Nancy Spero-Schau ab 7. Juni 2019 im Museum Folkwang

(lifePR) ( Essen, )
Das Museum Folkwang präsentiert vom 7. Juni bis zum 25. August 2019 die erste große „Nancy Spero“-Retrospektive in Deutschland. Die US-amerikanische Künstlerin Spero (1926–2009) hat sich zeitlebens mit existenziellen Aspekten des Menschseins auseinandergesetzt. Krieg und Gewalt spielen in ihrem Werk ebenso eine Rolle wie Ungerechtigkeiten im Verhältnis der Geschlechter. Zehn Jahre nach Speros Tod widmet ihr das Museum Folkwang eine große Überblicksausstellung mit 75 Werken; darunter Arbeiten auf Papier, Gemälde sowie eine raumgreifende Installation. Die Ausstellung wird im Anschluss in drei skandinavischen Museen gezeigt.

Spero verstand sich als politische Künstlerin, die mit den Mitteln der Kunst zu aktuellen gesellschaftlichen Problemen und politischen Geschehnissen Stellung bezog. Ihr wichtigstes Ausdrucksmittel sind weibliche Figuren, wobei sie überlieferte Bildtypen aufgreift und neu kombiniert. Außergewöhnlich ist die äußere Form vieler Werke: Spero verwendet lange Papierbahnen, die sie bemalt, collagiert und mit eigens gefertigten Figurenstempeln bedruckt.

Zu ihren frühesten Werken gehören die „Paris Black Paintings“ – großformatige Gemälde von Liebespaaren vor dunklem Fond, die wie isoliert von der Welt erscheinen. Sie entstehen zwischen 1959 und 1964 in Paris und spiegeln das damalige Lebensgefühl der Künstlerin wider. Die Ausstellung zeigt zwei dieser großformatigen Malereien.

Speros Werk nimmt unter dem Einfluss des Vietnamkriegs eine radikale Wendung. Die Ausstellung widmet dieser Ausrichtung ein eigenes Kapitel. Ihre „War Series“ (1966–70), eine Gruppe von mehr als einhundert Werken, prangern in schonungsloser Weise Krieg und Gewalt an. Sie malt nicht mehr auf Leinwand, sondern verwendet Papier als Bildträger – eine Entscheidung, mit der sie sich bewusst von der männlich dominierten Malerei in den USA abgrenzt. Als Aktivistin äußert sie in diesen Jahren nicht nur ihre Kritik gegen den Krieg, sondern beteiligt sich an vielfältigen Aktionen der Frauenbewegung. So ist sie 1972 Mitbegründerin der New Yorker A.I.R. Gallery. Es ist die erste Galerie die nur Künstlerinnen ausstellt.

Sie beschäftigt sich 1969 und 1973 intensiv mit dem französischen Dramatiker, Schauspieler und Theatertheoretiker Antonin Artaud (1896–1948), dem Erfinder des „Theaters der Grausamkeit“. Es entstehen mit den „Artaud Paintings“ und dem „Codex Artaud“ zwei Werkgruppen, in denen Spero Zitate des Autors aufgreift und mit geometrischen und figurativen Motiven verschmilzt.

In ihrem künstlerischen Schaffen wird die Frage nach der Stellung von Frauen immer wichtiger. Spero bildet ab 1972 nur noch Frauen in ihren Werken ab, wobei sie auf Bildvorlagen von Motiven der Antike bis hin zu zeitgenössischen Darstellungen zurückgreift. Eine der wichtigsten Arbeiten, mit denen Spero die Unterdrückung von Frauen thematisiert, ist das monumentale Werk „Torture of Woman“ von 1976. Spero fügt dafür vierzehn breite Papierbahnen zu einem horizontalen Fries zusammen, kombiniert Frauendarstellungen mit Textfragmenten von Folterungen in autoritären Regimen. In den 1970er Jahren kristallisieren sich Maschinenschrift, Handdruck und Collage als Speros favorisierte künstlerische Ausdrucksform heraus.

Mitte der 1980er Jahre kommt es dann erneut zu einer wichtigen Weiterentwicklung. Spero verzichtet fortan auf Texte und konzentriert sich auf die Wirkmacht ihres stetig wachsenden Repertoires an weiblichen Figurenstempeln aus Antike und Gegenwart, Kunst und Mythos, Mode und Werbung. Frauen erscheinen nun nicht mehr als Opfer – im Gegenteil: Vor starkfarbigen geometrischen Flächen zelebrieren diese Figuren einen beschwingten Reigen selbstbestimmter Weiblichkeit. Einblicke in diese längste Schaffensphase Speros gewährt die Ausstellung in der Sektion Göttinnen und Tänzerinnen anhand herausragender Arbeiten aus dem Zeitraum von 1985 bis 2002.

Mit „Maypole: Take No Prisoners“ präsentiert die Ausstellung die raumgreifende Installation, die Spero 2007 für die 52. Biennale in Venedig realisiert hat. Hier schließt sich ein Kreis, denn die Ausgangsidee dieser Installation – ein Maibaum, an dessen Bändern abgeschnittene Köpfe hängen – hat Nancy Spero bereits vierzig Jahre zuvor auf einer Zeichnung der „War Series“ entwickelt. Bei diesem Werk  wird deutlich, mit welcher Energie sich Nancy Spero als Künstlerin Zeit ihres Lebens gegen Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit gewandt hat. Sie selbst formulierte bereits 1985: „Ich betrachte meine Kunst als Akte der Rebellion.“

Die Ausstellung des Museum Folkwang wandert im Anschluss an das Nordiska Akvarellmuseet, Skärhamn, Schweden, das Louisiana Museum of Modern Art, Humlebaek, Denemark und an das Lillehammer Kunstmuseum, Norwegen.

Gefördert von der Terra Foundation for American Art
Es erscheint ein Katalog in der Edition Folkwang/Steidl, Preis: € 20, ISBN 978-3-95829-660-2

Eintrittspreise: Standard: € 8 / ermäßigt: € 5
Für die oben stehenden Pressemitteilungen, das angezeigte Event bzw. das Stellenangebot sowie für das angezeigte Bild- und Tonmaterial ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmeninfo bei Klick auf Bild/Meldungstitel oder Firmeninfo rechte Spalte) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber der Pressetexte sowie der angehängten Bild-, Ton- und Informationsmaterialien.
Die Nutzung von hier veröffentlichten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Bei Veröffentlichung senden Sie bitte ein Belegexemplar an service@lifepr.de.