Sonntag, 19. November 2017


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Klaus Tschira Stiftung ermöglicht Umzug eines der weltweit ältesten Klimaarchive nach Mannheim

Heidelberg/Mannheim, (lifePR) - Eines der weltweit ältesten und renommiertesten Klimaarchive kommt nach Mannheim. Ermöglicht wird dies durch eine Förderung der Klaus Tschira Stiftung. Es findet sein neues Zuhause in den Mannheimer Quadraten in D6,3. Die etwa 50.000 Hölzer füllen etwa 3000 Kisten, von denen die ersten 300 mit einem Gewicht von mehr als fünf Tonnen bereits im Mai in Mannheim eingetroffen sind. Weitere 200 Kisten werden nun Anfang Dezember angeliefert.

Das bedeutende Holzarchiv entstand über Jahrzehnte hinweg an der Universität Hohenheim und ist daher als „Hohenheimer Jahrringsammlung“ bekannt. Die historischen, archäologischen und subfossilen Hölzer (Bohrkerne und Scheiben) sind einige Zentimeter stark und weisen Durchmesser von bis zu eineinhalb Metern auf. Sie stammen vorwiegend aus Deutschland, aber auch aus anderen Teilen Mitteleuropas. Teils sind sie tausende von Jahren alt. Das Besondere: Ihre Jahrringmuster lassen Rückschlüsse auf das Klima ihres Wuchszeitraumes zu.

Aktuell werden im Klaus-Tschira-Archäometriezentrum im Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie (CEZA) die bereits vorhandenen Messungen der Jahrringbreiten aufbereitet und in eine Datenbank eingespeist. Das Ziel: Hölzer und Klimadaten aus verschiedenen Epochen sollen langfristig gesichert und für künftige Forschungsprojekte zugänglich gemacht werden.

Das Dendrochronologische Labor des Klaus-Tschira-Archäometriezentrums sammelt jedoch nicht nur bereits erfasste Daten. „Wir präparieren fortwährend Hölzer, die bislang nicht vermessen worden sind, um die Jahresringe deutlich sichtbar zu machen. So können wir diese auf 1/110 Millimeter genau vermessen“, erklärt Dr. Thorsten Westphal, Leiter des Labors. „Dabei spiegelt die Jahrringstruktur des Holzes die wechselnden klimatischen Verhältnisse wider – und erlaubt die Datierung von Holz unbekannten Alters bis zur letzten Eiszeit zurück, also etwa 12.000 Jahre vor heute.“

Anhand des Jahrringmusters, also der Abfolge von schmalen und breiten Ringen des Holzes können Dendrochronologen das Alter archäologischer Funde, die Holzreste enthalten, bestimmen. Solche Materialanalysen sind nicht nur für Archäologische Landesämter interessant – etwa wenn es um die Altersbestimmung von Gemälden, Skulpturen oder Musikinstrumenten geht, um herauszufinden, ob es sich um Originale oder Fälschungen handelt. Zudem hat sich die Jahrringanalyse in der Bauforschung als äußerst präzise Datierungsmethode von Gebäuden und ihrer Geschichte (Ursprungs-, An- oder Umbauten, Reparaturen, Ausbesserungen etc.) etabliert.

Die Vermessung der Jahrringe ermöglicht nicht nur eine präzise Altersbestimmung von Hölzern, teils bis auf eine Jahreszeit genau, sondern auch die Verknüpfung von Klimadaten. Anhand sogenannter Jahrringchronologien, zu denen auch die mittels der „Hohenheimer Jahrringsammlung“ erarbeitete Süddeutsche Chronologie zählt, werden Zusammenhänge zwischen Klima und Wachstum der Bäume untersucht – für verschiedene Holzarten und Regionen. Auf diese Weise rekonstruieren die Wissenschaftler das Klima der letzten Jahrtausende.

Die Reiss-Engelhorn-Museen (rem) sind ein international agierender Museumskomplex, herausragender Ausstellungsstandort und bedeutendes Forschungszentrum. Sie werden durch Forschungseinrichtungen ergänzt. Dazu gehört auch die Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie gGmbH. Sie ist ein national und international agierendes Forschungsinstitut und zugleich Dienstleistungsanbieter im Bereich der Archäometrie. Im Jahr 2004 gegründet, besteht sie heute aus dem Labor für Materialanalysen und dem Klaus-Tschira-Archäometrie-Zentrum an der Universität Heidelberg.  Die Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie gGmbH ist kompetenter Ansprechpartner für naturwissenschaftliche Untersuchungen an Kulturgütern und Kooperationspartner in vielen Forschungsprojekten sowie Dienstleister für öffentliche Einrichtungen, Firmen und Privatpersonen. Das Angebot umfasst naturwissenschaftliche Untersuchungen in den Bereichen Echtheit, Materialidentifizierung, Herkunft, Technologie und Altersbestimmung. www.rem-mannheim.de und www.cez-archaeometrie.de

Klaus Tschira Stiftung gGmbH

Die Klaus Tschira Stiftung (KTS) fördert Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik und möchte zur Wertschätzung dieser Fächer beitragen. Sie wurde 1995 von dem Physiker und SAP-Mitgründer Klaus Tschira mit privaten Mitteln ins Leben gerufen. Das bundesweite Engagement beginnt im Kindergarten und setzt sich in Schulen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen fort. Die Stiftung setzt sich für neue Formen der Vermittlung naturwissenschaftlicher Inhalte ein. Weitere Informationen unter: www.klaus-tschira-stiftung.de

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