Sonntag, 28. Mai 2017


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Anilinkrebs: Machen Farben auch heute noch krank?

(lifePR) (Freiburg, ) Ende des 19. Jahrhunderts fiel deutschen Ärzten auf, dass Arbeiter der Farbstoffindustrie (Anilinindustrie) oder solche, die mit Steinkohleteer zu tun hatten, mitunter an sehr bösartigen Geschwulsten der Harnblase erkranken. Sie bezeichneten diese Erkrankung als "Anilinkrebs".1 Inzwischen ist bekannt, dass die auslösenden Substanzen aromatische Amine und bestimmte Azofarbstoffe sind. Sie erhöhen bei-spielsweise bei Arbeitern in der Erdöl-verarbeitenden, Textil- und Chemischen Industrie das Risiko für ein Karzinom der Harnblase.

Aromatische Amine sind auch im Zigarettenrauch vorhanden. So verwundert es nicht, dass Rauchen die Hauptursache für ein Karzinom der Harnblase und für etwa jeden zweiten Fall verantwortlich ist.2 Bei etwa jedem zehnten der 28.750 Menschen3, die in Deutschland jedes Jahr an Blasenkrebs erkranken, ist auch heute noch die berufliche Exposition zu Krebs auslösenden Stoffen die Ursache.4 Dr. Gerson Lüdecke, Urologe an der Universitätsklinik Gießen, empfiehlt Rauchern und Personen mit beruflichem Risiko eine Früherkennung auf Blasenkrebs: "Ein Karzinom der Harnblase lässt sich mit Urin-basierten Testsystemen, wie dem einfachen Urintest auf den Tumormarker NMP22 und zellgebundenen Testverfahren feststellen. Je eher der Krebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen." Lüdecke stellt im Internet unter http://riskcheck-bladder-cancer.info einen Fragebogen zur Ermittlung des persönlichen Risikos zur Verfügung.

Leider ist noch nicht ausreichend geklärt, warum Menschen an Blasenkrebs erkranken, die weder rauchen noch bekannten beruflichen Risiken ausgesetzt sind. Die Erforschung bisher unbekannter Risikofaktoren könnte Leben retten, wenn diese Risiken vermeidbar sind oder die Betroffenen eine regelmäßige Früherkennungsuntersuchung erhalten. Wis-senschaftler vom Institut und Poliklinik für Arbeits- Sozial- und Umweltmedizin (IPASUM) in Erlangen führten eine Studie durch, um den Zusammenhang erhöhter Konzentrationen aromatischer Amine im Urin mit potenziellen Risikofaktoren zu klären. Sie untersuchten dazu den Urin von 1.004 Menschen und befragten diese außerdem über ihre Lebensge-wohnheiten. Denn aromatische Amine können auch über unsere Nahrung, bestimmte Arzneimittel, Pestizide, dunkel gefärbter Kleidung oder anilingefärbtem Leder in den Kör-per gelangen.

Die Forscher des IPASUM fanden geringe Mengen bestimmter Krebsauslöser wie o-Toluidin im Urin nahezu aller Studienteilnehmer. Überraschenderweise waren bis auf das Rauchen keine anderen Risikofaktoren mit erhöhten Konzentrationen von aromatischen Aminen assoziiert. "Wir konnten die von uns festgestellten aromatischen Amine im Urin von Nichtrauchern nicht mit bisher bekannten Risikofaktoren erklären. Es muss in unserer Umwelt noch andere Quellen für o-Toluidin geben", vermutet Privatdozent Dr. Thomas Göen vom IPASUM.

Lange Jahre galt das Färben oder Tönen der Haare als eine Ursache für Blasenkrebs, vor allem bei Friseuren, die sehr häufigen Kontakt mit den Färbemitteln haben. In der Studie des IPASUM fanden sich bei Menschen, die erst kürzlich ihre Haare gefärbt hatten, keine erhöhten Konzentrationen Krebs auslösender Substanzen im Urin. Nach Auskunft des Bundesinstituts für Risikobewertung dürfen die Haarfärbeprodukte inzwischen keine Krebs erzeugenden aromatische Amine enthalten. Haarefärben ist heutzutage somit harmlos für die Harnblase.5 "Ein Risiko haben jedoch Menschen, die sich in den ver-gangenen Jahrzehnten die Haare gefärbt haben, als die Färbemittel noch gefährlich wa-ren. Blasenkrebs kann Jahrzehnte nach dem Kontakt mit Risikosubstanzen entstehen", erklärt der Gießener Urologe Gerson Lüdecke.

Quellen:

1 Hien W: Zur Geschichte des "Anilinkrebses". Vortrag beim Symposium zur Geschichte und Gegenwart der Berufskrankheiten und des Berufskrankheitenrechts am 9. Februar 2001 an der Universität Mainz. Im Internet: www.wolfgang-hien.de/download/Vortrag%20Anilinkrebs1.pdf (3.11.09)
2 Kütting et al: Monoarylamines in the general population - A cross-sectional population-based study including 1004 Bavarian subjects. Int J Hyg Environ Health 2009;212:298-309 3 Krebs in Deutschland 2003-2004. Häufigkeiten und Trends. 6. überarbeitete Auflage. Robert Koch-Institut (Hrsg) und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e. V. (Hrsg). Berlin, 2008.
4 Lüdecke G: Blasenkrebs - eine Herausforderung auch in der Gynäkologie. Frauenarzt 2009;50(2)150-156 5 Presseinformation des Bundesinstituts für Risikobewertung vom 28.10.2009. Im Internet: http://www.bfr.bund.de/cd/31855 (3.11.09)

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