Freitag, 24. November 2017


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Kunsthaus Zürich zeigt «Vom Neoimpressionismus zum Fauvismus»

Zürich, (lifePR) - Anlässlich der Ausstellung «Georges Seurat» veranschaulicht das Kunsthaus Zürich in seiner Sammlung, wie die divisionistische Maltechnik die Moderne begründete. Bis zum 14. Februar 2010 ist eine Zusammenstellung mit rund 20 Gemälden von Paul Signac, Henry van de Velde, Henri Matisse, Cuno Amiet u.a. zu sehen.

Der von Georges Seurat begründete und von Paul Signac systematisierte Neoimpressionismus - auch Divisionismus genannt - gehört zu den einflussreichsten Stilrichtungen des späten 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts. Dank mehrerer neuer, vorzüglicher Dauerleihgaben und eigener Bestände kann das Kunsthaus Zürich mit einer repräsentativen Gruppe von Werken zeigen, wie die «Erforschung der Farbe im Licht» (Giovanni Segantini) den Bildern der Divisionisten enorme Leuchtkraft und Intensität verlieh und wie diese wissenschaftliche Technik die folgenden Künstlergenerationen vielfältig anregte.

THEORETISCH-ANALYTISCHE WEITERENTWICKLUNG

Auf die unmittelbare Wirkung der Werke Seurats folgte um die Jahrhundertwende mit Signacs Programmschrift «D'Eugène Delacroix au néoimpressionisme» eine zweite divisionistische Welle von freierer, weiter reichender Beeinflussung. Das Spontane und Zufällige des Impressionismus wurde überwunden, indem die Zerlegung der Farbflächen in Punkte reiner Spektralfarben systematisiert und nach Lokal- und Schattenfarben unterschieden wurde. Das Verfahren wurde auf die Komposition der Fläche in Linien und Rhythmen ausgedehnt, so dass die Bilderzeugung einen fast wissenschaftlichen Charakter annahm.

BASIS FÜR DIE AVANTGARDE

Dieses analytische Vorgehen ermöglichte den nach neuen Lösungen suchenden Künstlern, einzelne Elemente oder Teilsysteme aufzugreifen und weiter zu entwickeln. Nicht wenige der massgeblichen Maler der folgenden Generationen - von van Gogh bis Paul Klee - vertieften ihre Beherrschung der bildnerischen Mittel in einer Phase experimentierenden Umgangs mit dem Divisionismus, auch wenn sie sich später ganz anderen Lösungen zuwandten. Im Grunde lässt sich bis heute jede Ausformung konzeptueller Malerei auf diese Initialgeste zurückführen.

VAN DE VELDE

Die beiden wichtigsten divisionistischen Gemälde in der Sammlung des Kunsthauses sind ungewöhnliche Frühwerke von zwei Hauptmeistern der modernen Gestaltung, Henry van de Velde und Henri Matisse, und von fundamentaler Bedeutung für die Entwicklung ihrer Kunst. Das erstere entstand unter dem unmittelbaren Eindruck von Seurats «Un Dimanche à la Grande Jatte», das 1887 in Brüssel ausgestellt wurde und eine enorme Ausstrahlung in den Niederlanden hatte. Van de Velde wurde schockartig von seiner spontanen Stimmungsmalerei in der Art der École de Barbizon zu einer ebenso reflektierten wie stilisierten Kunst bekehrt. Der «Strand von Blankenberghe» (1888) ist das erste und extremste Gemälde dieser kurzen Phase. Es lässt in seiner kühnen Flächenkomposition das ausserordentliche Modernisierungspotential des Ansatzes Seurats erkennen. Weniger die farbtheoretische Grundlage als die durchgehend gleichwertige Malweise und die sich daraus ergebende dekorative Flächenwirkung sind das Entscheidende. Das Gegenständliche tritt hinter dem nahezu abstrakten Gefüge geometrischer Elemente zurück. Später lässt van de Velde die pointillistische Behandlung beiseite, ersetzt eckige Formen durch exzentrisch gespannte, organische Linien und begründete damit die Flächenkunst des Jugendstils.

MATISSE

Zehn Jahre später experimentierte Matisse in einigen Stilleben mit der gleichen Gruppierung von Gegenständen in unterschiedlichen Techniken. «Buffet et table» (1899) ist das grösste und komplexeste dieser Gemälde, die grundlegend für seine weiteren malerischen Recherchen blieben. Matisse übertrifft in der Intensität und Fülle die Farben Seurats und entspricht damit Signac, der die Farbpunkte als Mittel betrachtete, um ein Maximum an Licht, Farbe und Harmonie zu erreichen. 1904 weilte Matisse bei Signac in Saint-Tropez; anschliessend griff er die Auseinandersetzung mit dem Divisionismus wieder auf und malte die mediterrane Paradiesvorstellung «Luxe, calme et volupté», Ausgangspunkt für den Fauvismus.

INTERNATIONALE AUSSTRAHLUNG Matisse steht mit dieser Begründung von Fauvismus und Expressionismus im Zentrum der zweiten Welle der Nachwirkung des Neoimpressionismus: Europaweit verwenden die Maler nun Flecken reiner Farben - fern der alten optischen Theorie und individuell ganz unterschiedlich behandelt. Diese sind meist ziemlich gross, mosaikartig flach eingesetzt und oft mit anderen Pinselstrukturen kombiniert. Die Fauves, die deutschen Expressionisten, die italienischen Divisionisten und Futuristen, Mondrian, Kandinsky, selbst die Kubisten experimentierten mit diesem Verfahren, meist stark bunt und häufig auf weissem Grund. In der Schweiz ist Cuno Amiet der unternehmungslustigste und einer der erfindungsreichsten Anhänger; Augusto Giacometti gestaltete aus Farbflecken Kompositionen, die zu den ersten abstrakten Gemälden überhaupt gehören.

Die vielfältigen Wirkungen Seurats in den Errungenschaften seiner Nachfolger sind bis zum 14. Februar 2010 im zweiten Stock des Kunsthauses zu sehen und zu studieren.

ALLGEMEINE INFORMATIONEN

Kunsthaus Zürich, Heimplatz 1, CH-8001 Zürich, www.kunsthaus.ch Der Eintritt ist im Sammlungseintritt von CHF 14.- inbegriffen (in Kombination mit der Seurat-Ausstellung CHF 23.50).

Öffnungszeiten: Sa/So/Di 10-18 Uhr, Mi/Do/Fr 10-20 Uhr, montags geschlossen. Weihnachten: 24. und 26. Dezember 10-18 Uhr; am 25. Dezember geschlossen. Silvester/Neujahr: 31. Dezember und 1./2. Januar 10-18 Uhr. Vorverkauf/Anreise mit der Bahn. Schweiz: Kombi-Ticket RailAway/SBB mit Ermässigung auf Bahnfahrt und Eintritt am Bahnhof und beim Rail Service 0900 300 300 (CHF 1.19/Min.) erhältlich.

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