Samstag, 25. November 2017


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Leibniz-Einrichtungen in Hamburg, Jena, Braunschweig und Mainz evaluiert

Berlin, (lifePR) - Die Förderung von vier Leibniz-Instituten soll fortgeführt werden. Das hat der Senat der Leibniz-Gemeinschaft gestern nach Abschluss der regelmäßigen wissenschaftlichen Evaluierung beschlossen. Eine erneute Überprüfung der Fördervoraussetzungen soll bei drei Einrichtungen nach dem Regelturnus von sieben Jahren, bei einem Institut jedoch schon nach drei Jahren erfolgen.

Folgende Leibniz-Einrichtungen wurden evaluiert:


Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, Hamburg (BNITM)
Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann Institut e.V., Jena (FLI)
Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung, Braunschweig (GEI)
Leibniz-Institut für Europäische Geschichte, Mainz (IEG)


Zu den Stellungnahmen des Senats der Leibniz-Gemeinschaft im Einzelnen:


Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, Hamburg (BNITM)


Wie der Leibniz-Senat in seiner heute veröffentlichten Stellungnahme festhält, leistet das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) wichtige Beiträge zur Erforschung, Wissensvermittlung und Bekämpfung tropentypischer sowie neu auftretender Infektionskrankheiten. Ebenso nimmt es Aufgaben in der Gesundheitsvorsorge von nationaler und internationaler Bedeutung wahr. Die aktuellen Forschungsschwerpunkte des BNITM bilden Malaria, Fieberviren (Lassa, Ebola) und vernachlässigte Tropenkrankheiten wie zum Beispiel die von Sandmücken übertragene Leishmaniase.

Das Zusammenspiel aus Laborforschung, patientenorientierter klinischer Forschung und Feldforschung habe sich bewährt und führe, so der Senat, zu sehr guten Forschungsleistungen. Auch erziele das Institut weithin sichtbare und sehr gut nachgefragte Leistungen im Bereich der tropen- und reisemedizinischen Versorgung, der Beratung und Lehre, der Diagnostik sowie der Fort- und Weiterbildung. Das BNITM sei in der Ebola-Krise in Westafrika in den Jahren 2014/15 in beeindruckender Weise präsent gewesen.

Der Senat weist auf wichtige Entwicklungen seit der letzten Evaluierung hin: Dazu zähle die Inbetriebnahme international herausragender Infrastrukturen, darunter ein Hochsicherheitslabor der Stufe 4, wie es außer am BNITM nur an drei weiteren Forschungseinrichtungen in Deutschland betrieben wird. Das Institut sei bestens in die Forschungslandschaft im Hamburger Raum eingebettet. Derzeit befinde es sich in einer Phase größerer Veränderungen, die einen gut zu gestaltenden Generationenwechsel auf Leitungsebene einschließe. Die Nachwuchsförderung am Institut sei erfolgreich. Es bedürfe jedoch intensiver Bemühungen, um die Anteile von Wissenschaftlerinnen in Leitungspositionen zu steigern.

Bund und Ländern empfiehlt der Leibniz-Senat die Fortsetzung der gemeinsamen Förderung.


Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann Institut e.V., Jena (FLI)


Das Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann Institut e. V. (FLI) betreibt biomedizinische Grundlagenforschung mit dem Ziel, die molekularen Mechanismen des menschlichen Alterns sowie alternsbedingter Erkrankungen zu entschlüsseln.

Bei der letzten Evaluierung 2008 stellte der Senat der Leibniz-Gemeinschaft fest, dass unter Leitung des damaligen Direktors eine beeindruckende Aufbauleistung stattgefunden habe und hob dabei unter anderem die konzeptionelle Fokussierung des FLI auf die molekulare Alternsforschung hervor. In seiner heutigen Stellungnahme würdigt der Senat, dass am FLI seitdem vielfältige sehr gute, teilweise sogar exzellente Leistungen erbracht wurden. Der Senat stützt sich dabei auf die Bewertungen einer internationalen Sachverständigen-Gruppe, die das Institut im Oktober 2016 besuchte.

Allerdings stellte das Präsidium der Leibniz-Gemeinschaft am 13. Juni 2017 ein grob fahrlässiges wissenschaftliches Fehlverhalten des Institutsdirektors fest (siehe Pressemitteilung der Leibniz-Gemeinschaft vom 15. Juni 2017). Mit dem Nachweis des Fehlverhaltens sind wesentliche Grundlagen für die äußerst positive Einschätzung der vom Direktor geprägten Arbeitseinheit entfallen, wie der Senat im Einzelnen darlegt.

Der Senat würdigt, dass am FLI seit der letzten Evaluierung 2008 vielfältige positive Leistungen erbracht wurden. Er sieht das Institut derzeit jedoch in einer gravierenden und grundlegenden Krise. Das nachgewiesene Fehlverhalten erschüttere die wissenschaftliche Integrität des FLI-Direktors und führe zu einem grundlegenden Autoritätsverlust. Das Aufsichtsgremium müsse Wege finden, um die Führungskrise am FLI schnellstmöglich zu überwinden. Die Aufgabe einer neuen und unbelasteten Führung werde es sein, im Anschluss an unverzüglich erforderliche Maßnahmen zur Sicherung der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis die Strukturen des Instituts angemessen zu reformieren.

Damit hebt der Senat auch auf die im Bewertungsbericht zum FLI und in seiner Stellungnahme ausführlich erörterten Vorwürfe zu Fehlverhalten beim Umgang mit Tierversuchen ab. Sie führten im Jahr 2016 zur Rücknahme von zahlreichen Tierversuchsgenehmigungen sowie zu weiteren behördlichen und noch andauernden staats­anwaltschaftlichen Ermittlungen. Neue Maßnahmen und Regelungen am Institut führten dazu, dass inzwischen Tierversuchsvorhaben durch die zuständige Behörde wieder- bzw. neu genehmigt wurden. Auch der Senat sieht die neuen Strukturen als geeignet an, um Fehlentwicklungen in Tierzüchtung und -haltung zukünftig zu vermeiden. Nach Abschluss der laufenden Ermittlungen werde aber zu prüfen sein, ob weitere Änderungen erforderlich seien.  Die Beachtung und Umsetzung der neuen Regelungen sei eine zentrale und laufende Aufgabe für Leitung, Beirat und Aufsichtsgremium.

Der Senat empfiehlt Bund und Ländern die gemeinsame Förderung fortzuführen, die nächste Überprüfung aber bereits in drei Jahren (2020) vorzusehen.


Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung, Braunschweig (GEI)


Das Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung (GEI) betreibt schulbuchbezogene Forschung mit einem kulturwissenschaftlich-historischen Schwerpunkt. 2011 wurde das GEI nach einer positiven Beurteilung durch den Wissenschaftsrat in die gemeinsame Bund-Länder-Förderung im Rahmen der Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen. Nun wurde das Institut erstmals durch den Senat der Leibniz-Gemeinschaft evaluiert.

In der gestern beschlossenen Stellungnahme hält der Senat fest, dass sich das GEI in den vergangenen Jahren überzeugend entwickelt habe. Auf Grundlage sehr guter Forschungsergebnisse betreibe das Institut qualitativ hochwertige wissenschaftliche Infrastrukturen. Mit seiner Bibliothek verfüge das GEI über die weltweit umfangreichste Sammlung internationaler Schulbücher der Fächer Geschichte, Geographie, Sozialkunde, Politik, Werteerziehung und Religion. Darüber hinaus erbringe das Institut stark nachgefragte Transfer- und Beratungsleistungen für Bildungspolitik und -praxis. Hervorzuheben seien die traditionsreichen bi-nationalen Schulbuchkommissionen etwa mit Israel und Polen, die weit über Europa hinaus als Vorbild dienten.

Der Senat hebt die verstärkte Zusammenarbeit mit den Universitäten in Braunschweig und Göttingen positiv hervor. Neben der derzeit zur Leitung des Deutschen Historischen Instituts in Washington beurlaubten Direktorin seien mittlerweile vier weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des GEI gemeinsam mit Hochschulen berufen. Gelobt werden außerdem das ausgeglichene Geschlechterverhältnis sowie die guten Arbeitsbedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Es sei zu begrüßen, dass sich die derzeit sehr eingeschränkte räumliche Situation am Institutsstandort durch einen geplanten Neubau verbessern werde.

Der Leibniz-Senat empfiehlt Bund und Ländern, die gemeinsame Förderung fortzuführen.


Leibniz-Institut für Europäische Geschichte, Mainz (IEG)


Das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte erforscht die allgemeinen und religionshistorischen Grundlagen Europas von der Frühen Neuzeit bis in die Zeitgeschichte. Es betreibt eine breite kulturhistorische Forschung, in dem es die Geschichte Europas in interdisziplinärer, epochenübergreifender und grenzüberschreitender Perspektive in den Blick nimmt.

Der Senat stellt in seiner heute veröffentlichten Stellungnahme fest, dass das Institut seit der letzten Evaluierung durch den Wissenschaftsrat seine positive Entwicklung fortgesetzt habe und insgesamt sehr gute Leistungen erbringe. Diese Beurteilung bezieht der Senat auf die hohe Publikationsleistung und die Erarbeitung hervorragender Quelleneditionen sowie auf den Aufbau und die Bereitstellung digitaler Forschungsinfrastrukturen.

Auf der Grundlage der seit der letzten Evaluierung fortgesetzten methodischen und inhaltlichen Erneuerung entstünden innovative Forschungsarbeiten, mit denen das IEG seine internationale Sichtbarkeit stärke. Der Senat empfiehlt, diesen eingeschlagenen Weg wie vom Institut geplant konsequent fortzuführen. Zudem begrüßt der Senat den engagierten Ausbau digitaler Forschungsinfrastrukturen seit der letzten Evaluierung und befürwortet die Pläne des Instituts, seine Arbeiten mit Einrichtung eines „digital humanities lab“ weiter zu intensivieren.

Das IEG sei gut vernetzt. Neben einer engen Kooperation mit der Universität Mainz verfüge es über erfolgreiche internationale Beziehungen. Mit einem DFG-geförderten Graduiertenkolleg sowie über ein eigenes Stipendien- und Gastprogramme trage das Leibniz-Institut überzeugend zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses bei.

Der Senat empfiehlt Bund und Ländern, die gemeinsame Förderung des IEG fortzusetzen.

Die einzelnen Senatsstellungnahmen finden Sie im Wortlaut auch auf den Internetseiten der Leibniz-Gemeinschaft unter www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/evaluierung/das-evaluierungsverfahren-des-senats/senatsstellungnahmen/

Hintergrund:

Jede Leibniz-Einrichtung wird regelmäßig extern evaluiert, spätestens alle sieben Jahre. International ausgewiesene Sachverständige, die durch schriftliche Unterlagen und bei einem Evaluierungsbesuch informiert werden, bewerten die Leistungen und Strukturen jeder Einrichtung. Die Ergebnisse der Begutachtung werden in einem Bewertungsbericht festgehalten, zu dem das evaluierte Institut Stellung nehmen kann. Auf dieser Grundlage verabschiedet der Senat der Leibniz-Gemeinschaft eine wissenschaftspolitische Stellungnahme, die in der Regel Empfehlungen zur weiteren Förderung der Leibniz-Einrichtung enthält. Diese Senatsstellungnahme dient der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) zur Überprüfung der Fördervoraussetzungen. Zusammen mit den Anlagen A (Darstellung der wesentlichen Inhalte und Strukturen der Einrichtung), B (Bewertungsbericht) und C (Stellungnahme der Einrichtung zum Bewertungsbericht) werden die Senatsstellungnahmen auf der Internet-Seite der Leibniz-Gemeinschaft veröffentlicht. Alle an der Bewertung und Beurteilung beteiligten Gremien sind ausschließlich mit Personen besetzt, die nicht an Leibniz-Einrichtungen tätig sind.

Leibniz-Gemeinschaft e.V.

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 91 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen ‑ u. a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.700 Personen, darunter 9.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,8 Milliarden Euro.

www.leibniz-gemeinschaft.de



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