Sonntag, 18. Februar 2018


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NABU: Verstärkter Vogelfraß an Sträuchern und Obstbäumen macht Gärtner stutzig

NABU-Vogelschutzexperte Daniel Schmid-Rothmund: "Kein lokales Phänomen"

Stuttgart, (lifePR) - „Seit zehn Jahren ernte ich jedes Jahr meine Johannisbeeren, dieses Jahr sind die Sträucher von den Vögeln abgefressen, aber bis auf den allerletzten. Was ist da los?“ Mit dieser besorgten Frage wandte sich ein Göppinger Gärtner und Vogelfreund jetzt an das NABU-Vogelschutzzentrum Mössingen. Geplünderte Kirschbäume und abgefressene Beerensträucher –ein außergewöhnliches Ereignis in einem ungewöhnlichen Jahr.

„Das Phänomen ist nicht lokal begrenzt“, berichtet Dr. Daniel Schmidt-Rothmund, Leiter des NABU-Vogelschutzzentrums. Auch in Norddeutschland, etwa in Ostfriesland und dem Alten Land bei Hamburg, gab es zahlreiche Beschwerden über besonders starken Vogelfraß an Früchten. Aus Berlin berichteten ihm Naturschützer, dass auch ihre Johannisbeeren, Erdbeeren und Kirschen Amseln und Staren stark zum Opfer fielen.

Gerade bei Kirschen ging dieses Jahr wohl ein prozentual größerer Teil der Ernte an die Vögel, schlicht, weil es in diesem Jahr aufgrund des Frühjahresfrosts kaum Kirschen gibt. „Da müssen die Vögel gar nicht mehr fressen, und es kommt trotzdem schnell zu Beschwerden“, sagt der Vogelexperte. Auch an der Zahl der Vögel kann es nicht liegen. „Die Stunde der Gartenvögel des NABU hat gezeigt, dass es weniger Amseln als im Vorjahr gibt, beim Star liegt die Zahl leicht über dem bisherigen Durchschnitt.“

Der Klimawandel bringt viele Veränderungen in der Natur mit sich. „Ein sehr warmes, zeitiges Frühjahr ließ die Entwicklung vor allem an Obstgehölzen explodieren, die Natur war nach Meinung von Wetterexperten sogar vier Wochen früher dran als zur selben Zeit vor 50 Jahren“, sagt Schmidt-Rothmund. Der Temperatursturz mit bis zu minus sieben Grad im April hat jedoch die Blüten kalt erwischt. Viele fielen ab, Obstbauern im Land beklagen Millionenschäden.

Vielleicht sind zusätzlich andere Nahrungsquellen wie Wildbeeren ausgefallen, weshalb sich die Vögel auffällig über Beeren und Früchte her machen. Zumindest bei der Amsel kann dies nicht der Fall sein. Sie lebt vor allem von Regenwürmern und jetzt im Juli ist das Nahrungsangebot besonders gut, wenn es feucht ist. Dann lassen sich die Würmer leicht aus dem weichen Boden ziehen. Und das ist ja in weiten Teilen Deutschlands derzeit der Fall. 

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