Kunsthaus Zürich zeigt «Die neue Fotografie. Umbruch und Aufbruch 1970-1990»

(lifePR) ( Zürich, )
Vom 15. November 2019 bis 9. Februar 2020 präsentiert das Kunsthaus Zürich Fotografie in spannenden Zeiten. 20 Schweizer und internationale Positionen zeugen davon, wie sich Fotografie vom Abbildungsinstrument zum selbst-reflexiven Medium der Kunst wandelte. Alte «Handwerkskunst» prallt auf neue künstlerische Ideen.

In den 1970er- und 1980er-Jahren haben sich die Fotografie und ihre Rezeption signifikant verändert. Die klassische Fotoreportage der vorangegangenen Jahrzehnte war an ein Ende gekommen. Künstlerinnen und Künstler inspirierten die Szene. Es setzte ein Pluralismus der Stile ein, der – von neu gegründeten Verlagen und Galerien verbreitet – bald von Kunstmuseen beachtet wurde. Die aus den Beständen der Fotosammlung des Kunsthaus Zürich und einigen Leihgaben konzipierte, von Joachim Sieber kuratierte Ausstellung stellt diese visuellen, konzeptionellen und auch strukturellen Neuerungen der Fotografie vor.

NEUE WEGE POSTMODERNER DIVERSITÄT
Ausgehend von den Einflüssen der Konzeptkunst, Minimal Art und Pop Art der 1960er-Jahre in den Werken von John Hilliard, David Hockney, Stephen Shore und Dan Graham sowie Urs Lüthi, Dieter Meier und Fischli/Weiss werden Arbeiten der frühen Schweizer Vertreterinnen und Vertreter der künstlerischen Fotografie (Balthasar Burkhard, Hans Danuser, Felix Stephan Huber, Beat Streuli, Hannah Villiger, Bernard Voïta, Cécile Wick) präsentiert. Feministische und gesell-schaftskritische Positionen (Alexis Hunter, Marilyn Minter), Bohème-Bilder Walter Pfeiffers, Körperstudien von Simone Kappeler und intime Interieurs von Annelies Štrba kontrastieren mit menschenleeren öffentlichen Innenräumen von Candida Höfer.

Die Themen reichen von «Von der konzeptuellen Fotografie zur Medienkunst» über «Fotografische Erkundungen des Selbst» zu «Un-/Orte der Gesellschaft». Sie reflektieren einen Trend, der alle Ebenen umfasst – von der Produktion über die Verbreitung bis zur Rezeption durch ein Publikum, welches aufgrund technischer Innovationen zusehends in die Lage versetzt wurde, selber zu fotografieren oder sich zeitnah und kostengünstig (Bewegt-)Bilder zu beschaffen.

WANDEL DES BETRIEBSSYSTEMS FOTOGRAFIE: NEUE ORTE, NEUE MEDIEN
Nach der Einstellung der tonangebenden Zeitschrift «Life» zu Beginn der 1970er-Jahre, verlor die Fotografie an nachrichtlichem Stellenwert und erkämpfte sich eine Position im Kunstbetrieb. Das Fotobuch und die Ausstellung als primäre Medien zur Präsentation fotografischer Arbeiten wurden wiederentdeckt. Fotogalerien wurden eröffnet und eine wachsende Zahl von Kunstmuseen nahm Fotografie in ihr Programm auf. Einige international bedeutende Fotobuchverlage wurden in der Schweiz gegründet, darunter der Lars Müller Verlag (Baden), die Edition Patrick Frey und der Verlag Der Alltag (beide Zürich), der ab 1984 die Kunstzeitschrift «Parkett» publizierte und später in den Fotobuchverlag Scalo überging. Mit ihren neuartigen Publikationsformen sorgten sie dafür, dass die zeitgenössische Schweizer Fotografie internationale Anerkennung fand.

FOTOGRAFIE IM KUNSTHAUS
Auch das Kunsthaus begann ab den 1970er-Jahren zeitgenössische Fotografie zu sammeln. Dabei spielte, neben den Erwerbungen durch das Kunsthaus selbst, die seit 1968 aktive Gruppe Junge Kunst des Fördervereins Vereinigung Zürcher Kunstfreunde eine zentrale Rolle. Sie beschloss, zwischen 1975 und 1980 ausschliesslich Werke junger englischer Künstlerinnen und Künstler anzukaufen. So kamen Werke von John Hilliard und Alexis Hunter in die Fotosammlung, welche heute nahezu 1300 Werke umfasst.

Da die 1971 gegründete Stiftung für die Photographie (heute Fotostiftung Schweiz) von 1976 bis 2003 im Kunsthaus beheimatet war und einen breiten Bereich des dokumentarischen Fotoschaffens abdeckte, orientierte sich die Sammlungs-kommission des Kunsthauses ab Mitte der 1970er-Jahre für Neuankäufe verstärkt an künstlerischer Fotografie, die teilweise in Verbindung mit anderen Bildmedien, insbesondere Malerei, Grafik, Zeichnung, Video und Neuen Medien stand.
Die Verschmelzung von Kunst und Fotografie findet ihre Hochblüte in den 1990er-Jahren. Der Fotografie gelingt es erfolgreich, sich die klassischen malerischen Genres wie das Stillleben oder die Historienmalerei zu eigen zu machen. Diesem Trend folgte die Sammlungspolitik des Kunsthauses, indem sie wandfüllende Werke von Thomas Struth und Jeff Wall oder Diaprojektionen von Beat Streuli erwarb. Die Ausstellung vergewissert sich der Ursprünge dieser Entwicklung.

PUBLIKATION
Eine begleitende Publikation erscheint im Verlag Scheidegger & Spiess und ist ab Ausstellungsbeginn im Kunsthaus-Shop erhältlich.
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