NABU fordert umgehende TNT-Untersuchung von Speisefisch aus dem Fehmarnbelt

(lifePR) ( Neumünster, )
Als Folge der in der vergangenen Woche durchgeführten Munitionssprengungen der NATO und der Bundeswehr im Fehmarnbelt droht jetzt eine erhebliche Umweltbelastung durch die massive Freisetzung von TNT und weiteren Reaktionsprodukten einer unvollständigen Verbrennung. Der NABU fordert die für den Verbraucherschutz zuständige Justizministerin des Landes Schleswig-Holstein, Dr. Sabine Sütterlin-Waack auf, sämtlichen aus dem Fehmarnbelt angelandeten Fisch vor dem Verkauf auf sprengstofftypische Verbindungen zu untersuchen.

Vergangene Woche wurden auf Veranlassung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Lübeck (WSA) und der Bundeswehr insgesamt 42 englische Grundminen im Fehmarnbelt durch einen NATO Minenjagdverband gesprengt. Neben der direkten Gefährdung von Meerestieren wie den Schweinswalen durch die Schockwelle droht jetzt eine weitere massive Umweltbelastung durch die freigesetzten Sprengstoffe.

Untersuchungen im Rahmen der interdisziplinären, durch die Bundesregierung und die EU geförderten Forschungsvorhaben UDEMM und DAIMON zu Auswirkungen von Munition auf die Meeresumwelt wiesen kürzlich nach, dass Muscheln verschiedene TNT-Derivate aufnehmen und im Gewebe anreichern können. Fische, die in Munitionsversenkungsgebieten gefangen wurden, wiesen sprengstofftypische Verbindungen auf und hatten eine gegenüber unbelasteten Fischen erheblich höhere Zahl an Tumoren. Aus den Ergebnissen des Forschungsprojekts des Kieler universitären Instituts für Toxikologie ließ sich die Gefährlichkeit von Sprengungen für die Meeresumwelt ablesen. Auch ergibt sich daraus der Verdacht einer Gefährdung der Lebensmittelsicherheit. Die Wissenschaftler*innen fanden in Bereichen, in denen vorher gesprengt wurde, eine um ein Vielfaches höhere TNT-Belastung der Muscheln als in Bereichen, in denen zwar Sprengstoff offen lag, aber nicht gesprengt wurde.

Das Ministerium für Justiz, Europa, Verbraucherschutz und Gleichstellung übt die Fachaufsicht aus für in den Kreisen Ostholstein und Plön angesiedelte Lebensmittelkontrolle. Der NABU sieht das Ministerium daher  auch in der Pflicht, Verbraucher vor den gesundheitlichen Folgen von unbedachten Sprengaktionen zu schützen. „Die Justizministerin muss dafür sorgen, dass entsprechende Proben  von einem einschlägig qualifizierten toxikologischen Institut untersucht werden und nur Meeresfrüchte in den Verkauf gelangen, die nicht durch den Sprengstoff kontaminiert wurden“, fordert Ingo Ludwichowski, Landesgeschäftsführer des NABU Schleswig-Holstein. Auch die entsprechenden dänischen Behörden müssen durch die Ministerin gewarnt werden, denn der Sprengstoff wird durch Strömungen weiter verteilt. Dies gilt es mit dem beim Institut für Ostseeforschung im Projekt UDEMM entwickelten Driftmodell zu analysieren, damit der Bereich, aus dem Fische und Muscheln untersucht werden müssen, bestimmt werden kann.

Die 42 in der vergangenen Woche gesprengten Minen enthielten insgesamt rd. 21 Tonnen TNT. Hinzuzurechnen sind vermutlich noch weitere 10 Tonnen durch die Schlagladungen aus den ferngesteuerten Minenräumgeräten, mit denen Grundminen üblicherweise zur Explosion gebracht werden. Sprengladungen setzen sich unter Wasser durch den fehlenden Sauerstoff nicht vollständig zu - harmlosen - Substanzen wie Kohlendioxid und Stickstoff um. Gerade bei Sprengstoff, der jahrzehntelang unter Wasser gelegen hat, erfolgt oft nur eine unvollständige (‚low-order‘) Detonation oder ein schneller Abbrand (‚Deflagration‘). Beide Vorgänge kontaminieren die Umwelt erheblich mit krebserregenden und erbgutschädigenden Substanzen aus den Sprengstoffen. Selbst eine ‚high order‘ Sprengung erfolgt nicht schadstofffrei. Auch giftige Schwermetalle sind in der Munition enthalten. „Niemand weiß exakt, welcher Anteil des Sprengstoffs durch eine Sprengung im Meer verteilt wird. Nach vorsichtigen Schätzungen eines diesbezüglichen Anteils von nur 10 bis 20 % gehen wir davon aus, dass insgesamt mehr als 5 Tonnen TNT durch die Detonationen fein im Wasser des Fehmarnbelts verteilt worden sein können“, erläutert Ludwichowski.  Durch die schlagartige Freisetzung des hochgiftigen Sprengstoffs ist die Meeresumwelt unmittelbar gefährdet, anders etwa als bei Munitionsablagerungen, deren Inhalt sich nur langsam löst und daher vor allem eine langfristige Gefahr darstellt.

In den vergangenen Jahren gab es einen erheblichen Wissenszuwachs über Munition im Meer. Dabei wird immer deutlicher, dass nur die Bergung von Altmunition mit anschließender Verbrennung in geeigneten Hochtemperaturöfen eine naturverträgliche Alternative darstellt. Die Bundesregierung hat die Entwicklung von Robotern für die sichere, automatische Bergung und Beseitigung von Altmunition aus dem Meer im Rahmen des RoBEMM-Projektes gefördert. Diese zukunftsorientierten Lösungen sollten nun zum Einsatz kommen, statt an Methoden des letzten Jahrtausends festzuhalten.

Weitere Informationen und Hintergründe unter www.NABU-SH.de 
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