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Pressemitteilung BoxID: 201864 (Internationale Bodensee-Tourismus GmbH)
  • Internationale Bodensee-Tourismus GmbH
  • Hafenstr. 6
  • 78462 Konstanz
  • http://www.bodensee.eu
  • Ansprechpartner
  • Petra Reinmöller
  • +49 (7531) 93997-10

Verkehrte Welt am Bodensee

Buntes Treiben bei der Schwäbisch-alemannischen Fasnacht 2011

(lifePR) (Konstanz, ) „Ho Narro“, „Narri Narro“, „Juhu“, „Huhuhu“ – bald jeder Ort um den Bodensee heizt die Fasnachtsstimmung in den Straßen, Lokalen und Festsälen nach eigener Tradition an. Und so unverwechselbar wie der Ruf ist auch das Narrentreiben in den Städten und Orten rund um den See. Doch trotz des Lokalkolorits weist die schwäbisch-alemannische Fasnacht auch gemeinsame Elemente auf: die traditionelle Straßenfasnacht mit Maskenlaufen und großen Umzügen, die tanzfreudige Fasnacht der großen Bälle und die revueartigen „Narrenkonzerte“ in den Sälen der Städte.

Hemdglonkerumzug in Konstanz

Will man die unverwechselbare Stimmung der schwäbisch-alemannischen Fasnacht erleben, sollte man bei einer Straßenfasnacht dabei sein. Zum Beispiel am „Schmotzigen“ Donnerstag in Konstanz – mit Kostüm, also als „Mäschgerle“ – und sich in der Altstadt treiben lassen. Von Gasse zu Gasse, von Weinstube zu Weinstube. An diesem Tag steht die ganze Stadt Kopf. Schon in aller Frühe ziehen die ersten Narren mit Rasseln und lautem Getöse durch die Stadt zum traditionellen Wecken. Am Nachmittag füllen sich die Straßen der Altstadt. Alle wollen dabei sein, wenn abends die „Hemdglonker“ in weißem Nachthemd und mit Schlafmütze durch die Gassen ziehen. In Konstanz versammeln sich Kinder und Jugendliche aller Schulen zu diesem Umzug, bereit nach dem „Startpfiff“ durch die engen Gassen der Niederburg zu sprinten und auf Transparenten, meist in gereimter Form, Lehrer zu verspotten. Sie lärmen mit Topfdeckeln, Trillerpfeifen, Büchsen und Rätschen. Sie stürmen eingehakt durch die Gassen, stoppen plötzlich, schreien und singen, um dann ihren ungestümen Lauf wieder fortzusetzen. Die nächtliche Stimmung reißt alle mit, Einheimische wie Gäste, die sich zu fortgeschrittener Stunde in den dicht gefüllten Weinstuben und Lokalen einfinden. Musikanten, Maskenträger und sogenannte „Schnurrgruppen“ ziehen von Lokal zu Lokal, spielen und führen improvisierte Narrenspiele auf. Infos: www.konstanzerfasnacht.de, http://blaetzlebue.de/hemdglonker/hemdglonker.htm

Hänselejuck in Überlingen

Höhepunkt der Überlinger Straßenfasnacht auf der gegenüber liegenden Seeseite ist der „Hänselejuck“, der traditionell am Fasnachtssamstag stattfindet. Schon am Vormittag hallt es in den Sträßchen des Bodenseestädtchens von lautem Knallen wider. In den Gassen tauchen die ersten „Hänsele“ in ihrem „Flecklehäs“ auf. Unter diesem farbenprächtigen Zottelgewand mit rechteckigen, eingeschnittenen und aufgenähten Stoffflicken und der Bodensee-typischen Tuchmaske verbergen sich traditionell nur Männer. Sie sind auf dem Weg zum Markt, um sich vor einer Jury im „Karbatschenschnellen“ zu messen. Mit diesen kurzstieligen Peitschen, je nach Alter und Größe des Hänsele zwischen zwei und vier Meter lang, erzeugen die Hänsele ein lautes Knallen, das bis spät in die Nacht zu hören ist. Am Abend beginnt dann der eigentliche Hänselejuck: bis zu 800 springende (juckende), tanzende und jauchzende Hänsele ziehen unter Fanfarenklängen und Guggenmusik vom Hänselebrunnen zur Hofstatt, um dort ihre gespenstischen Sprünge zu vollführen. Die ganze Stadt mit Gästen und Einheimischen ist in dieser Nacht unterwegs: In Gruppen und Grüppchen wandert man von Lokal zu Lokal, tanzt, singt und lässt sich vom närrischen Treiben mitreißen.
Infos: www.narrenzunft-ueberlingen.de

Grobgünstiges Narrengericht in Stockach

In Stockach, dem mittelalterlichen Städtchen am nördlichen Zipfel des Bodensees, beginnt schon am Dreikönigstag die Fasnacht. Dann tagt in einer nicht-öffentlichen „Dreikönigsitzung“ erstmals das Narrengericht, um einen Sünder für die bevorstehende, öffentliche „Gerichtsverhandlung“ auszuwählen. Das „Hohe Grobgünstige Narrengericht zu Stockach“ steht in einer langen Tradition. Es tagt seit dem Mittelalter am „Schmotzigen“ Donnerstag in der Bodenseestadt. Prominenz des öffentlichen Lebens, darunter häufig Landes- oder Bundespolitiker müssen hier vor dem närrischen Rügegericht die bissige Rede des Klägers über sich ergehen lassen, kommen aber auch in den Genuss eines engagierten Plädoyers des „Fürsprechs“. Im Jahr 2010 traf es die Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen Renate Künast. Aber auch Joschka Fischer, Angela Merkel, Guido Westerwelle und andere schlugen sich in den Vorjahren bravourös durch die Verhandlung.
Infos: www.narrengericht-stockach.de

Die letzte Fasnacht der Welt…

…findet übrigens auch am Bodensee statt. In Ermatingen am Schweizer Ufer des Untersees wird jedes Jahr am „Lätare-Sonntag“, drei Wochen vor Ostern, die so genannte Groppenfasnacht gefeiert. Erst dann, wenn andernorts schon lange die Fastenzeit angebrochen ist. Die Groppenfasnacht entstammt wahrscheinlich einem altgermanischen Frühlingsfest, mit dem die Ermatinger Fischer schon im Mittelalter alljährlich den Fang der ersten Groppen feierten. Über Jahrhunderte wurde das Groppenfest nur im „Staad“, dem Dorfteil der Fischer am See, gefeiert, während die Leute im Oberdorf die Bauernfasnacht begingen. Schließlich legten die beiden Dorfteile ihre Fasnacht zusammen und feiern seither zu Ehren des Groppes die „letzte Fasnacht der Welt“ – mit einem Dorffasnachtsabend und bunter Beizenfasnacht. Höhepunkt der Groppenfasnacht ist der Groppenumzug am Lätare-Sonntag. Der kombinierte Fischer-, Frühlings- und alemannische Fasnachtsumzug, an dem rund 40 Gruppen und 1.500 Einzelpersonen mitwirken zieht regelmäßig zehntausende Besucher an. Er findet allerdings nur alle drei Jahre statt – das nächste Mal 2013. Infos: www.groppenfasnacht.ch