Freitag, 22. Juni 2018


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Tibet: Nomaden droht Ausschluss von Weidegebieten / UNESCO-Welterbestätte Hoh Xil betroffen / ICT: Peking bricht eigene Zusagen und verletzt UN-Prinzipien

Berlin, (lifePR) - Die chinesischen Behörden haben eine Bekanntmachung veröffentlicht, die den Zugang zur im Juli als UNESCO-Welterbestätte anerkannten Region Hoh Xil im Norden Tibets drastisch beschränkt. Damit laufen tibetische Nomaden Gefahr, den Zugang zu ihren traditionellen Weidegebieten zu verlieren. Das riesige Gebiet von der doppelten Fläche Belgiens darf demnach nur noch von Sicherheitskräften und autorisierten Personen betreten werden. Berichten der chinesischen Staatsmedien vom 27. November zufolge sollen die Zugangsbeschränkungen auch für zwei weitere große Naturschutzgebiete gelten, das in der sogenannten Autonomen Region Tibet (TAR) gelegene Gebiet Chang Tang (chin.: Qiangtang) und das in der benachbarten Uigurenregion Xinjiang (Ost-Turkestan) liegende Gebiet Altun Shan. Das Naturschutzgebiet Chang Tang übertrifft die Region Hoh Xil hinsichtlich der Flächenausdehnung um ein Mehrfaches.

Die neue Bekanntmachung steht offenbar im Einklang mit der Politik der chinesischen Regierung, die schon seit Langem die traditionelle Weidewirtschaft im tibetischen Hochland entgegen der Faktenlage als „Gefahr“ für die Umwelt bezeichnet. Tatsächlich spielt diese in Jahrhunderten entwickelte Form der schonenden Landnutzung eine entscheidende Rolle für den Erhalt dieses besonderen Ökosystems. Die Forschungen sowohl chinesischer und tibetischer als auch westlicher Wissenschaftler belegen demgegenüber, dass die von der chinesischen Regierung betriebene Zwangsansiedlung der tibetischen Nomaden wesentlich zur Verschlechterung der Böden beiträgt. Die traditionelle Weidewirtschaft hingegen sei imstande, ein gesundes Ökosystem in Tibet zu erhalten und die negativen Folgen des Klimawandels abzumildern.

Mit der Bekanntmachung der chinesischen Behörden scheinen sich Befürchtungen zu bestätigen, die bereits im Vorfeld der Anerkennung Hoh Xils als UNESCO-Welterbestätte laut geworden waren. So hatte unter anderem die International Campaign for Tibet (ICT) in einem Bericht darauf hingewiesen, dass den tibetischen Nomaden unter dem Vorwand des Naturschutzes der Zugang zu ihren traditionellen Weidegründen verwehrt werden solle. Die chinesische Delegation bei der UNESCO-Konferenz im polnischen Krakau hatte daraufhin zugesagt, die Nomaden könnten das Land in gewohnter Weise für ihre Weidetiere nutzen. ICT ist daher in großer Sorge, dass mit der behördlichen Bekanntmachung Pekings Versprechen gebrochen wird. Damit würde die chinesische Regierung nicht nur die angestammten Rechte der Nomaden verletzen, es handelte sich dabei auch um eine Verletzung der nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG) der Vereinten Nationen und ihrer Grundprinzipien, die Mitwirkung und Inklusion der betroffenen Bevölkerung vorsehen.

Weitere Einzelheiten können Sie unserem englischsprachigen Bericht „Ban on access to nature reserves in Tibet raises concern about Tibetan nomads at UNESCO site“ vom 11. Dezember 2017 entnehmen.

International Campaign for Tibet Deutschland e.V.

Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit mehr als 20 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.

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