Montag, 25. September 2017


  • Pressemitteilung BoxID 664781

Ausstellung "Thomas Werner - VORNE" ist ab Freitag im Museum Wiesbaden zu sehen

Wiesbaden, (lifePR) - .
Thomas Werner
VORNE
28 Jul – 29 Okt 2017

Seit 2015 lädt das Museum Wiesbaden Künstler ein, Projekte und Arbeiten für die Ausstellungsräume auf der zweiten Ebene des Museums „maßzufertigen“. Die Räume sollen Einfluss auf das gegenwärtige Werk des eingeladenen Künstlers nehmen dürfen, die Arbeiten wiederum sollen im Hinblick auf die Räume entstehen.

In der Ausstellung im Museum Wiesbaden stellt Thomas Werner seinen großen Leinwänden Arbeiten in Tempera auf Wellkarton (sogenannte Maquetten) und Werke in Tempera auf Gips gegenüber. Die von Hand gegossenen Gipsplatten ergeben dabei ähnlich wie bei dem Wellkarton ein flaches Relief. Die beiden Bilduntergründe stehen im Moment im Zentrum seiner Arbeit. Sie können dabei als Modell oder Ausgangspunkt für die großen auf Jute gemalten Bilder dienen, oder sie bestehen als autonomes Bild. Diese kleinformatigen Arbeiten sind für ihn gleichberechtigter Teil der Ausstellung. Grundlage der Ausstellungsdramaturgie ist, sie nebeneinander zu zeigen und somit den Blick zu ermuntern, Nähe und Distanz zu den Bildern einzunehmen.

THOMAS WERNER
VORNE
Alexander Klar
Im Sommer 2015 besuchte ich Bärbel Grässlin in ihrer Galerie in Frankfurt, um mir dort Thomas Werners Neue Bilder (so der Ausstellungstitel) anzusehen. Es waren durchgehend hochformatige Arbeiten mit Leimtempera auf grobmaschigen Juteleinwänden. Verglichen mit den etwa 2,8 mal 4 Meter großen Formaten der Jahre 2004–2012 und deren Auseinandersetzung mit der Wirkung figurativer Motive waren diese Arbeiten zum einen konzentriert, streng und von einheitlichem Format, zum anderen aber von einer betörenden Farbigkeit, in der strahlende Blau- und Brauntöne dominierten. Im Vergleich mit der durchaus kraftstrotzenden Knalligkeit früherer Bilder wirkten die neuen Bilder fast introvertiert. Diese sichtliche Wandlung interessierte mich, weswegen das Gespräch mit Thomas Werner vor den Bildern recht schnell zu der Vereinbarung führte, dass wir seine ab nun entstehenden Bilder im Sommer 2017 im Museum Wiesbaden zeigen würden. Dass Thomas Werner von einer erfolgreich entwickelten Motivik in intensiver Farbigkeit Abstand nahm, um stillere, verschlossenere Bilder zu malen, macht natürlich neugierig. Seine eigene Erklärung lautete ganz lapidar: „Es war dann gut, ich war damit durch.“ Die Wiesbadener Ausstellung, für die wir uns nach ein paar Anläufen auf den Titel Vorne einigten, rückt diese neue Werkphase in den Fokus – und zwar anhand von Bildern, die Thomas Werner eigens für die beiden Räume der sogenannten Ebene Zwei, einen langen und einen annähernd quadratischen, entwickelt hat. Diese „Ebene Zwei“, für die auch schon Hanns Kunitzberger, Lutz Fritsch und zuletzt David Rabinowitch Ausstellungen eigener Arbeiten konzipiert haben, ist ein gutes Beispiel für unsere Idee vom „Museum als Muse“: von einem Ort, für den Werke entstehen, deren Entwicklung wir eng verfolgen, die durch die Zwänge des Ortes geprägt werden und von der Auseinandersetzung mit dem Ort inspiriert sind.

Das Museum Wiesbaden fühlt sich im Bereich der Gegenwartskunst in besonderer Weise der Malerei verpflichtet – und speziell jener Malerei, die sich intensiv mit dem eigenen Medium beschäftigt. Malerei, deren Thema das Malen selbst ist, eine Malerei, die als Seismograf künstlerischer Erschütterungen fungiert und die die Möglichkeiten dieser venerablen Disziplin bis an deren Grenzen, vielleicht sogar darüber hinaus führt.

Exemplarisch dafür sind so unterschiedliche Ausstellungen wie jene mit Albert Oehlen oder K. O. Götz im Jahr 2014 oder die Präsentation von Katharina Grosse 2015, aber auch einige Werke der hauseigenen Sammlung, darunter Gemälde von Jörg Immendorff, Georg Baselitz, Gerhard Richter und Gotthard Graubner.

Thomas Werner ist Maler, was nach Old School klingen mag, aber eben genau das auch ist, mit höchstem Anspruch an sich selbst: Thomas Werner malt – nicht weil Malen als Konzeptkunst „eine gute Idee ist “, sondern weil man dazu malen können muss. Oder präziser: weil er malen können will, also einer Haltung folgt, die das Malen an sich als ein Konzept mit genügend Spielraum für die notwendige Vielschichtigkeit des Ergebnisses (also des Bildes) behandelt. Malerei ist sowohl Können als auch das Vergessen von Können. Malerei ist für Thomas Werner die Angemessenheit der Form, der Mittel, des Materials und des Inhalts. Wenn sie gelingt, entsteht Schönheit. Die Kultivierung einer der heutigen Malerei angemessenen Haltung zum eigenen Werk geht bei ihm Hand in Hand mit der Fähigkeit, einprägsame Bilder zu erschaffen. „Vorne“ heißt für ihn ganz emphatisch: Oberfläche, Taktilität, eine Bewegung nach vorn (körperlich und geistig), wie sie etwa durch die extremen Größenunterschiede der Formate in der Ausstellung beim Besucher provoziert werden soll. Natürlich klingt hier auch mit an, dass es nach dem Ende der Avantgarden das „Vorne“ nicht mehr gibt, mithin auch keine Definition, wer vorne respektive avant-garde wäre. In diesem Sinne ist Malerei zutiefst widersprüchlich und geprägt von Ambivalenz: Sie ist Kenntnis von Malerei, von Material, von Kunstgeschichte, von Theorie, von aktueller Malerei und zeitgenössischer Kunst. Und dennoch funktioniert. Malerei heute auch nur dann, wenn man dies alles beim Malen wieder vergessen kann.

Für die Ausstellung in Wiesbaden hat Thomas Werner vier „Bildmodi“, genauer vier Sorten Gemälde mit unterschiedlichen Bildträgern hergestellt: Großformatige Werke auf Jute, kleinere, von ihm als „Maquetten“ bezeichnete Arbeiten auf handelsüblichem, ungrundiertem Wellkarton und weitere kleine Arbeiten auf gegossenen und ungrundierten Gipsplatten sowie auf Papierrohstoff. Die eher dichte Oberfläche des Wellkartons wird über die Malerei aufgeschlossen. Der Papierrohstoff saugt zunächst viel Wasser, quillt auf und hat am Ende eine sehr offene, poröse Oberfläche. Der Gips saugt ebenfalls die Farbe auf, bis er nach ein paar Schichten gesättigt ist, sodass die Oberfläche im Laufe der Arbeit immer glatter wird. Bei den Gipsarbeiten besteht die malerische Herausforderung darin, die mehr oder weniger zufällige Oberflächenbeschaffenheit, die beim Gießen entsteht, mittels der Malerei zu kommentieren, zu konterkarieren und am Ende zu „fassen“. Das Material für die großen Bilder ist Jute, grundiert mit Streichmakulatur und Kreidegrund, die verwendete Farbsorte (für alle Bildträger) ist Leimtempera, eine Emulsion aus Zellleim und Leinölfirnis, vermengt mit in Terpentin gelöstem Dammarharz und etwas Kunstharzbinder. Die hauptsächlich verwendeten Erdfarben-Pigmente sind: Siena natur und gebrannt, Umbra natur und gebrannt in vier verschiedenen Tönen, Französischer Ocker (Sofodor), Französischer Ocker gebrannt (Soforouge), Pompejanischrot, Eisenoxidgelb und -rot, Englischrot und für die ganz dunklen Partien Kasslerbraun. Die anderen Farben, die hauptsächlich zum Einsatz kommen sind: Kadmiumgelb, -orange, -rot, -grün, Kobaltblau, Ultramarinblau, Preußischblau (ein sehr dunkles, tiefes Blau), für Lasuren manchmal Manganblau und schließlich Krapplack als leuchtende rote Lasur.

Diese präzise Auflistung der Malmaterialien geschieht, um dem geneigten Betrachter auch die Arbeit am Bild vor Augen zu führen. Gemäß der Erkenntnis, dass Malerei sich in der permanenten Krise befindet und nur sie selbst sich immer wieder aus dieser Krise herausmalen kann, ermuntern Thomas Werners Bilder ihre Betrachter, Nähe wie auch Distanz zu ihnen einzunehmen und in Kenntnis des Malprozesses das Werk des Künstlers durch aufmerksame Betrachtung zu vollenden.

Thomas Werner
Kurz-Biografie

1957 geboren in Neu-Ulm
1979–84 Studium an der Kunstakademie in Karlsruhe bei Prof. Georg Baselitz

seit 1986 lebt in Frankfurt am Main
1996–97 Gastprofessur an der Hochschule für Gestaltung Offenbach

Preise und Stipendien

1988 Paul-Strecker-Preis
1994 Bernd-Rosenheim-Förderpreis
1999 Arbeitsstipendium der hessischen Kulturstiftung
2004 Arbeitsstipendium des Kunstfonds Bonn

Führungen und Veranstaltungen zur Ausstellung

Führungen
Di, 5 Sep, 18:00 Uhr
Sa, 9 Sep, 15:00 Uhr
Di, 17 Okt, 18:00 Uhr

KunstPause
Mi, 13 Sep, 12:15 Uhr

Kunst & Kuchen
Do, 10 Aug, 15:00 Uhr

Art after Work
Di, 15 Aug, 19:00 Uhr
"Nah und Fern", – Thomas Werner - VORNE

Museum Wiesbaden
Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden
Fon 0611 ⁄335 2250, Fax 0611 ⁄335 2192
www.museum-wiesbaden.de
museum@museum-wiesbaden.de

Öffnungszeiten
Mo geschlossen
Di, Do 10:00—20:00 Uhr
Mi, Fr—So 10:00—17:00 Uhr
An Feiertagen 10:00—17:00 Uhr geöffnet.

Eintritt
Sonderausstellung* 10,— Euro (7,— Euro)
* Eintritt in die Sonderausstellungen beinhaltet den Besuch der Sammlungen. Familienangebot: Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre in Begleitung ihrer Eltern freier Eintritt. Weitere Ermäßigungen und Tarife für Gruppen unter www.museum-wiesbaden.de ⁄preise

Verkehrsanbindung
PKW und Reisebusse: A 66, Abfahrt Wiesbaden-Erbenheim, Richtung Stadtmitte, Parkhaus Rheinstraße
Bahn: Zum Hbf Wiesbaden mit DB und S1, S8 und S9 aus Richtung Frankfurt und Mainz. Vom Hbf 10 min Fußweg zum Museum
Linienbusse: Rheinstraße und Wilhelmstraße

Service Schwellenfreier Zugang: Aufgrund von Baumaßnahmen verlegt. Bitte folgen Sie der Beschilderung am Haupteingang. Museumsshop: Fon 0611 ⁄ 335 2251

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