserstrahl mit Assoziationen und Geschichtsfragmenten von oder über Francine...

Der vollkommen bilderlose 16mm Film SEA OAK (2008, 51 Min.) entstand aus einer Serie von Interviews, die mit der linksorientierten Denkfabrik "The Rockridge Institute"

in Berkeley, Kalifornien durchgeführt wurde. Er stellt das Vertrauen der Demokraten auf Rationalität, aufklärerisches Denken und die Bezugsrahmen, innerhalb derer Fakten als scheinbar transparent darstellt werden, zur Diskussion. Emily Wardill greift damit grundsätzliche Fragestellungen nach der Beeinflussbarkeit subjektiver Wahrnehmung auf: Im Rampenlicht der Inszenierung ist einzig der Apparat, der wie ein Juwel angestrahlte Filmprojektor zu sehen.

Die im Verlauf des Films aneinander gereihten Diskussionsbeiträge geben die Forschungsarbeit und Schlüsselthemen des "Rockridge Institutes" wieder, dessen selbst definiertes Ziel die Demokratisierung des Wissens über und das Verstehen von Politik ist. Emily Wardill schneidet auf der Tonspur unterschiedliche Sequenzen der Stimmen der Institutsmitglieder im Originalton zusammen; die dazugehörigen Fragen fehlen.

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