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Pressemitteilung BoxID: 678737 (Masterrind GmbH)
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Tolle Tiere - volle Taschen

Planet Kuh - Das Wissensforum

(lifePR) (Verden, ) Am 17. und 18. Oktober 2017 fanden in Wardenburg und Verden die beiden Vortragsveranstaltungen des Planet Kuh erneut als Doppelveranstaltung statt. Zwar zog das nun endlich gute Herbstwetter die Landwirte vielfach auf ihre Maisäcker um zu retten, was zu retten war, dennoch entwickelten sich bei beiden Veranstaltungen rege und gute Diskussionen mit den Besuchern und Rednern. Aufsichtsrat Vorsitzender Jörg Stubbemann resümierte: „Es waren sehr interessante Vorträge, die alle Betriebsleiter betreffen. Die Diskussionen waren lebhaft, man möchte fast schon von einem Workshop sprechen.“ Souverän und selbst sehr interessiert moderierten Dr. Bianca Lind und Dr. Jens Baltissen vom Bundesverband Rind und Schwein aus Bonn durch die Vorträge und sorgten auch für einige Denkanstöße beim Publikum, was die Diskussion weiter anregte. So salopp der Titel mit „Tolle Tiere – volle Taschen“ bewusst provokant gewählt war, so aussagekräftig waren die Vorträge der renommierten Referenten zu dem brandaktuellen Thema der Typisierung weiblicher Tiere.

Dr. Dierck Segelcke vom vit in Verden stellte zunächst das Projekt KuhVision vor, bei dem Deutschland weit eine Kuhlernstichprobe aufgebaut wird. Deren Daten sollen aufgearbeitet als genomisches Herdenmanagementtool dazu dienen, Betriebsziele zu verwirklichen und eine effektive Zukunft zu garantieren. Was in den USA mit 40.000 genomisch untersuchten Tieren pro Monat bereits Realität ist, ist nun auch in Deutschland mit deutlich gesengten Untersuchungskosten möglich. Und innerhalb des Projektes sind die Kosten nochmals geringer sowie die Abläufe (z.B. für die Nutzung der Ohrmarken oder Bereitstellung der Ergebnisse) mittlerweile eingespielt. Die Chancen sind eindeutig in der Effizienzsteigerung zu sehen, da durch frühzeitige Selektionsentscheidungen Aufzuchtkosten minimiert und der Zuchtfortschritt maximiert werden kann. Anpaarungen müssen auf der weiblichen Seite nun nicht mehr allein auf der phänotypischen Bewertung beruhen, sondern auch die nicht sichtbaren Merkmale oder genetische Besonderheiten können mit einbezogen werden. Dass die gezielte Züchtung eine Herde wesentlich in den erwünschten Merkmalen voran bringt, stand nie zur Debatte. Doch wie gut die Ergebnisse wirklich sind, ist doch phänomenal. So zeigen die Praxisdaten z.B. beim Merkmal Leistung im 305-Tage Wert (1. LA.) zwischen den 25% schlechtesten und 25% besten geprüften Tieren eine Differenz von 1.400 Litern. Gleiche Tendenzen sind auch u.a. beim gRZS erkennbar. Tiere mit einem guten/hohen Zuchtwert hatten deutlich geringere Zellgehalte und erkrankten auch signifikant seltener an Mastitis. Als wichtiger Faktor für die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes wird oftmals die Anzahl der Abgänge angesehen. Auch beschieden die Ergebnisse den Tieren mit einem hohen gRZN eine deutlich geringere Abgangsrate gegenüber den Tieren mit einem niedrigen gRZN. (Siehe Abb.1).

Dr. Bernd Heidemann von der Unternehmensberatung Koesling & Anderson aus Dahlenwarsleben konzentrierte sich komplett auf die wirtschaftliche Betrachtung. Zunächst müsse jeder Betrieb seine ökonomischen Reserven ermitteln. Bspw. werden viele Kühe zum Ende der Laktation schlichtweg mit Kraftfutter überversorgt, so dass es dort ein großes Einsparpotenzial gibt. Auch das Personal, die Rate der Zwangsabgänge und die Menge der gelieferten Milch, sei es über die die Kuhzahl oder über Leistung/Kuh gehören zu den vier wichtigsten Parametern. Heidemann empfiehlt die Umsetzung des DLG Fütterungsmodells und eine Senkung der Kraftfutterkosten, indem z.B. zu teure Komponenten weggelassen werden und Normwerte für Protein und Energie streng eingehalten werden.

Zudem sieht er Reserven bei den Kuhabgängen, die bares Geld bedeuten. Heidemann setzt das Ziel auf <25%, um das komplette genetische Potenzial einer Herde zu nutzen.

Als praktizierender Landwirt, der Teilnehmer des Projektes KuhVision ist und die Daten bereits im täglichen Ablauf nutzt, berichtete Marc Benninghoff aus Bevern. Er hat 1.100 Kühne und 700 Stück weiblicher Nachzucht. Anfangs war die Zucht noch hauptsächlich auf die Leistung und weniger auf Gesundheitsmerkmale wie Nutzungsdauer und Zellzahl auf seinem Betrieb ausgerichtet. Da nun durch die Ergebnisse der Typisierung die Schwächen in den Bereichen genau ermittelt werden konnten, wird zukünftig bei der Auswahl der Bullen neben dem RZG auch auf die Gesundheitsmerkmale geachtet. Zudem sollen die schlechter getesteten weiblichen Tiere nach der Aufzucht verkauft und nicht weiter in der eigenen Zucht eingesetzt werden. Auch sieht Benninghoff die großen Vorteile, die Embryotransfer birgt. „Zucht mag etwas „langweiliger“ geworden sein, da sich alles nur noch um Zahlen dreht. Doch für uns kommerziell wirtschaftenden Betriebe ist es ein enormes Hilfsmittel, da wir leicht selektieren können“, so sein Statement.

Dr. Josef Pott legte als Geschäftsführer der MASTERRIND das Potenzial der Kuhlernstichprobe aus Sicht der Zuchtorganisation dar. Die Werte aus KuhVision sind für die Betriebe als auch für die MAR sehr früh verfügbar und sind für männliche und weibliche Tiere qualitativ gleich gut. Lange Zeit gab es ja nur für die Besamungsbullen eine Sicherheit über den Zuchtwert, doch nun kann sich der Zuchtfortschritt noch potenzieren.

Das Ziel ist hier die vollständige Verfügbarkeit aller wirtschaftlich relevanten Merkmale. Die Teilnahme wird mittlerweile überaus reizvoll für die Betriebe gestaltet. So kostet die Untersuchung im besten Fall nur knapp 30€ pro Tier. Um die Daten sinnvoll zu nutzen, hat die MAR zu diesem Zwecke einen eigenen Zuchtwert, GEN€O, entwickelt, der den Ertragswert einer Kuh messbar macht. Für die Merkmale Milchleistung (Milch, fett, Eiweiß), Zellzahl, Nutzungsdauer, Töchterfruchtbarkeit sowie maternaler Kalbeverlauf wurde dieser ökonomische Wert ermittelt, da diese Merkmale in den Auswertungen der KuhVisions Daten als diejenigen mit der höchsten Bedeutung ermittelt werden konnten. Dadurch wird ein Betrag in € ermittelt, so dass der wirtschaftlichen Vor- oder Nachteil eines Tieres deutlich wird und bei der Remontierung berücksichtigt werden kann. Auch hier gilt, je besser die Zuchtergebnisse und je niedriger die Remontierung, umso größer ist die Auswahl aus den vorhandenen Tieren. Frei nach dem Motto „die Guten verkaufen, die Besten behalten“ kann der Landwirt bereits früh entscheiden, für welche Tiere er die Aufzuchtkosten in Kauf nimmt und welche er früh abgibt.