NABU-Mitmachaktion bestätigt Vogelmangel in Schleswig-Holstein

Zwischenbilanz zur "Stunde der Wintervögel"

(lifePR) ( Neumünster, )
Viele Anfragen besorgter Mitbürgerinnen und Mitbürger ließen es bereits erwarten: "An meinem Futterhaus sind kaum Meisen zu sehen". Doch Vorsicht ist zunächst angebracht, da Meldungen ohne Datengrundlage meist sehr vom subjektiven Eindruck geprägt sein können. Doch nun haben sich die bundesweiten Befürchtungen von VogelfreundInnen nach einer ersten Zwischenbilanz bestätigt.

Auch in Schleswig-Holstein sind nach den bislang vorliegenden Daten der NABU-Aktion "Stunde der Wintervögel" alle Meisenarten sowie Grünfinken und Gimpel die großen Verlierer in der Vogelwelt, wenn auch der ermittelte Bestandsrückgang mit rd. 20 % für Blau- und Kohlmeisen nicht so stark wie im übrigen Bundesgebiet ausfällt, wo weit über 30 % weniger Vögel dieser Arten gemeldet wurden. Möglicherweise wurden Verluste in Schleswig-Holstein - auf Grund einer schlechten, regnerischen Brutsaison 2016 mit vielen Brutaufgaben - durch den beobachteten und durch Ringfunde belegten Zuzug von Meisen aus Skandinavien bzw. Russland und dem Baltikum abgemildert. Bei typischen Wintergästen wie Wacholderdrosseln und Bergfinken ist dem entsprechend kein Rückgang, sondern eher eine Zunahme bei den Beobachtungen nachgewiesen. Nur für den Erlenzeisig, der im letzten Jahr invasionartig in das Land eingeflogen ist, ging die Zahl der Meldungen wie erwartetet auf ein „Normalmaß“ zurück.

Auch beim Grünfinken zeigen sich eine Besorgnis erregende Entwicklung: Hier ist seit der ersten Zählung im Jahr 2011 der Winterbestand dieser Art nach den vorliegenden Daten bundes- wie landesweit kontinuierlich zurückgegangen und hat sich mittlerweile halbiert! Schuld dürfte die seit 2008 in Deutschland und dem benachbarten Ausland grassierende Trichomoniasis sein, an der viele Grünfinken sterben. Haussperling, Amseln und Feldsperlinge (Platz 1 bis 3 in der Rangliste der Vogelarten) sowie der Buchfink (Platz 6) bleiben dagegen in der Häufigkeit weitgehend stabil. Nur die Ringeltaube (Platz 8) hat deutlich zugelegt.

Dass weitere Faktoren auf manche hier überwinternden Vogelarten eingewirkt haben ist wahrscheinlich: So setzen insbesondere die Intensivierung der landwirtschaftlichen Flächennutzung und der damit gesteigerte Pestizideinsatz durch negative Auswirkungen auf die Insektenwelt auch insgesamt den Vogelarten zu. Manche Wintergäste am Futterhaus wie der Stieglitz oder auch Meisenarten, die in feldnahen Lebensräumen brüten, könnten neben klassischen Wiesenbrütern wie Feldlerche und Kiebitz ebenfalls von dieser Entwicklung betroffen sein. Erst die weitere Auswertung der Daten in Kombination mit anderen Forschungsergebnissen muss Erkenntnisse über Wirkzusammenhänge bringen.

Insgesamt nahmen bislang in Schleswig-Holstein über 3.000 Vogelfreunde an der Aktion teil und zählten in 2.023 Gärten über 77.000 Vögel. Die Aktion ist mittlerweile beendet. Erhobene Beobachtungsdaten können jedoch noch bis zum 16. Januar 2016 eingegeben werden, so dass sich die Zahl der Meldungen, die schon jetzt im Vergleich zum Zeitraum des vorigen Jahres deutlich über dem Teilnehmer-Stand des letzten Jahres liegt, erfahrungsgemäß weiter erhöhen wird. Zudem werden noch die schriftlich eingegangenen Meldungen in die Auswertung einbezogen.
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