Sonntag, 19. November 2017


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Der letzte Kaiser

Berlin, (lifePR) - Den Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek München gelangeine sensationelle Neuerwerbung für ihre Kaisergalerie: Aus dem spanischen Kunsthandel kommt ein zu Lebzeiten entstandenesMarmorporträtKaiser Caligulas in die Sammlung. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Presse-/Fototermin:  11. Juli 2017, 11 Uhr, Glyptothek München, Königsplatz 3, 80333 München

Legendärsein schlechterRuf, derbis heute –durch Skandalgeschichten tief eingeprägt –imKlang seines Namensmitschwingt: Kaiser Caligula(12–41 n. Chr.). Der Urenkel von Kaiser Augustusübernahm im Jahr 37 n. Chr.den Lorbeerkranz nach demTod desKaisersTiberius. Doch Caligula, den die einflussreichen römischen Kreise als vermeintlich leicht steuerbare Marionette eingesetzt hatten, entpuppte sich alsbald als machthungrigerund verschwörungsängstlicherMeister auf derKlaviatur des Schreckens.Nach einer vergleichsweise friedlichen Anfangszeit mit Steuersenkungen, einer Abkehr von der Verfolgung politisch Andersdenkender und mit kostspieligen Spektakelnfürs Volk, wandeltesich Caligulas Regentschaftzum Cäsarenwahn: Die antiken Quellen beschreiben zahlreiche brutale Facettendes Tyrannen–grausame Hinrichtungenvon Gegnern und Unliebsamen, Folterungen, Verbannungen,dazu eine verschwenderische Bautätigkeit. Und auch im Privaten ginges ruppig zu: Als eine von demKaiserbegehrte römische Patrizieringerade ihr Hochzeitsfest mit einem Anderenfeierte,annullierteCaligulanoch während der Zeremoniedie gerade geschlossene Ehe, um die Zwangsgeschiedene umgehend selbst zu heiraten; einigeTagespäter folgteschon wieder die Scheidung. Nur vier Jahre währteCaligulasAmtszeit, dann ereilteden Kaiser die brutale Ermordung, angezettelt durch Senat und Prätorianergarde. Der zu Amtsantritt noch mit dem Ehrentitel „Vater des Vaterlandes"ausgezeichnete Regent wurdeumgehend mit der „Damnatio memoriae" belegt, einer Verdammung, die posthume Verehrung verbotund zur Vernichtung vielerBildnisse des Kaisers führte. Die zeitgenössischen Berichte von Caligulas Exzessen erscheinen heute eingefärbt von einer propagandistischen Antihaltung des römischen Senats gegenüber dem ermordeten Kaiser. In letzter Zeit versucht dieForschung, etwasLicht in das durch tendenziöse Schilderungen verdunkelteBild zu bringen.

Fernab seines römischen Herrschaftszentrums, im spanischen Cordoba,erhält sich trotz desverordneten Vergessens ein Marmorporträt, das qualitativ mit den besten Stücken aus den renommierten Werkstätten Roms mithalten kann: In den 1930er Jahrenholten Bautätigkeiten das kostbare, seltene Werk zurück ans Tageslicht. Effektvoll erzeugt derfein ausgearbeiteteEichenkranz der „Bürgerkrone" raffinierte Licht-Schatten-Effekte, der jugendliche Kaiser präsentiert sich mit schmalen Lippen,demcharakteristischen Grübchen am Kinn und leichten Segelohren. Der Bildhauerstil lässt die Entstehung des Bildnisses in einem der hochrangigen Ateliers in den römischen Machtzentren des Westens wie dem spanischen Merida vermuten.

Über Generationen hinwegblieb derKopf in spanischemPrivatbesitz, nun konnte das Porträt mit einer Exportlizenz des spanischen Staats ausreisen: Die Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek München erkannten die Chance, ihre weltbekannte Kaisergalerie zu ergänzenund vor allem die Reihe der Herrscher des julisch-claudischen Hausesmit einem Protagonisten zu komplettieren. Aus dem spanischen Kunsthandel gelang mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung und des Vereins der Freunde und Förderer der Glyptothek und der Antikensammlungen München e.V. die Erfüllung des langgehegten Wunsches, dem Publikum auch Gaius Caesar Augustus Germanicus, posthum genannt Caligula, leibhaftig präsentieren zu können.Ab dem 12. Juliist der Neuzugang in derSonderausstellung „Charakterköpfe. Griechen und Römer im Porträt"zu bewundern.

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