Dienstag, 26. September 2017


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Kriegsverlust kehrt zurück: Verschollene Zeichnung von Caspar David Friedrich wird nach mehr als 70 Jahren an die Kunsthalle Bremen zurückgegeben

Bremen, (lifePR) - Anfang Juli 2017 kehrte die Zeichnung „Tanne“ des wohl bedeutendsten deutschen Malers der

Romantik, Caspar David Friedrich (1774–1840), in die Kunsthalle Bremen zurück. Das Blatt mit der

Studie eines Nadelbaumes war 1943 im Zuge der zunehmenden Bombardierung Bremens gemeinsam

mit über 1.700 weiteren Zeichnungen und mehreren Tausend Druckgraphiken nach Schloss Karnzow in

der Mark Brandenburg ausgelagert worden. Wenige Tage nach Kriegsende wurde das Schloss

geplündert, wodurch ein Großteil der dort verwahrten Werke verloren ging.

Durch die Vermittlung der Kunsthandlung Art Cuéllar-Nathan ist es

gelungen, das nach dem zweiten Weltkrieg verschollene Blatt

„Tanne“ (1798) von Caspar David Friedrich gegen die Zahlung eines so

genannten Finderlohns aus Schweizer Privatbesitz zurückzukaufen. Die

Mittel dafür stammen aus der Schenkung Mathilde und Fritz Müller-

Arnecke.

Die Zeichnung wurde in Bleistift auf Büttenpapier ausgeführt. Mit kurzen

Strichelungen, mit parallelen Schraffuren und Zickzacklinien, mit einer

differenzierten Verteilung von hellen und dunklen Nuancen erfasste

Friedrich die spezifische Form des Baumes. Er datierte die Zeichnung auf

September 1798 und vermerkte zudem, der Baum sei „nach der

Natur“ gezeichnet. Damit stellt die Zeichnung eine der ersten

eigenständigen Naturstudien des Künstlers dar, der ab 1794 an der

Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen studiert hatte und sich

im Oktober nach einem Aufenthalt in Greifswald anschließend in Dresden

niederlassen sollte. Vermutlich entstanden diese wie auch andere

Baumstudien bereits in der Gegend um die sächsische Residenzstadt.

Ein Vermerk auf der Rückseite der Zeichnung belegt, dass sie sich im Besitz eines weiteren bedeutenden

romantischen Malers und lebenslangen Freundes des Künstlers, Johann Christian Clausen Dahl, befand. Über

ihr Schicksal in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist ebenso wenig bekannt wie über ihren Verbleib in

der unmittelbaren Nachkriegszeit.

In den Besitz des Kunstvereins in Bremen gelangte das Blatt im Jahr 1936 als Geschenk: Die Graphische

Gesellschaft hatte es von der Kunsthandlung Ackermann und Sauerwein in München erworben. Auf einen

eventuellen verfolgungsbedingten Entzug in der NS-Zeit gibt es bislang trotz intensiver Recherchen keine

Hinweise. Nachdem die Zeichnung 1945 verloren gegangen war, tauchte sie 1989 bei einer Auktion bei

Sotheby’s München wieder auf und befand sich anschließend in der Ian Woodner Family Collection. 1999

kam sie erneut bei Christie‘s in London zur Versteigerung – kurz bevor das Blatt in der Datenbank „The Art

Loss Register“ eingetragen wurde. Grundlage dafür war die 1991 und in einer zweiten Auflage 1997

erschienene Dokumentation der Bremer Kriegsverluste, in der das Blatt unter der Nummer 238 gelistet ist. Die

darin dokumentierten Vorkriegsmaße der Zeichnung fallen um ca. einen Zentimeter größer aus, was zu der

Annahme führte, dass seit 1945 ein Streifen Papier abgeschnitten worden sein könnte, genau jener untere Teil

des Blattes nämlich, auf dem sich der Bremer Sammlungsstempel und die Inventarnummer befanden.

Kunsthalle Bremen

Anfang Juli 2017 kehrte die Zeichnung "Tanne" des wohl bedeutendsten deutschen Malers der Romantik, Caspar David Friedrich (1774-1840), in die Kunsthalle Bremen zurück. Das Blatt mit der Studie eines Nadelbaumes war 1943 im Zuge der zunehmenden Bombardierung Bremens gemeinsam mit über 1.700 weiteren Zeichnungen und mehreren Tausend Druckgraphiken nach Schloss Karnzow in der Mark Brandenburg ausgelagert worden. Wenige Tage nach Kriegsende wurde das Schloss geplündert, wodurch ein Großteil der dort verwahrten Werke verloren ging.

Durch die Vermittlung der Kunsthandlung Art Cuéllar-Nathan ist es gelungen, das nach dem zweiten Weltkrieg verschollene Blatt "Tanne" (1798) von Caspar David Friedrich gegen die Zahlung eines so genannten Finderlohns aus Schweizer Privatbesitz zurückzukaufen. Die Mittel dafür stammen aus der Schenkung Mathilde und Fritz Müller- Arnecke.

Die Zeichnung wurde in Bleistift auf Büttenpapier ausgeführt. Mit kurzen Strichelungen, mit parallelen Schraffuren und Zickzacklinien, mit einer differenzierten Verteilung von hellen und dunklen Nuancen erfasste Friedrich die spezifische Form des Baumes. Er datierte die Zeichnung auf September 1798 und vermerkte zudem, der Baum sei "nach der Natur" gezeichnet. Damit stellt die Zeichnung eine der ersten eigenständigen Naturstudien des Künstlers dar, der ab 1794 an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen studiert hatte und sich im Oktober nach einem Aufenthalt in Greifswald anschließend in Dresden niederlassen sollte. Vermutlich entstanden diese wie auch andere Baumstudien bereits in der Gegend um die sächsische Residenzstadt.

Ein Vermerk auf der Rückseite der Zeichnung belegt, dass sie sich im Besitz eines weiteren bedeutenden romantischen Malers und lebenslangen Freundes des Künstlers, Johann Christian Clausen Dahl, befand. Über ihr Schicksal in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist ebenso wenig bekannt wie über ihren Verbleib in der unmittelbaren Nachkriegszeit.

In den Besitz des Kunstvereins in Bremen gelangte das Blatt im Jahr 1936 als Geschenk: Die Graphische Gesellschaft hatte es von der Kunsthandlung Ackermann und Sauerwein in München erworben. Auf einen eventuellen verfolgungsbedingten Entzug in der NS-Zeit gibt es bislang trotz intensiver Recherchen keine Hinweise. Nachdem die Zeichnung 1945 verloren gegangen war, tauchte sie 1989 bei einer Auktion bei Sotheby's München wieder auf und befand sich anschließend in der Ian Woodner Family Collection. 1999 kam sie erneut bei Christie's in London zur Versteigerung - kurz bevor das Blatt in der Datenbank "The Art Loss Register" eingetragen wurde. Grundlage dafür war die 1991 und in einer zweiten Auflage 1997 erschienene Dokumentation der Bremer Kriegsverluste, in der das Blatt unter der Nummer 238 gelistet ist. Die darin dokumentierten Vorkriegsmaße der Zeichnung fallen um ca. einen Zentimeter größer aus, was zu der Annahme führte, dass seit 1945 ein Streifen Papier abgeschnitten worden sein könnte, genau jener untere Teil des Blattes nämlich, auf dem sich der Bremer Sammlungsstempel und die Inventarnummer befanden.

Wir danken den Schweizer Besitzern der Zeichnung für ihre Kooperationsbereitschaft ebenso wie der Kunsthandlung Art Cuéllar-Nathan, Zürich, und der Schenkung Mathilde und Fritz Müller-Arnecke für ihre großzügige und geduldige Unterstützung.

Aktuelle Ausstellungen
„Der blinde Fleck. Bremen und die Kunst in der Kolonialzeit“, bis 19. November 2017
„Fernando Bryce. Unvergessenes Land“, bis 19. November 2017
„Auto Vision. Medienkunst von Nam June Paik bis Pipilotti Rist“, bis 3. September 2017
„Auguste Rodin. Meisterwerke zum 100. Todestag“, bis 3. September 2017

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